Was plant HTC mit Vive Cosmos? Welche Technologie ist verbaut? An wen richtet sich die neue VR-Brille? Das wissen wir derzeit über das Gerät.

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letztes Update: 2. August 2019 / Gewicht und Drahtlos-VR

Vive Cosmos ist primär eine PC-VR-Brille

Entgegen anderslautender Berichte: Vive Cosmos ist wie HTC Vive und Vive Pro primär eine VR-Brille für den PC. Die Verbindung soll via Virtual-Link-Anschluss, also USB-C, oder Drahtlosadapter möglich sein. HTC trat im Herbst dem Konsortium bei, das die technischen Rahmenbedingungen für den VR-Kabelstandard definiert.

Derzeit sind nur Nvidias RTX-Grafikkarten mit einem Virtual-Link-Anschluss ausgerüstet. Es wird allerdings Adapter geben.

Vive Cosmos kann auch mit Mobilgeräten verbunden werden

Vive Cosmos soll mobiler und flexibler sein als aktuelle PC-Brillen, da neben dem PC auch andere Zuspieler mit der VR-Brille verbunden werden können. Welche Zuspieler das konkret sind und wie sie mit Vive Cosmos funktionieren, verrät HTC nicht. Wahrscheinlich wird es sich um HTC Smartphones mit USB-C handeln wie das HTC U12+.

Vive Cosmos kann voraussichtlich mit HTC Smartphones verbunden werden. Die Übertragung via USB-C bietet sich an. Bild: HTC

Vive Cosmos kann voraussichtlich mit HTC Smartphones verbunden werden. Die Übertragung via USB-C bietet sich an. Bild: HTC

Vive Cosmos ersetzt HTC Vive 2 nicht

Die Cosmos-Brille ersetzt keinen Highend-Nachfolger für HTC Vive 2. Cosmos soll den Einstieg in hochwertige VR “deutlich erleichtern” und so HTCs potenzielle Nutzerbasis verbreitern, zum Beispiel über einen einfacheren Aufbau. Über einen echten Nachfolger für HTC Vive gibt es noch keine Informationen.

Vive Cosmos hat das Trackingsystem integriert

Teil von HTCs Einfach-Strategie ist die Abkehr von Valves SteamVR-Tracking, das HTC Vive und Vive Pro erfasst. Das Tracking von Kopf und Händen übernehmen sechs an der Vorderseite eingelassene Kameras. Der Vorteil: Es muss kein externes Trackingzubehör mehr im Raum verteilt werden. Das erleichtert den Aufbau und macht die VR-Brille mobiler – alles wichtige Einstiegsfaktoren.

Vive Cosmos: HTC enthüllt technische Eigenschaften

Vive Cosmos hat sechs integrierte Trackingkameras, zwei seitlich, zwei vorne, eine unten und eine oben. Bild: HTC

Vive Cosmos ist erweiterbar – und die Vorderseite hochklappbar

HTC hat die VR-Brille so entworfen, dass sie modular erweiterbar ist. Laut Vive-Manager Rikard Steiber soll es “alle möglichen Erweiterungen” geben. Als Beispiel nennt das Unternehmen auf der eigenen Webseite Kopfhörer. Wie genau die Modulstrategie im Detail aussieht, ist noch nicht bekannt.

Die Kopfhörer sind nicht im Lieferumfang enthalten und können hinzugekauft werden. Ein modularer Aufbau gehört zum Konzept der Cosmos-Brille. Bild: HTC

Die Kopfhörer sind nicht im Lieferumfang enthalten und können hinzugekauft werden. Ein modularer Aufbau gehört zum Konzept der Cosmos-Brille. Bild: HTC

So wie bei Windows-Mixed-Reality-Brillen kann die Vorderseite der VR-Brille nach oben geklappt werden für einen schnelleren Wechsel zwischen den Realitäten.

