Die Datenbrille Focals ist bald eine gewöhnliche Brille. Immerhin gibt Google Focals-Käufern das Geld zurück. Der Internetkonzern hat Erfahrungen mit gefloppten Techbrillen.

Blöd gelaufen für circa 1.000 Käufer einer Focals-Datenbrille: Bei der Übernahme des Datenbrillenherstellers North stoppte Google nicht nur die vielversprechende Nachfolgerbrille Focals 2.0, sondern stellt das Projekt sogar rückwirkend ein.

Bedeutet: Focals 1.0 kann ab dem 31. Juli nicht mehr mit dem North-Account verbunden werden. Außerdem verschwindet die Steuerungs-App aus dem Google Play und dem Apple Store.

Die Folge: Aus der Datenbrille wird eine gewöhnliche Brille, keine der Tech-Funktionen ist mehr nutzbar. Wer Korrekturlinsen in die Brille verbaut hat, kann sie natürlich weiter normal im Alltag tragen. Nur digitale Informationen gibt’s nicht mehr auf das Auge. Die kamen aus der Cloud.

Video: Focals 2.0 im Einsatz – leider kommt die deutlich verbesserte Datenbrille nicht mehr auf den Markt.

Focals 1.0: Google gibt das Geld zurück

Die erste (und letzte) Generation Focals-Brille startete im Oktober 2018 für rund 1.000 US-Dollar mit Standardgläsern. Korrekturgläser kosteten 200 US-Dollar extra, getönte Gläser 100 US-Dollar.

Da sich die Brille nicht verkaufte, senkte Hersteller North den Preis Mitte Februar 2019 um ganze 400 US-Dollar – was nichts half.

Die geringen Verkaufszahlen überzeugten Google offensichtlich nicht davon, das Projekt fortzuführen, nicht einmal als experimentelle Marktstudie. Immerhin: Google erstattet bis Ende Juli allen Focals-Käufern automatisch die volle Kaufsumme.

Die ehemaligen Angestellten von North werden Teil von Googles “Ambient Computing”-Team, also Computertechnologie, die den Nutzer möglichst unsichtbar umgibt und unauffällig im Alltag unterstützt. Ob der Konzern Datenbrillen zu Ambient Computing zählt, ist nicht klar.

Google und Tech-Brillen – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Googles Hardware-Chef Rick Osterloh jedenfalls äußerte sich bei der Übernahme von North nicht spezifisch zu Datenbrillen, was als Hinweis gewertet werden kann, dass Google mehr an Norths talentiertem Personal interessiert war als am Brillen-Produkt.

Das ist nachvollziehbar, schaut man sich Googles Brillen-Historie an: Nach der Glasshole-Katastrophe mit Google Glass und einem verpulverten Invest von mehr als 500 Millionen US-Dollar in Magic Leap, das ebenfalls am Endverbrauchermarkt scheiterte, verbrannte sich Google schon zweimal die Finger an Datenbrillen für jedermann.

Hinzu kommt die gefloppte VR-Initiative Daydream, die trotz ordentlicher Investitionen (u.a. Harry Potter) und technisch innovativer Ansätze (Mirage Solo im Test / VR180-Kamera im Test) am Markt unterging.

Hat Google Tech-Brillen also aufgegeben? Der Konzern weiß jedenfalls, dass es schwierig ist, Menschen Technologie auf die Nase zu setzen.

Osterloh äußerte sich zuletzt 2018 zu einer möglichen AR-Brille von Google: “Es wird eine Weile brauchen, bis diese Technologien reif sind … es wird einige Jahre dauern. Wir werden langfristig investieren und irgendwann wird die Entwicklung mit den Vorstellungen der Menschen aufholen.”

Quelle: North

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