Datenbrillen sind als Interface einfach “zu praktisch”, um nicht zum Erfolg zu werden, glaubt Google-Glass-Mitentwickler Sebastian Thrun.

Der deutsche Informatiker Sebastian Thrun baute ab 2011 bei Google die Forschungsabteilung “X” auf, die sich technisch besonders ambitionierten Zukunftsprojekten widmet. Thrun ist heute Mitgründer der Online-Akademie Udacity.

In Thruns Zeit bei Google entstand die erste Version von Google Glass, die als Next-Gen-Interface gehyped wurde, nur um dann am Endverbrauchermarkt kolossal zu scheitern: Die Datenbrille bot technisch wenig Mehrwert, schlimmer noch, viele Menschen empfanden Träger der Kamerabrille als Gefahr für ihre eigene Privatsphäre. Der polemische Spitzname “Glasshole” entstand – und Google Glass verschwand.

Googles Glass war Thruns “größte Enttäuschung”

Google Glass sei die “größte Enttäuschung” in seiner Zeit bei Google gewesen, erklärt Thrun – obwohl das Gerät ein Lieblingsprojekt von ihm gewesen sei. Google habe die Technik allerdings zu früh auf den Markt geworfen.

“Die Leute haben die Technik als übergriffig und indiskret empfunden, fühlten sich ausspioniert, der Begriff Glasshole wurde geboren”, sagt Thrun zu Brand eins.

Dennoch blickt Thrun zuversichtlich in die Datenbrillen-Zukunft: “Aber die Datenbrillen werden kommen. Bei Geschäftskunden sind sie ja schon längst im Einsatz: in Warenlagern, bei Ärzten, in der Landwirtschaft. Eine ähnliche Entwicklung wird es im Privaten geben: Die Brille ist einfach ein zu praktisches Interface.”

Ob Thrun mit seiner Prognose richtigliegt, werden wohl die nächsten zwei bis drei Jahre zeigen: Dann sollen Facebook und Apple mit ersten Geräten auf den Markt kommen. Vielleicht ja auch Google, das kürzlich den Datenbrillenhersteller North kaufte – das Brillenprojekt des Startups allerdings stoppte.

Auch in China stehen reihenweise Datenbrillen und AR-Brillen in den Startlöchern für die nächsten ein bis zwei Jahre.

War Thrun Wegbereiter für Googles KI-Erfolg?

Im Fokus steht bei Google in jedem Fall eine andere Technologie: Künstliche Intelligenz steckt jetzt in allen Hard- und Software-Projekten des Internetkonzerns. Diese Maßgabe kommt von ganz oben – und fruchtet: Bei KI gehört Google zur Weltspitze und hat viele sowie vielseitige KI-Projekte und -Experimente am Start. Die Technik steckt auch in Kernprodukten wie der Google Suche oder dem Assistant.

Laut Thrun wurde das Potenzial von Deep Learning anfangs verkannt: Er habe Google Brain circa 2010 “eher gegen den Willen der Firmenleitung begonnen”, sagt Thrun. Die habe sein Team rein auf Hardware ausrichten wollen.

“Aber uns war das Potenzial von Deep Learning schon damals klar, und so habe ich Andrew Ng und Jeff Dean angeheuert, um zu schauen, was wir mit diesen Unmengen an Daten, die das Unternehmen zur Verfügung hat, machen können”, erzählt Thrun. “Zum Beispiel können Googles Computer besser Objekte in Bildern oder Videos erkennen als die besten menschlichen Experten.”

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