Virtual Reality, Augmented Reality, Mixed Reality: Vor fünf Jahren waren diese Technologien in aller Munde. Man erwartete eine große Computerrevolution, dementsprechend locker saß das Geld in den Taschen großer Investoren. Dann blieb der große Durchbruch aus und selbst gut finanzierte Startups blieben auf der Strecke. Ich habe fünf denkwürdige Pleiten der letzten Jahre zusammengestellt.

5. StarVR

Investitionssumme: Unbekannt

StarVR ist ein Gemeinschaftsunternehmen des schwedischen Spielestudios Starbreeze und des taiwanesischen Elektronikherstellers Acer, das seit 2016 an einer Highend-VR-Brille mit besonders hoher Auflösung und weitem Sichtfeld arbeitet.

Im November 2018 kündigte StarVR den Börsenrückzug in Taiwan an. Der offizielle Grund: Das Unternehmen wolle sich angesichts des derzeitigen Zustands der VR-Industrie strategisch neu ausrichten.

Einen Monat später wurde bekannt, dass dem StarVR-Teilhaber Starbreeze die Insolvenz droht. Die Zukunft der gerade erst als Entwicklerversion gestarteten VR-Brille StarVR One war plötzlich unsicher.

Kurz darauf hieß es, dass die Auslieferung des Geräts gestoppt werde. Starbreeze kündigte an, sich ganz aus dem VR-Geschäft zurückziehen zu wollen und auch Acer wollte Gerüchten zufolge StarVR auflösen.

Das letzte Lebenszeichen von der Highend-VR-Brille gab es im April 2019. Auf der firmeneigenen Jahrespressekonferenz stellte Acer die VR-Brille vor ConceptD OJO vor und warb für StarVR One, ohne jedoch ein Erscheinungsdatum zu nennen.

StarVR One: Kommt die Brille noch auf den Markt? Bild: StarVR

4. Meta

Investitionssumme: 73 Millionen US-Dollar

Meta wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, eine massenmarkttaugliche AR-Brille mit großem Sichtfeld zu bauen. Die “Meta 2” verkaufte sich jedoch kaum. Zwei ehemaligen Angestellte zufolge sollen nur 3.000 bis 5.000 Geräte abgesetzt worden sein.

Anfang 2019 kam das Aus für Meta. Gescheitert sei das Unternehmen letztlich daran, dass die AR-Investitionen zurückgegangen seien und dass sich chinesische Investoren wegen Trumps Handelskrieg zurückzogen, sagte der Meta-Gründer Meron Gribetz damals.

Im Mai wurde bekannt, dass zwei Investmentfirmen Metas Vermögenswerte übernommen haben. Das neu gegründete Unternehmen Meta View baut jetzt eine AR-Brille für Geschäftskunden.

Meta behauptet, dass ein Ex-Mitarbeiter Wissen entwendet hat, um in kürzester Zeit ein billigeres Konkurrenzprodukt auf den Markt zu werfen.

Metas Hololens-Konkurrenz verkaufte sich nicht oft genug. Bild: Meta

3. Jaunt

Investitionssumme: 100 Millionen US-Dollar

Jaunt wurde 2013 gegründet und wollte das Netflix der XR-Branche werden. Es sollte entsprechende Inhalte nicht nur anbieten, sondern auch selbst produzieren. Deshalb entwickelte das Startup auch eine eigene 360-Grad-Kamera.

Das Problem: Seit 2016 wurden nur wenige VR-Brillen verkauft und dementsprechend klein war die Nachfrage nach immersiven Videos und Filmen.

Ende 2018 gab Jaunt bekannt, die eigene VR-Technologie verkaufen zu wollen und stattdessen auf Augmented Reality zu setzen. Rund 70 Prozent der Angestellten wurde entlassen.

Etwas später versteigerte Jaunt übers Internet stapelweise VR-Ausrüstung. Der Jaunt-Gründer wechselte im April 2019 zu Apple.

Das einst mit Millioneninvestitionen bedachte VR-Startup Jaunt VR verscherbelt seine Geschichte in einem Internet-Auktionshaus.

So sah das aus, als Jaunt das VR-Geschäft aufgab. Bild: Jaunt

Teure Highend-360-Kameras auf dem Beistellstisch. Bild: Jaunt

Teure Highend-360-Kameras auf dem Beistellstisch. Bild: Jaunt

2. Blippar

Investitionssumme: 137 Millionen US-Dollar

Der AR-Pionier Blippar probierte seit der Gründung im Jahr 2011 eine Vielzahl von Geschäftsmodellen aus, als wirklich profitabel erwies sich keines davon.

In der Anfangsphase wollte das Unternehmen mit AR-Werbung Geld verdienen, danach legte es den Schwerpunkt auf maschinelles Sehen und entwickelte eine Smartphone-App, die Objekte erkennt und mit Suchergebnissen aus dem Internet kombiniert. Ab 2017 versuchte sich Blippar an AR-Navigationshilfen für Städte und für Innenräume. Keines der Produkte erlangte je Marktreife.

Ende 2018 folgte das vorzeitige Aus: Das Unternehmen schlitterte in die Insolvenz und alle Mitarbeiter wurden entlassen, die vorhandenen Unternehmenswerte verkauft.

Anfang 2019 wurde bekannt, dass ein früherer Investor Blippars Patente und Technologie aufgekauft hat. Das Unternehmen arbeitet seither unter demselben Namen und unter der Führung des Firmengründers Ambarish Mitra weiter. Das neue Ziel: eine zugängliche Plattform für die Erstellung von AR-Inhalten entwickeln.

Blippar hatte viele AR-Ideen, keine davon war lukrativ. Bild: Blippar

1. Lytro

Investitionssumme: 215 Millionen US-Dollar

Lytro versuchte sich seit 2006 an Lichtfeldtechnologie und entwickelte unter anderem eine portable Kamera, die jedoch kein Verkaufsschlager wurde.

Mit dem neuerlichen Aufkommen von Virtual Reality schwenkte das Unternehmen um auf Highend-Lichtfeldkameras für volumetrische Videos. Trotz großer Versprechen und dem Dreh eines volumetrischen VR-Musikvideos sickerte die Technologie nicht zu Konsumenten durch. Die Immerge-Lichtfeldkamera kam niemals auf den Markt.

Im März 2018 gab Lytro die Schließung bekannt. Einen Grund nannte das Unternehmen nicht.

Frühere Gerüchte über eine Übernahme seitens Google bewahrheiteten sich nicht. Allerdings soll ein Teil des früheren Lytro-Teams bei Googles Lichtfeldabteilung die Arbeit fortsetzen. Laut eines anderen Berichts übernahm Google Teile von Lytros Technologie, habe jedoch Pläne, diese in eigene Produkte zu integrieren oder fortzuentwickeln.

Im ersten Quartal 2018 sollen VR-Nutzer zum ersten Mal ein räumliches Video des Unternehmens zu sehen bekommen.

Lytros Vision war groß, aber die Physik stellte dem Startup ein Bein. Bild: Lytro

Titelbild: Lytro

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