Wenn Meta-Gründer Meron Gribetz noch mal von neu starten dürfte, dann würde er sich zuerst um eine Killer-App bemühen.

Mit Meta verabschiedete sich Anfang 2019 der neben Microsoft und Magic Leap relevanteste AR-Brillenhersteller: Sämtliches Investorenkapital war aufgebraucht und zusätzliche Bankkredite jenseits der Zehn-Millionen-Dollar-Marke mussten abgegolten werden.

Gribetz suchte in China nach neuen Investoren, 25 Mal war er laut eigenen Angaben dort. Letztlich scheiterten mögliche Deals. Die Gläubigerbank verkaufte Metas AR-Technologie an einen neuen, noch unbekannten Eigentümer – das war es dann.

Fast keine AR-Brillen verkauft

Für Meta gab es zuletzt keine wirtschaftliche Perspektive mehr: Zwei ehemalige Angestellte (via Variety) schätzen, dass Meta nur circa 3.000 bis 5.000 der geplanten 10.000 AR-Brillen verkaufen konnte. Der Verkauf der Meta-2-Brille startete in kleinen Mengen Ende 2016 – trotz überschaubarer Stückzahlen hatte das Unternehmen monatelang Lieferprobleme.

Gribetz spricht im Gegenzug davon, dass die AR-Brille “fast ausverkauft” gewesen sei und interne Verkaufsziele beinahe erreicht wurden. Vom Nachfolger hätten zehn Mal so viele Einheiten verkauft werden sollen. Allerdings existierte der nur auf dem Papier – bestenfalls.

Zum Vergleich: Microsoft konnte zwischen März 2016 und April 2018 circa 50.000 Hololens-Brillen verkaufen. Beide Geräte richten sich an die Industrie.

Meta 2 (Testbericht) bietet im Vergleich zur Microsoft-Brille ein deutlich weiteres Sichtfeld, muss allerdings mit einem PC verbunden werden. Außerdem ist das Trackingsystem weniger stabil, die Auswahl an Inhalten dünn und der Formfaktor gleicht eher einem Helm als einer Brille.

Käufer nutzen Meta 2 kaum

Selbst sehr gute Verkaufszahlen hätten Meta nicht mehr retten können, jedenfalls nicht im Alleingang. Ein Angestellter behauptet, dass das Unternehmen an jeder verkauften Brille Geld verlor. Gribetz spricht von einem “sehr, sehr geringen Profit” pro Brille.

Schwerer wiegt jedoch, dass die ohnehin wenigen Käufer die AR-Brille offenbar kaum nutzen. Laut eines ehemaligen Angestellten mit Zugang zu Metas Analyse-Software schalteten nur zehn Prozent der Käufer die AR-Brille nach drei Monaten noch ein. Das ist ein miserabler Wert.

Aus dieser Sackgasse – niedrige Hardware-Verkäufe, die keine Gewinne bringen, in Kombination mit fast keiner Nutzung – hätte Meta nur mit einer neuen, deutlich besseren Brille und einer wirklich nützlichen Anwendung herausfinden können. Beides geht Hand in Hand – und bräuchte hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung bei ungewissem Ausgang. Eben hier zogen mögliche Investoren nachvollziehbar nicht mehr mit.

Gribetz Fazit nach mehr als sechs Jahren Meta: “AR und VR ist hart. Es erfordert mehr Geld und mehr Fachwissen, als jeder es in der Branche erwartet hat.”

Wenn er noch einmal starten könne, so Gribetz, würde er sich vom ersten Tag an auf eine Killer-App fokussieren – eine Anwendung, die im Alltag Nutzen stiftet und nur mit einer AR-Brille Sinn ergibt.

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