Und hoch damit. Bild: HTC

Und hoch damit. Bild: HTC

Die VR-Brille soll mit 651 Gramm die bislang leichteste Vive-Brille mit integrierten Kopfhörern und fester Kopfhalterung sein. Sie ist außerdem mit dem Vive-Drahtlosadapter (Test) kompatibel.

Vive Cosmos kommt mit komplett neuen VR-Controllern

Für Vive Cosmos lässt HTC die Vive-Stäbe ruhen und entwickelt ein neues Controller-Design mit Joystick, Triggern und typischer Knopfbelegung. Der optisch auffällige äußere Ring dient den Trackingkameras in der VR-Brille zur Orientierung. Technische Details sind noch nicht bekannt.

Das Design der Controller erinnert an Oculus Touch. Bild: HTC

Das Design der Controller erinnert an Oculus Touch. Bild: HTC

Vive Cosmos bietet HTCs bislang schärfstes VR-Display

Obwohl Vive Cosmos nicht die Highend-Flaggschiff-Marke werden soll, kündigt HTC auf der Produktwebseite das “bislang schärfste VR-Display” an mit “minimalem Fliegengittereffekt”.

Verbaut sind zwei LC-Displays mit einer Auflösung von 1.440 mal 1.700 Pixel pro Auge bei einer Bildwiederholrate von 90 Hz. Das von HTC eingesetzte LC-Display bietet eine vollwertige RGB-Matrix.

Schärfer sollen auch die neuen Linsen der Cosmos-Brille sein: HTC spricht von einer um 40 Prozent verbesserten “Linsenschärfe”. Was auch immer das genau ist. Die Sichtfeldweite ist bisher nicht bekannt.

Der Augenabstand kann per IPD-Regler eingestellt werden. Die Skala ist noch nicht bekannt.

HTC verspricht ein hochwertiges VR-Display mit minimalem Fliegengittereffekt. Bild: HTC

HTC verspricht ein hochwertiges VR-Display mit minimalem Fliegengittereffekt. Bild: HTC

Vive Cosmos kommt mit neuem Betriebssystem

Vive Cosmos wird HTCs erste VR-Brille mit “Vive Reality” sein, einem neuen Multi-Tasking-Betriebssystem vergleichbar mit Oculus Home. Nutzer können ein virtuelles Zuhause einrichten und von dort aus in verschiedene Anwendungen starten. Der Übergang von einer App in die andere soll sich so anfühlen, als wechsle man zwischen Welten statt zwischen Anwendungen.

Vive Cosmos soll Viveport pushen

HTC wird mit Vive Cosmos versuchen, die eigene Software-Vertriebsplattform Viveport zu pushen. Viveport soll im Optimalfall SteamVR als Standard-Software-Store für Vive-Nutzer ablösen – denn da gibt es das große etwas mehr Geld zu holen. In Asien stehen die Chancen für Viveport wohl nicht schlecht. Im Westen sind Steam und Oculus dominant.

Der wichtigste Baustein in der Viveport-Strategie ist das Abo-Angebot “Infinity”, bei dem Nutzer für 15 Euro im Monat (114 im Jahr) unbegrenzten Zugang zu über 600 VR-Apps haben – das Netflix für VR. Damit hat Viveport ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen VR-Vertriebsplattformen. Das Abo gilt auch für Oculus Rift.

Vive Cosmos soll HTC als trojanisches Pferd für den Viveport Store dienen. Ziel: viele neue Nutzer gewinnen. Bild: HTC

Vive Cosmos soll HTC als trojanisches Pferd für den Viveport Store dienen. Ziel: viele neue Nutzer gewinnen. Bild: HTC

Vive Cosmos unterstützt OpenVR

HTC setzt bei Vive Cosmos weiter auf die OpenVR-Schnittstelle, die von Valve entworfen wurde und die bei SteamVR läuft. Ob und in welchem Umfang Vive Cosmos SteamVR unterstützt, ist nicht bekannt.

