In den letzten Wochen konkretisierten sich die Gerüchte um Apples VR-Brille. Hier sind alle aktuellen Informationen zu Apples möglichen Virtual-Reality-Plänen.

In diesem Artikel erfahrt ihr

  • welche Technik in Apples VR-Brille stecken könnte,
  • für wen das Gerät gedacht sein dürfte sowie
  • Einzelheiten zum Preis und dem geplanten Marktstart.

Hintergrund: Apples VR- und AR-Forschung

Apple selbst äußerte sich bislang nicht zur Entwicklung eigener Tech-Brillen. Bekannt ist, dass der Konzern seit 2015 ein eigenes Team an der Technologie forschen lässt, das im Laufe der Jahre auf über 1.000 Mitglieder angewachsen ist.

Dass es Apple ernst ist mit AR und VR und daher womöglich einer Tech-Brille, zeigen eine Vielzahl von Akquisitionen sowie eine Reihe von Leaks seitens Apple-Insidern. Über diese Berichte lässt sich ein relativ klares Bild von Apples Strategie und dem Entwicklungsstand der Tech-Brillen zeichnen.

Den bisherigen Leaks zufolge arbeitet Apple an zwei unterschiedlichen Geräten: einer autarken VR-Brille mit dem Codenamen N301, die am Markt erhältlichen Geräten wie Oculus Quest 2 (Infos) ähnelt und einen AR-Modus über Videodurchsicht bietet. Und einer reinen AR-Brille mit dem Codenamen N421, die schlanker gebaut ist und für den Alltagsgebrauch gedacht ist. Das letztgenannte Gerät ist Apples eigentliches Ziel. N301 soll Steigbügelhalter bei der Entwicklung und Marktforschung für N421 sein.

Während die Arbeit an der VR-Brille schon recht weit fortgeschritten sein soll, steht die AR-Brille noch relativ am Anfang. Die Technologie für eine fortschrittliche und gleichzeitig schlanke AR-Brille existiert noch nicht.

Aus diesem Grund soll Apple zuerst eine VR-Brille auf den Markt bringen wollen. Entwickler erhielten damit eine Experimentierplattform für räumliche Inhalte, die besser funktioniert als Smartphone-AR. Profis und Konsumenten könnten sich an Techbrillen Marke Apple herantasten.

Ob und wann Apples Tech-Brillen erscheinen, ist nicht bekannt. Die Projekte könnten sogar gänzlich eingestampft werden.

Apples VR-Brille: Technische Daten

Apples VR-Brille soll schon recht nahe an der Fertigstellung sein. Dementsprechend gibt es zum Gerät bereits recht konkrete Informationen von Apple-Insidern.

Die folgenden Spezifikationen sind nicht von offizieller Seite bestätigt und die Aussagen könnten sich auf verschiedene Prototypen beziehen. Die Quellen sind am Ende des Artikels aufgelistet.

ProzessorApple will hoch entwickelte und besonders schnelle Chips verbauen. Der Konzern testete auch Prozessoren, die schneller rechnen als der M1. Wegen der hohen Hitzeentwicklung soll in der VR-Brille ein Lüfter verbaut sein.
DisplayZwei 8K-Displays, was einem 8K-Display pro Auge entspricht. Zum Vergleich: Die derzeit hochauflösendste VR-Brille für Endverbraucher, die HP Reverb G2 (Test), bietet 2K-Auflösung pro Auge.
Auflösung und BildwiederholrateUnbekannt
SichtfeldUnbekannt
Linsen / SehstärkeWelche Linsen zum Einsatz kommen, ist nicht bekannt. Apple soll ein System entwickelt haben, das den Einsatz von Sehstärke-Linsen ermöglicht.
Einstellung des AugenabstandsUnbekannt
SensorenInsgesamt mehr als ein Dutzend Kameras für räumliches Tracking, Blickerfassung mit Foveated Rendering, Handtracking und das Aufzeichnen der Umgebung für die AR-Videodurchsicht. Außerdem sollen Lidar-Scanner ähnlich dem im iPad Pro und iPhone 12 Pro zum Einsatz kommen. Sie messen die Tiefe des Raums und sorgen für realistische Augmented Reality (siehe Abschnitt weiter unten).
TrackingInside-Out-Tracking mittels integrierter Kameras
KopfhalterungApple soll austauschbare Kopfhalterungen mit integrierter 3D-Audiotechnologie entwickelt haben. Eine optionale Kopfhalterung hat eine Batterie verbaut für längere Nutzung am Stück.
AudioKopfhalterung mit integrierter Audiolösung, die 3D-Audio ähnlich den Airpods Pro und Airpods Max unterstützt.
MikrofonUnbekannt
AnschlüsseDie VR-Brille wird per Kabel geladen. Mehr ist nicht bekannt zu den Anschlüssen.
KabelDie VR-Brille ist autark und kommt daher ohne Zuspieler und Kabel aus.
MaßeUnbekannt
GewichtUnbekannt
BesonderheitenEin zweites Display erlaubt dem Nutzer, Außenstehenden Grafiken anzuzeigen oder zeigt nützliche Informationen an, wenn man das Gerät gerade nicht auf dem Kopf hat.

