Zwischen den beiden AR-Brillenherstellern Magic Leap und Nreal bahnt sich ein Streit an wie einst zwischen Oculus und Zenimax.

Im Januar auf der CES 2019 stellte das chinesische Unternehmen Nreal eine neue Datenbrille vor: Sie wiegt nur 85 Gramm, wird mit einem flotten Smartphone via USB-C verbunden und soll laut ersten Testberichten ein helleres Bild mit einem weiteren Sichtfeld bieten als zum Beispiel Magic Leaps AR-Brille One.

Allerdings ist das Raumtracking nicht so ausgereift wie bei Magic Leap One oder Hololens (2) und der beigelegte AR-Controller unterstützt nur Drehbewegungen mit Zeigefunktion (3DoF). Die Brille opfert also etwas Immersion zugunsten des Formfaktors und des Preises.

Bei der Smartphone-Verbindung setzt Nreal auf einen von Qualcomm entwickelten Standard. Erscheinen soll die erste Nreal-Brille Ende des Jahres für 500 US-Dollar.

Magic Leap mag Nreal nicht

Die Besonderheit ist nun, dass Nreal von einem ehemaligen Magic-Leap-Mitarbeiter gegründet wurde. Der heißt Chi Xu und war von Juli 2015 bis August 2016 als Software-Entwickler für Magic Leap tätig.

Im Januar 2017 hob er Nreal aus der Taufe. Das Startup sitzt in Peking, hat anfangs Investorenkapital über 15 Millionen US-Dollar erhalten und beschäftigt rund 70 Mitarbeiter.

Das ist ein kleiner Fisch im Vergleich zu Magic Leap, das deutlich über 1,5 Milliarden US-Dollar Investorenkapital verfügt und an mehreren Standorten in den USA circa 1.700 Angestellte hat.

Dennoch fühlt sich Magic Leap offenbar durch Nreal bedroht oder zumindest gestört: Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtet, dass Magic Leap Klage eingereicht hat gegen Chi Xu, da er angeblich vertrauliche Informationen genutzt haben soll, um “schnell einen Prototyp einer leichten, ergonomischen Mixed-Reality-Brille für ein Smartphone zu bauen”, der “erstaunlich ähnlich” sei zu Magic Leaps eigenen Entwürfen.

In der Anklageschrift heißt es weiter, dass Nreal den eigenen Prototyp in weniger als zwei Jahren entwickelt habe, während Magic Leap mehrere Jahre, hunderte Millionen US-Dollar für Forschung und Entwicklung sowie die Arbeitskraft hunderter Ingenieure investiert habe.

Quelle: Bloomberg; Titelbild: Nreal

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