Was plant HTC mit Vive Cosmos? Welche Technologie ist verbaut? An wen richtet sich die neue VR-Brille? Das wissen wir derzeit über das Gerät.

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Letztes Update: 17. September 2019 / Fingertracking (9.) und Zielgruppe (4.) hinzugefügt

Vive Cosmos ist primär eine PC-VR-Brille

Entgegen anderslautender Berichte: Vive Cosmos ist wie HTC Vive und Vive Pro primär eine VR-Brille für den PC. Die Verbindung soll via Virtual-Link-Anschluss, also USB-C, oder Drahtlosadapter möglich sein. HTC trat im Herbst dem Konsortium bei, das die technischen Rahmenbedingungen für den VR-Kabelstandard definiert.

Derzeit sind nur Nvidias RTX-Grafikkarten mit einem Virtual-Link-Anschluss ausgerüstet. Es wird allerdings Adapter geben.

Vive Cosmos kann theoretisch mit Mobilgeräten verbunden werden

Vive Cosmos soll mobiler und flexibler sein als aktuelle PC-Brillen, da neben dem PC auch andere Zuspieler mit der VR-Brille verbunden werden können. Welche Zuspieler das konkret sind und wie sie mit Vive Cosmos funktionieren, verrät HTC nicht. Angedeutet wurde die Funktion bei der Vorstellung der VR-Brille, aber zuletzt nicht mehr erwähnt. Da Cosmos modular gedacht ist, könnte die Funktion zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.

Vive Cosmos kann voraussichtlich mit HTC Smartphones verbunden werden. Die Übertragung via USB-C bietet sich an. Bild: HTC

Vive Cosmos kann voraussichtlich mit HTC Smartphones verbunden werden. Die Übertragung via USB-C bietet sich an. Bild: HTC

Vive Cosmos ersetzt HTC Vive 2 nicht

Die Cosmos-Brille ersetzt keinen Highend-Nachfolger für HTC Vive 2. Cosmos soll den Einstieg in hochwertige VR “deutlich erleichtern” und so HTCs potenzielle Nutzerbasis verbreitern, zum Beispiel über einen einfacheren Aufbau. Über einen echten Nachfolger für HTC Vive gibt es noch keine Informationen.

Vive Cosmos richtet sich an Gamer und Endverbraucher

Im Gegensatz zu HTCs letzten VR-Brillen Vive Pro (Test) und Vive Pro Eye, die auch oder in erster Linie für professionelle Nutzer gedacht sind, richtet sich Vive Cosmos gezielt an Gamer und Endverbraucher.

Vorbesteller der Vive Cosmos erhalten das Gamer-Abo Viveport Infinitiy für zwölf Monate kostenlos, spätere Käufer bekommen das Abo für sechs Monate geschenkt.

Vive Cosmos ersetzt die originale HTC Vive, die bis Ende des Jahres aus dem Handel verschwindet. Vive Pro und Vive Pro Eye werden weiter verkauft.

Vive Cosmos hat das Trackingsystem integriert

Teil von HTCs Einfach-Strategie ist die Abkehr von Valves SteamVR-Tracking, das HTC Vive und Vive Pro erfasst. Das Tracking von Kopf und Händen übernehmen sechs an der Vorderseite eingelassene Kameras. Der Vorteil: Es muss kein externes Trackingzubehör mehr im Raum verteilt werden. Das erleichtert den Aufbau und macht die VR-Brille mobiler – alles wichtige Einstiegsfaktoren.

Vive Cosmos: HTC enthüllt technische Eigenschaften

Vive Cosmos hat sechs integrierte Trackingkameras, zwei seitlich, zwei vorne, eine unten und eine oben. Bild: HTC

Vive Cosmos ist erweiterbar und unterstützt Drahtlos-VR

HTC hat die VR-Brille so entworfen, dass sie modular erweiterbar ist. Laut Vive-Manager Rikard Steiber soll es “alle möglichen Erweiterungen” geben. Konkret kann die Frontblende der VR-Brille ausgetauscht werden, darunter verbirgt sich ein Modifikations-Slot.

