Varjo stellt die dritte Generation seiner XR-Geräte vor. Die Techbrillen sind deutlich leistungsfähiger, aber auch günstiger als die Vorgänger. Ich sprach mit dem Firmengründer Urho Konttori über die neuen Geräte und was Varjo als Nächstes plant.

Die VR-3 und XR-3 ersetzen die älteren Varjo-Geräte: Die VR-3 wird ab sofort anstelle der VR-2 und VR-2 Pro (Vorabtest) und die XR-3 anstelle der XR-1 Developer Edition verkauft. Doch was ist neu?

Die Tücken eines Doppeldisplays

Das Alleinstellungsmerkmal der Varjo-Brillen ist ein Doppeldisplay: Es besteht aus einem kleineren Fokusdisplay mit einer überdurchschnittlich hohen Pixeldichte, das in der Bildmitte ein knackscharfes Bild ermöglicht und einem größeren Kontextdisplay mit einer Standardauflösung, das den restlichen Sichtbereich etwa so scharf darstellt wie handelsübliche VR-Brillen.

Diese Konstruktion hatte zwei Probleme: Zum einen war das Bild nur in der Mitte innerhalb eines eher kleinen Bereichs vollkommen scharf, zum anderen war der Übergang vom Fokusdisplay zum Kontextdisplay gut sichtbar und störte den Bildeindruck.

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So sah das Bild in früheren Varjo-Brillen aus. | Bild: Varjo

Verbesserungen bei der Optik

Mit der VR-3 und XR-3 ging Varjo diese Probleme an: Das Fokusdisplay ist jetzt zweimal so groß und das Kontextdisplay löst nun weitaus höher auf. Laut dem Varjo-Mitgründer und heutigen Innovationschef Urho Konttori ist der Übergang praktisch nicht mehr zu erkennen.

Die dritte Generation Varjo-Geräte bietet außerdem ein größeres Sichtfeld mit 115 statt 87 Grad horizontaler Sichtfeldweite.

Die folgenden beiden Bilder veranschaulichen die Unterschiede bei der Optik: Die Größe und Pixeldichte des Fokusdisplays, die Pixeldichte des Kontextdisplays und die Sichtfeldweite haben sich verbessert.

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Die Pixeldichte des Fokusdisplays verbesserte sich ebenfalls: Die VR-3 und XR-3 bieten jetzt 71 statt 62 PPD. | Bild: Varjo

Das folgende Bild vergleicht das neue Fokusdisplay mit dem gleichen Displaybereich in einer herkömmlichen VR-Brille.

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Mit den Varjo-Brillen sind deutlich mehr Details zu erkennen. Davon profitieren professionelle Anwendungsszenarien wie Pilotentrainings und VR-Prototyping. | Bild: Varjo

Varjo-XR: Jetzt mit Inside-Out-Tracking und Lidar-Sensor

Die VR-3 und XR-3 bieten standardmäßig Eye-Tracking und Foveated Rendering sowie die neueste Version des Ultraleap-Handtrackings. In Sachen Tragekomfort tat Varjo einen großen Schritt nach vorne: Die Techbrillen sind nun 40 Prozent leichter und werden mit einer neuen, verbesserten Kopfhalterung ausgeliefert, die sich an drei Stellen angepasst werden können.

Die XR-3 bietet zusätzlich einen Augmented-Reality-Modus: Zwei nach außen gerichtete RGB-Kameras filmen die Umgebung und übertragen das Bild in die Brille, wo es um digitale Elemente erweitert werden kann. Laut Konttori beträgt die Latenz der Kameradurchsicht weniger als 20 Millisekunden.

Neu an der XR-3 ist ein von Varjo entwickeltes optionales Inside-Out-Tracking. Frühere Varjo-Geräte und die VR-3 nutzten Valves SteamVR Tracking. Die XR-3 ist außerdem die erste Varjo-Brille mit integriertem Lidar-Sensor. Mit ihm kann die Techbrille die Tiefe des Raumes bis auf fünf Meter Entfernung erkennen, messen und dreidimensional scannen.

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Die Vorderseite der XR-3 hat eine Menge Kameras und Sensoren verbaut. | Bild: Varjo

Die XR-3 kombiniert die Bildinformation der Stereo-RGB-Kameras und des Lidar-Sensors, um eine detaillierte 3D-Karte der Umgebung zu erstellen. So versteht die Techbrille die umgebende Welt räumlich, was aufwendigere und realistischere AR-Effekte möglich macht.

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Die Sensorfusion der XR-3 in Aktion. Links: Die 3D-Daten des Lidarsensors. Mitte: Das RGB-Bild. Rechts: Die daraus resultierende detaillierte 3D-Tiefenkarte der Umgebung. | Bild: Varjo

Varjo-Brillen sind nun auch für kleinere Unternehmen erschwinglich

Varjo-CEO Niko Eiden sprach schon länger davon, den Preis der Varjo-Geräte zu senken, damit sie auch für kleinere und mittlere Unternehmen erschwinglich würden.

