Oculus Quest Pro: Diese drei Next Gen-Features braucht die VR-Brille

Oculus Quest Pro: Diese drei Next Gen-Features braucht die VR-Brille

2022 dürfte eine Quest Pro erscheinen. Die folgenden Features stehen ganz oben auf meiner Wunschliste – und sind realistisch.

Dass Facebook an einer Quest Pro arbeitet, ist seit Längerem bekannt: Im Frühjahr bestätigte Facebooks XR-Chef Andrew Bosworth die Entwicklung, kurze Zeit später sprach Mark Zuckerberg über die Quest Pro. Laut Bosworth wird sie nicht mehr dieses Jahr kommen, daher ist 2022 als Marktstart wahrscheinlich. Eine offizielle Ankündigung könnte es Ende Oktober auf der Facebook Connect 2021 geben.

Mit der Quest Pro will Facebook eine Experimentierplattform für zukünftige VR-Hardware etablieren. Die VR-Brille könnte demnach die Nachfolge der Oculus Rift S antreten, die 2021 eingestellt wurde. Die Idee ist, dass die Quest Pro experimentelle Hardware-Features erhält, die nach einer gewissen Reifezeit ihren Weg in kommenden Generationen der Oculus Quest finden.

Zuckerberg zufolge könnte die Quest Pro „ein bisschen teurer“ als die Oculus Quest 2 werden, die ausgesprochen aggressiv bepreist ist und anders als die Quest Pro in erster Linie dazu dient, den Markt zu vergrößern. Einen allzu hohen Preis für das  Enthusiastenmodell wird Facebook wohl dennoch nicht ansetzen.

Kommen wir zu den drei Features, die ich mir für Oculus Quest Pro wünsche.

Eye-Tracking bringt VR auf eine neue Stufe

Eye-Tracking ist so etwas wie ein Heiliger Gral der Virtual Reality, der die Technologie auf die nächste Stufe heben könnte.

Blickerfassung ermöglichte realistischere Avatare in sozialen VR-Anwendungen, neue, blickgesteuerte Interfaces und Spielmechaniken sowie bessere Grafik: Mit sogenanntem Foveated Rendering wird nur derjenige enge Bereich des Sichtfelds in voller Auflösung gerendert, den das Auge gerade anblickt. Dadurch werden viele Ressourcen frei, die in eine höhere Auflösung oder bessere 3D-Modelle und Grafikeffekte gesteckt werden können.

Obwohl Eye-Tracking für VR-Brillen seit vielen Jahren in Aussicht gestellt wird, hat es die Technologie noch immer nicht in Endverbrauchergeräte geschafft. Mit der Quest Pro und Playstation VR 2 könnte sich das 2022 endlich ändern.

Abrash demonstriert derzeitige Eye-Tracking-Technologie. BILD: Oculus VR
Der leitende Facebook-Forscher Michael Abrash sprach auf der Fachkonferenz Oculus Connect 3 schon 2016 über die technischen Schwierigkeiten des Eye-Trackings. Sind sie 2016 gelöst?| Bild. Facebook

Facebook interessiert die Blickerfassung aus zwei Gründen: Sie liefert zum einen weitere Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten und ist damit datentechnisch eine Goldgrube. Facebook könnte diese VR-Daten für mehr Werbeangebote oder im Künstliche Intelligenz-Wettstreit mit Google und Co. einsetzen. Zum anderen ermöglicht Eye-Tracking eine lebensechtere soziale Interaktion in Facebooks Metaverse.

Zuckerberg selbst deutete an, dass die Quest Pro neue Sensoren für Eye- und Facetracking bieten werde. Beides würde hervorragend in Facebooks Strategie passen und die jüngst gelaunchte VR-Meeting-App Horizon Workrooms sinnvoll ergänzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Feature kommt, ist relativ hoch.