Die Kopfhörer sind nicht im Lieferumfang enthalten und können hinzugekauft werden. Ein modularer Aufbau gehört zum Konzept der Cosmos-Brille. Bild: HTC

Die Kopfhörer sind nicht im Lieferumfang enthalten und können hinzugekauft werden. Ein modularer Aufbau gehört zum Konzept der Cosmos-Brille. Bild: HTC

Im ersten Quartal 2020 will HTC die erste Modifikation für Vive Cosmos auf den Markt bringen: eine Frontblende, die nachträglich SteamVR-Tracking wie bei HTC Vive und Vive Pro hinzufügt. Die Blende hat die dafür notwendigen Sensoren verbaut. Auch Vive-Zubehör wie die Vive Tracker sollen so mit Cosmos kompatibel sein. Der Preis ist noch nicht bekannt.

Mit einer SteamVR-Frontblende wird Cosmos kompatibel mit Valves Lighthouse-Tracking. Bild: HTC

Mit einer SteamVR-Frontblende wird Cosmos kompatibel mit Valves Lighthouse-Tracking. Bild: HTC

So wie bei Windows-Mixed-Reality-Brillen kann die Vorderseite der VR-Brille nach oben geklappt werden für einen schnelleren Wechsel zwischen den Realitäten.

Und hoch damit. Bild: HTC

Und hoch damit. Bild: HTC

Die VR-Brille soll mit 651 Gramm die bislang leichteste Vive-Brille mit integrierten Kopfhörern und fester Kopfhalterung sein. Sie ist außerdem mit dem Vive-Drahtlosadapter (Test) kompatibel.

Vive Cosmos kommt mit komplett neuen VR-Controllern

Für Vive Cosmos lässt HTC die Vive-Stäbe ruhen und entwickelt ein neues Controller-Design mit Joystick, Triggern und typischer Knopfbelegung. Der optisch auffällige äußere Ring dient den Trackingkameras in der VR-Brille zur Orientierung. Laut ersten Tests sind die Controller stabil, allerdings auch etwas klobig. Außerdem soll es noch Aussetzer beim Tracking geben.

Das Design der Controller erinnert an Oculus Touch. Bild: HTC

Das Design der Controller erinnert an Oculus Touch. Bild: HTC

Vive Cosmos bietet HTCs bislang schärfstes VR-Display

Obwohl Vive Cosmos nicht die Highend-Flaggschiff-Marke werden soll, kündigt HTC auf der Produktwebseite das “bislang schärfste VR-Display” an mit “minimalem Fliegengittereffekt”.

Verbaut sind zwei LC-Displays mit einer Auflösung von 1.440 mal 1.700 Pixel pro Auge bei einer Bildwiederholrate von 90 Hz. Das von HTC eingesetzte LC-Display bietet eine vollwertige RGB-Matrix. Laut ersten Cosmos-Testern ist das neue Display in der Tat sehr scharf.

Schärfer sollen auch die neuen Linsen der Cosmos-Brille sein: HTC spricht von einer um 40 Prozent verbesserten “Linsenschärfe”. Was auch immer das genau bedeutet.

Die Sichtfeldweite liegt bei 110 Grad und ist damit auf demselben Niveau wie die Vorgängerbrillen. Mit dem Taucherbrilleneffekt muss man also weiter leben. Der Augenabstand kann per IPD-Regler eingestellt werden.

Die Fresnel-Linsen sind laut HTC verbessert, wie genau, das ist noch nicht raus. Bild: HTC

Die Fresnel-Linsen sind laut HTC verbessert, wie genau, das ist noch nicht raus. Bild: Road to VR

Vive Cosmos bietet Hand- und Fingertracking

Wie Vive Pro und Vive Pro Eye wird auch Vive Cosmos über die integrierten Kameras Hände und Finger erfassen können. Vives China-Chef Alvin Wang Graylin verspricht aufgrund der vielen Weitwinkel-Kameras von Vive Cosmos eine akkuratere Fingererfassung in einem weiteren Sichtfeld.

Vive Cosmos kommt mit neuem Betriebssystem

Vive Cosmos wird HTCs erste VR-Brille mit dem “Vive Reality System” sein, einer neuen Interface-Welt vergleichbar mit Oculus Home. Nutzer können ein virtuelles Zuhause einrichten und von dort aus in verschiedene Anwendungen starten. Der Übergang von einer App in die andere soll sich so anfühlen, als wechsle man zwischen Welten statt zwischen Anwendungen.