Mit der dritten Generation kommt Varjo diesem Kundenwunsch nach: Die XR-3 kostet 5.495 Euro, während Varjo für die XR-1 Developer Edition noch knapp 10.000 Euro aufrief. Die VR-3 schlägt mit 3.195 Euro zu Buche, während die Vorgänger, die VR-2 und VR-2 Pro, 4.495 bzw. 5.995 Euro kosteten. Hinzu kommen wie bisher Kosten für Software und Support.

Fällt der Preis von circa 3.000 Euro für Varjos VR-Brille in den nächsten Jahren um weitere 50 Prozent, könnte das Gerät für VR-Enthusiasten interessant werden. Konttori betont, dass das Gerät problemlos mit jeder VR-App einschließlich Spielen läuft. Zum jetzigen Zeitpunkt werden die Geräte jedoch nur an Unternehmen verkauft.

Drahtlose Varjo-Brille in Planung

Die Hardware-Anforderungen bewegen sich trotz hochauflösendem Doppeldisplay in einem annehmbaren Bereich: Konttori nennt eine Nvidia RTX 3070 als Grundlage. Das Foveated Rendering helfe zusätzlich, die GPU-Anforderungen zu drücken.

Ich fragte Konttori, woran Varjo als Nächstes arbeitet. Faktoren wie Ergonomie und Gewicht könne man immer optimieren, um den potenziellen XR-Markt zu vergrößern, meint der Firmengründer. In Sachen Display wären die nächsten großen Schritte Helligkeit und HDR-Wiedergabe. In Zukunft erwarte man außerdem, dass Varjo-Brillen drahtlos funktionierten. Varjo beschäftige sich bereits mit entsprechenden Lösungen.

Unternehmen können die VR-3- und XR-3 ab sofort auf der offiziellen Internetseite bestellen. Zu den bisherigen Kunden gehören unter anderem Lockheed Martin, Kia Motors, Autodesk und Boeing.

Varjo VR-3: Technische Spezifikationen

Display & AuflösungFull Frame Bionic Display
Fokusbereich (27° x 27°) mit 70 PPD uOLED-Display, 1.920 x 1.920 Bildpunkte pro Auge
Peripherer Bereich mit über 30 PPD LCD-Display, 2.880 mal 2.720 Bildpunkte pro Auge
Farben: 99% sRGB, 93% DCI-P3
SichtfeldHorizontal 115°
Bildwiederholrate
90 Hz
Handtracking
Ultraleap Gemini (v5)
Komfort und Tragbarkeit3-Punkte-Präzisions-Kopfhalterung
Austauschbare, leicht zu waschende Polyurethan-Gesichtspolster
Automatische IPD-Einstellung, Bereich: 59–71 mm
Gewicht558 g mit Kopfhalterung
AnschlüsseZwei Headset-Adapter in-box
Zwei USB-C Kabel (5 m) in-box
PC Anschlüsse: 2 x DisplayPort und 2 x USB-A 3.0+
PositionstrackingSteamVR 2.0 Tracking
Eyetracking200 Hz mit einer Genauigkeit von unter einem Grad; 1-Dot-Kalibrierung für Foveated Rendering
Audio3.5 mm Audio-Anschluss mit Mikrofon-Unterstützung

Varjo XR-3: Technische Spezifikationen

Display & AuflösungFull Frame Bionic Display
Fokusbereich (27° x 27°) mit 70 PPD uOLED-Display, 1.920 x 1.920 Bildpunkte pro Auge
Peripherer Bereich mit über 30 PPD LCD-Display, 2.880 mal 2.720 Bildpunkte pro Auge
Farben: 99% sRGB, 93% DCI-P3
SichtfeldHorizontal 115°
Bildwiederholrate
90 Hz
Mixed RealityUltratiefe Latenz, Video-Passthrough mit Dual 12 MP  und 90 Hz
XR-TiefeLiDAR + RGB Fusion, Funktionsbereich von 40 cm bis 5 m
Handtracking
Ultraleap Gemini (v5)
Komfort und Tragbarkeit3-Punkte-Präzisions-Kopfhalterung
Austauschbare, leicht zu waschende Polyurethan-Gesichtspolster
Automatische IPD-Einstellung, Bereich: 59–71 mm
Gewicht594 g mit Kopfhalterung
AnschlüsseZwei Headset-Adapter in-box
Zwei USB-C Kabel (5 m) in-box
PC Anschlüsse: 2 x DisplayPort und 2 x USB-A 3.0+
PositionstrackingSteamVR 2.0 Tracking
Varjo Inside-out Tracking mit RGB Video Passthrough-Kameras
Eyetracking200 Hz mit einer Genauigkeit von unter einem Grad; 1-Dot-Kalibrierung für Foveated Rendering
Audio3.5 mm Audio-Anschluss mit Mikrofon-Unterstützung

Quelle und Titelbild: Varjosteady2

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