Apple AR durch VR: Wie funktioniert der AR-Modus?

Apples VR-Brille beherrscht VR und AR und wäre damit genau genommen als XR-Brille zu bezeichnen. Apple-Angestellte beschreiben das Gerät als ein Mixed-Reality-Headset sprechen, weil es “VR-Erfahrungen mit Spielen und anderen Anwendungen kombinieren kann, die physische Objekte in der Umgebung einbeziehen.”

Der AR-Modus ist über die nach außen gerichteten Kameras möglich: Sie filmen die Umgebung und streamen das Bild auf die Displays der Brille, weshalb man auch von Videodurchsicht sprechen kann. Das Prinzip ist bekannt: Selbst die 2016 erschienene HTC Vive bot eine stets aktivierbare Videodurchsicht – allerdings in geringer Auflösung und mit starkem Grünstich.

Apples Brille soll hier einen Qualitätssprung bieten: Dank der hochauflösenden Kameras und Displays der Apple-Brille soll die Display-Sicht deutlich näher am normalen Sehen liegen.

Das folgende Video zeigt, wie ein Nutzer der technisch ähnlich gebauten Highend-XR-Brille Varjo XR-3 einen Faden einfädelt, während er per Videodurchsicht aus der Tech-Brille herausschaut. Das zeigt, wie genau das 3D-Blickfeld-Streaming funktionieren kann bei hochwertiger Sensorik und guten hochauflösenden Displays.

Das auf die Displays der Apple-Brille gestreamte Video der physischen Umgebung kann beliebig um AR-Elemente erweitert werden. Die Software-Grundlage dafür liefert Apples AR-Schnittstelle ARKit, die seit dem Launch 2017 kontinuierlich verbessert wird. Unklar ist derzeit noch, wie fortgeschritten der AR-Modus ist. In neuen Berichten heißt es, dass die AR-Funktionalität im Vergleich zum VR-Modus eingeschränkter und der Schwerpunkt der Brille VR ist.

Augmented Reality über Videodurchsicht hat eine Reihe von Vorteilen gegenüber reinen AR-Brillen mit halbtransparenten Displays wie Hololens 2 (Vorabtest), Magic Leap 1 (Test) und Nreal Light (Preview): Das Sichtfeld ist ähnlich groß wie bei VR-Brillen (um die 110 Grad statt 30 bis 50 Grad) und AR-Elemente verdecken die physische Umgebung vollständig, ohne dass der Hintergrund durchschimmert.

Welche Rolle spielt der Lidar-Scanner für VR und AR-Brillen von Apple?

Die VR-Brille soll einen Lidar-Scanner integriert haben. Apple integrierte einen Lidar-Scanner erstmals im iPad Pro (2020). Später folgte das iPhone 12 Pro und Pro Max. Ab dem iPhone 13 soll der Tiefensensor Berichten zufolge zur Standardausstattung jedes iPhones werden.

Ein Lidar-Scanner sendet Lichtimpulse aus und misst, wie viel Zeit vergeht, bis das Licht zum Sensor zurückfindet. Dadurch kann genau die Tiefe des Raums genauer gemessen werden als mit einer herkömmlichen RGB-Kamera.

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Der Lidar-Scanner im iPhone 12 Pro. | Bild: Apple

3D-Sensoren in Smartphones sind keine Neuheit, Apples Lidar-Scanner ist technisch jedoch fortschrittlicher als bisherige Modelle: Statt eines einzelnen Lichtimpulses sendet Apples Tiefenkamera eine Vielzahl Lichtstrahlen und misst so flächenhaft den Raum, wie folgendes Video veranschaulicht.

Eine höhere Lichtreichweite sorgt zudem dafür, dass Objekte in mindestens bis zu fünf Metern Entfernung räumlich erfasst werden. In Zukunft soll diese Distanz noch steigen.

Weil der Lidar-Scanner relativ schnell eine 3D-Karte der Umgebung zeichnen kann, ermöglicht er besonders realistische AR-Effekte, bei denen beispielsweise ein AR-Objekt durch einen davor liegenden physischen Gegenstand verdeckt wird oder physikalisch korrekt eine schräge Fläche hinunterrollt. Experimente in dieser Richtung werden bereits mit Apples AR-Schnittstelle ARKit für iPhones und iPads entwickelt.