Bestandteile von Vive Reality System sind unter anderem ein Avatarsystem sowie das persönliche VR-Zuhause “Origin”, von dem aus man alleine oder mit Freunden in VR-Welten aufbrechen kann. Dsa Konzept erinnert in den Grundzügen an Facebooks Oculus Home oder die SteamVR-Umgebung.

Vive Cosmos soll Viveport pushen

HTC wird mit Vive Cosmos versuchen, die eigene Software-Vertriebsplattform Viveport zu pushen. Viveport soll im Optimalfall SteamVR als Standard-Software-Store für Vive-Nutzer ablösen – denn da gibt es das große etwas mehr Geld zu holen. In Asien stehen die Chancen für Viveport wohl nicht schlecht. Im Westen sind Steam und Oculus dominant.

Der wichtigste Baustein in der Viveport-Strategie ist das Abo-Angebot “Infinity”, bei dem Nutzer für 15 Euro im Monat (114 im Jahr) unbegrenzten Zugang zu über 600 VR-Apps haben – das Netflix für VR. Damit hat Viveport ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen VR-Vertriebsplattformen. Das Abo gilt auch für Oculus Rift. Vorbesteller der Vive Cosmos erhalten das Abo zwölf Monate kostenlos. Wer später kauft, bekommt immerhin noch sechs Monate geschenkt.

Vive Cosmos soll HTC als trojanisches Pferd für den Viveport Store dienen. Ziel: viele neue Nutzer gewinnen. Bild: HTC

Vive Cosmos soll HTC als trojanisches Pferd für den Viveport Store dienen. Ziel: viele neue Nutzer gewinnen. Bild: HTC

Vive Cosmos unterstützt OpenVR

HTC setzt bei Vive Cosmos weiter auf die OpenVR-Schnittstelle, die von Valve entworfen wurde und die bei SteamVR läuft. Ob und in welchem Umfang Vive Cosmos SteamVR unterstützt, ist nicht bekannt.

Eine Abkehr seitens HTC wäre allerdings eine ziemliche Überraschung – und in Hinblick auf Hardware-Verkaufszahlen wohl nicht empfehlenswert. Allerdings scheinen die beiden Unternehmen längst nicht mehr so eng zu kooperieren wie noch beim Marktstart von HTC Vive. Dennoch: Es wäre eine faustdicke Überraschung, wenn Cosmos nicht ebenso wie Vive und Vive Pro bei Steam funktioniert.

Vive Cosmos kommt am 3. Oktober 2019

HTC kündigte Vive Cosmos auf der CES Anfang Januar an. Die Vorbestellungen für Vive Cosmos starteten am 12. September, Marktstart ist am 3. Oktober.

Vive Cosmos Datenblatt

DIMENSIONENunbekannt, ähnlich Oculus Rift S
Gewicht: 651 Gramm
DISPLAYZwei VR-optimierte LC-Displays
Größe: 3,4 Zoll
1.440 mal 1.700 Pixel pro Auge
Subpixel: volle RGB-Matrix
Low Persistence
Bildwiederholrate: 90 Hz
OPTIKLinsentyp: Fresnel
Fokusdistanz: unbekannt
Sichtfeld: 110 Grad
Augenabstand einstellbar (IPD)
Fokusrad
AUDIOIntegrierte On-Ear-Kopfhörer
3,5 mm Klinke für Kopfhörer
Mikrofon (unbestätigt)
TRACKINGVR-Brille: 6-DoF (räumlich, Trackingkameras in die Brille integriert)
Controller: 6-DoF (räumlich, werden durch Brille erfasst)
FEATURESGyroscope, Accelerometer, Magnetometer, Näherungssensor (unbestätigt),
sechs Kameras (frontal, seitlich, oben, unten)
2x Cosmos Controller
Austauschbare Frontblende bspw. für SteamVR-Tracking
VERBINDUNGUSB-C 3.0, DP 1.2, proprietäre Verbindung zu Mods
Kabellänge unbekannt, Vive-Drahtlos-VR kompatibel
VERFÜGBARKEIT3. Oktober 2019
PREIS799 Euro

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