Video-AR: Hochwertige Augmented Reality per Videodurchsicht

Das zweite große Feature, mit dem die Quest Pro Virtual Reality 2.0 einläuten könnte, wäre eine Videodurchsicht in Farbe und mit hoher Auflösung. Dadurch würde das Gerät optional zu einer brauchbaren AR-Brille und beherrschte beide Darstellungsmodi räumlicher Computer: VR und AR.

Zwar kann die Standard-Quest über die verbauten Trackingkameras ebenfalls ein Bild der Umgebung zeigen, diese jedoch nur in verrauschtem Schwarzweiß. Das reicht für erste AR-App-Experimente, mehr aber auch nicht.

Würde Facebook zusätzlich zwei hochauflösende RGB-Kameras in Quest Pro integrieren, wäre dieses Problem beseitigt und die Grundlage zu einer Mixed Reality-Brille gelegt, vergleichbar mit Geräten wie Varjo XR-3, Lynx R-1 und Apples kommender XR-Brille. Aus der Quest Pro würde so eine gute Entwicklungs- und Experimentierplattform für Facebooks AR-Zukunft.

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Das Start-up Lynx möchte Anfang 2022 seine erste autarke XR-Brille ausliefern. Videodurchsicht-AR hat große Vorteile gegenüber herkömmlichen AR-Brillen mit transparenter Optik. | Bild: Lynx

Bosworth bestätigte unlängst, dass RGB-Kameras hoch auf der Prioritätenliste stehen. Eine Implementierung schon in Quest Pro ist demnach möglich.

Facebooks Quest-Strategie würde ein hochwertiger AR-Modus helfen: Mit der VR-Meeting-App Horizon Workrooms und Infinite Office will Facebook die VR-Brille in den nächsten Jahren als alternatives Arbeitsgerät etablieren. Hochwertige Videodurchsicht ist bei diesem Unterfangen unabdingbar, etwa um die Wirklichkeit stufenweise einzublenden und seine Umgebung im Blick zu halten.

Präzises Handtracking für bessere VR-Interfaces und mehr Immersion

Ein weiterer wichtiger Baustein für diese Vision ist ein latenzfreies und genaues Handtracking mit Oculus Quest (2).

Facebook führte Ende 2019 experimentelles Handtracking für Oculus Quest ein. Im Mai 2020 verließ das Feature die Betaphase. Seit Erscheinen wurden eine Handvoll VR-Apps um teils eindrückliche Handtracking-Unterstützung erweitert (siehe Cubism, Hand Physics Lab).

Leider wird das Feature durch die in Oculus Quest 2 (Test) verbaute Technik zurückgehalten: Die Verzögerung stört, die Präzision lässt zu wünschen übrig und die Hände dürfen sich nicht überkreuzen, ansonsten streikt das optische Handerkennungssystem.

Damit aus dem ersten Ansatz ein Killer-Feature wird, muss Facebook bei der Hardware aufrüsten. Quest Pro wäre genau die richtige Plattform für ein solches Upgrade. Mit besseren Algorithmen könnte das Unternehmen das Handtracking anschließend nach und nach verbessern.

Zwei Hände greifen ineinander, dennoch erkennt Facebooks Handtracking die Finger.
Präzises und verzögerungsfreies Handtracking ist Zukunftsmusik. Bessere Trackinghardware könnte helfen, diesem Ziel näherzukommen. | Bild: Facebook

So wie Eye- und Facetracking und ein hochwertiger AR-Modus passt auch ein besseres Hand- und Fingertracking perfekt in Facebooks VR-Strategie: Horizon Workrooms setzt größtenteils auf Hände statt VR-Controller. Außerdem zahlen realistisch erfasste Hände auf die Glaubhaftigkeit der Avatare und damit die Immersion ein.

Dass explizit mit der nächsten Oculus Quest oder mit der Quest Pro besseres Handtracking kommt, dafür gibt es noch keine konkreten Hinweise. Die technischen Hürden für fast perfektes Handtracking, wie Facebook es im Labor schon zeigte, sind hoch. In jedem Fall wird Facebook kontinuierlich an besserem Hand- und Fingertracking arbeiten.

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