Eine Abkehr seitens HTC wäre allerdings eine ziemliche Überraschung – und in Hinblick auf Hardware-Verkaufszahlen wohl nicht empfehlenswert. Allerdings scheinen die beiden Unternehmen längst nicht mehr so eng zu kooperieren wie noch beim Marktstart von HTC Vive. Dennoch: Es wäre eine faustdicke Überraschung, wenn Cosmos nicht ebenso wie Vive und Vive Pro bei Steam funktioniert.

Vive Cosmos kommt im dritten Quartal 2019

HTC kündigte Vive Cosmos auf der CES Anfang Januar an. Aktuell ist eine Veröffentlichung im dritten Quartal 2019 geplant.

Zuerst wird es eine Entwicklerversion geben: Ende Januar erhielt wohl eben diese eine Freigabe der US-Strahlenschutzbehörde Federal Communications Commission (FCC). Laut der FCC-Dokumente bietet diese Version der VR-Brille nur eine langsame 2,4-Ghz-Wifi-Verbindung – wahrscheinlich für die Drahtlos-Controller. Für VR-Streaming ist das Band nicht schnell genug. Ungewöhnlich ist, dass keine 5-Ghz-Verbindung angegeben ist, die mittlerweile eigentlich Standard sein sollte.

Was wir nicht kennen: den Preis

Zum Preis von Vive Cosmos äußerte sich HTC bisher nicht konkret, aber wir wissen, dass er unter 900 US-Dollar liegt.

Da das Gerät eine breitere Nutzerschaft ansprechen soll und darauf ausgelegt ist, neue Abo-Kunden für Viveport zu generieren, dürfte HTC im Einklang mit dieser Strategie den Preis für die Hardware nicht allzu hoch ansetzen. Mondpreise wie für Vive Pro würden die eigene Strategie ad absurdum führen.

Unbestätigt: Qualcomm könnte die Blaupause für Vive Cosmos liefern

Auf der CES 2019 demonstrierte Qualcomm eine neue Acer-VR-Brille, die auf dem eigenen Referenzdesign beruht. Dieses wiederum könnte auch HTC für Vive Cosmos als Blaupause nutzen: Qualcomm lieferte schon das Referenzdesign für die autarke VR-Brille Vive Focus. Wie Vive Cosmos unterstützt die Qualcomm-Referenzbrille Smartphones als USB-C-Zuspieler. Verbaut sind außerdem zwei LC-RGB-Displays mit 2.160 mal 2.160 Bildpunkten pro Auge. Weitere Informationen stehen hier.

Qualcomm_Referenzdesign_855_5

Das Qualcomm-Referenzdesign wird über USB-C mit einem Smartphone verbunden. Bild: Road to VR

Datenblatt

DIMENSIONEN unbekannt, ähnlich Oculus Rift S
DISPLAYZwei VR-optimierte LC-Displays
Größe noch unbekannt
1.440 mal 1.700 Pixel pro Auge
Subpixel: volle RGB-Matrix
Low Persistence
Bildwiederholrate 90 Hz
OPTIKLinsentyp: unbekannt
Fokusdistanz: unbekannt
Sichtfeld: unbekannt
Augenabstand einstellbar (IPD)
Fokusrad
AUDIOIntegrierte Kopfhörer
3,5 mm Klinke für Kopfhörer
Mikrofon (unbestätigt)
TRACKINGVR-Brille: 6-DoF (räumlich, Trackingkameras in die Brille integriert)
Controller: 6-DoF (räumlich, werden durch Brille erfasst)
FEATURESGyroscope, Accelerometer, Magnetometer, Näherungssensor (unbestätigt),
sechs Kameras (frontal, seitlich, oben, unten), Kabellänge: unbekannt
2x Cosmos Controller
VERFÜGBARKEITdrittes Quartal 2019
PREISunter 900 US-Dollar

 


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