Vor ziemlich genau einem Jahr erschien Magic Leaps erste Augmented-Reality-Brille One. Unternehmensgründer Rony Abovitz zieht ein Zwischenfazit und richtet den Blick nach vorne.

Jahrelang schlug der AR-Brillenhersteller Magic Leap ganz kräftig die Hype-Trommel. So war es dann keine große Überraschung, dass im August 2018 reichlich Ernüchterung folgte: Die One-Brille ist zwar kein technischer Flop, aber gemessen an den Erwartungen, die Magic Leap im Vorfeld weckte, bot sie enttäuschend wenig Fortschritt im Vergleich zu Microsofts Hololens.

Magic Leap selbst räumte später sogar ein, bei den vollmündigen Ankündigungen übertrieben zu haben: “Wir waren arrogant”, sagte Magic-Leap-Chef Rony Abovitz. Jetzt schaut Abovitz auf das erste Jahr Magic Leap One zurück, das er als “Jahr der Entdeckung und Erkundung” bezeichnet.

Wegen seines Amtes fokussiert sich Abovitz freilich auf die Erfolge: So habe sein Unternehmen strategische Partnerschaften mit Telekommunikationsunternehmen weltweit schließen können und eine Vision für die Zukunft des Internets formuliert.

Das Magicverse ist Magic Leaps Vision für die Zukunft des Internets, das sich wie eine digitale Ebene über die Realität legt und so zu einem begehbaren Ort wird. Bild: Magic Leap

Das Magicverse ist Magic Leaps Vision für die Zukunft des Internets, das sich wie eine digitale Ebene über die Realität legt und so zu einem begehbaren Ort wird. Bild: Magic Leap

Weitere Partnerschaften mit Marken und Unternehmen, Sportligen, Filmemachern, Künstlern, Musikern und Schauspielern sollen helfen, die Zukunft räumlicher Computer zu definieren.

Weiter sei das Betriebssystem kontinuierlich verbessert und erweitert worden und der eigene App Store fülle sich mit Inhalten. Die Magic-Leap-Apps “Tónandi (mit Sigur Rós)”, “Create” und “Dr. Grordbort’s Invaders” (Test) erhielten Preise.

Mit Mica zeigte Magic Leap außerdem die eigene Version der nächsten Generation KI-Assistenz, die nicht mehr nur als Stimme aus dem Lautsprecher existiert, sondern als digitale Person mit am Tisch sitzt.

Lebensechte KI-Wesen: Förderprogramm für Entwickler gestartet

Das digitale Magic-Leap-Wesen “Mica” soll Anteilnahme zeigen wie ein Mensch, futtert aber nie das letzte Stück Kuchen weg und klaut auch nicht die Fernbedienung. Sie schwitzt auch nicht. Bild: Magic Leap

Magic Leap bastelt an der nächsten AR-Brille

Laut Abovitz startet ab 2020 das XR-Zeitalter: “Große Teile unseres Teams arbeiten an der nächsten Hardware- und Software-Generation.” Das Gewicht der Brille soll sinken, die Anwendungsfelder sollen umfassender werden.

Von 2020 bis 2025 soll laut Abovitz die schnelle 5G-Verbindung zum XR-Wegbereiter werden, bevor dann ab 2025 die “goldene Ära” der Technologie startet. “Die Jahre ab 2030 und darüber hinaus werden sich so anfühlen, als seien sie viele Dekaden von 2019 entfernt”, schreibt Abovitz.

Der Magic-Leap-Chef spricht sich explizit für eine offene Infrastruktur aus: “Ich denke, dass unsere eigenen Geräte im Magicverse die beste Erfahrung bieten – aber ich glaube auch, dass wir viele existierende und zukünftige Geräte mit unserer eigenen Plattform unterstützen sollten.”

Ende Juni äußerte Abovitz, dass eine 5G-Brille von Magic Leap in etwa zwei bis drei Jahren erscheinen könne: Sie soll dank XR-Streaming kleiner und schlanker sein, draußen funktionieren und mit leistungsfähigeren Sensoren sowie KI-Unterstützung ausgestattet sein.

Um diese Hardware bauen zu können, wird Magic Leap weiter Investoren für die eigene Sache begeistern müssen. Denn die erste Brille samt App Store ist zwar am Markt, aber ernsthaft Geld verdienen dürften weder Hard- noch Software – die Technologie ist nicht ausgereift und der Kundenkreis zu klein. Magic Leap muss allerdings mehr als 1.600 Angestellten weltweit monatlich ein Gehalt überweisen, darunter sind viele gut bezahlte Fachkräfte. Im vergangenen April steuerte zuletzt der japanische Telekommunikationskonzern NTT DoCoMo 280 Millionen US-Dollar bei.

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