Apples VR-Brille könnte dank des Lidar-Scanners zudem Objekte und ganze Räume einscannen und in die Virtual Reality bringen. Die Varjo XR-3 ist die erste am Markt erhältliche Tech-Brille, die einen Lidar-Scanner verbaut hat und solche technischen Fähigkeiten bietet.

Wie sieht Apples VR-Brille aus?

Die Größe und Form der VR-Brille wird unterschiedlich beschrieben. Vermutlich sprechen die Insider von verschiedenen Prototypen.

Einige Quellen behaupten, sie gleiche Oculus Quest, aber sei kleiner und hochwertiger verarbeitet. Anderen Quellen zufolge hat Apple einen wesentlich schmaleren Formfaktor erreicht.

Die Webseite The Information will ein Bild eines weit entwickelten Prototyps aus dem Jahr 2020 gesehen haben und beschreibt das Gerät als “einen schlanken, gebogenen Visor” mit austauschbaren Kopfhalterungen. Die Webseite fertigte eine Zeichnung des Prototyps an.

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Die Zeichnung eines 2020er-Prototyps. | Bildquelle: The Information

Hätte Apple tatsächlichen einen solchen Formfaktor erreicht, käme das einem Durchbruch gleich. Derzeit am Markt erhältliche VR-Brillen (Vergleich) wie Oculus Quest 2 (Test) sind wesentlich wuchtiger.

Um das Gerät so schlank wie möglich zu bauen, soll Apple auf den zusätzlichen Raum zwischen Linsen und Augen verzichtet haben, der für die Unterbringung herkömmlicher Brillen vorgesehen ist. Für Nutzer mit Sehschwächen hat Apple ein System für den Einsatz von Sehstärke-Linsen entwickelt. Um das Gewicht zu reduzieren, soll Apple auf Textilien statt Plastik für das Äußere der VR-Brille setzen.

Apples VR: Apps, Filme, Games, Meetings?

Weil die Technologie noch sehr jung ist, soll sich Apple selbst noch nicht im Klaren darüber sein, welche Inhalte und Funktionalität die VR-Brille bieten soll. Als mögliche Anwendungen nennen Insider Gaming, Produktivität und Bildung. Ebenso möglich sind virtuelle Meetings sowie Unterhaltung in Form von 360-Grad-Videostreaming von Konzerten und Sportereignissen, da Apple Start-ups für entsprechende Technologien kaufte.

Oculus Quest 2 mit Controllern und der Verkaufsbox im Hintergrund

Facebooks Oculus Quest 2 kostet 300 US-Dollar und wird als VR-Spielkonsole vermarktet. Apple dürfte einen teureren Weg einschlagen und eher Profis und die Industrie als Kundschaft sehen. | Bild: Facebook.

Für eine nahtlose Integration ins bestehende Apple-Ökosystem soll der Konzern ein eigenes 3D-Betriebssystem namens rOS (“Reality Operating System”) mit dediziertem App Store entwickeln.

Apples VR-Brille: VR-Controller, Eye-Tracking & mehr

Apple solle mit einer Vielzahl Interfaces experimentieren: von natürlicheren Methoden wie Blickerfassung, Handtracking und Sprachsteuerung via Siri über klassisches Zubehör wie Controller bis hin zu einem fingerhutartigen Gerät und Touchscreens. Manche Prototypen sollen ein Einstellrad wie die Airpods Max integriert haben.

Release & Preis: Wann erscheint Apples VR-Brille und was kostet sie?

Das Design soll schon weit fortgeschritten sein. Laut einem Apple-Zeitplan vom Oktober 2019 ist der Marktstart für 2022 geplant. Entwickler sollen noch 2021 Zugang zur Hardware bekommen und die App-Programmierung starten. Einer Analyse von Apples Lieferkette zufolge ist ein Launch Anfang 2022 realistisch.

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Die Varjo XR-3 (links) kommt Apples VR-Brille technisch am nächsten, bedarf jedoch eines PC-Zuspielers. Kostenpunkt der XR-Brille: 5.000 Euro. | Bild: Varjo

Wegen der Komplexität des Geräts und dem Risiko eines Flops könne Apple das Produkt aber immer noch verschieben oder komplett einstampfen, heißt es in bisherigen Berichten. Apple erwägt laut Insidern einen Preis von bis zu 3.000 US-Dollar.

Einschätzung: Was will Apple mit der VR-Brille erreichen?

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