Trotz Milliarden an Forschunsgeldern ist noch immer nicht klar, ob und wann eine Highend-AR-Brille gebaut werden kann.

Als Facebooks XR-Forschungschef ist Michael Abrash maßgeblich an der Entwicklung der AR-Brille beteiligt. In einem aktuellen Interview mit The Information sagt Abrash, dass eine fortschrittliche AR-Brille nach seiner Überzeugung noch fünf bis zehn Jahre Entwicklungszeit benötigt. Fortschrittlich bedeutet für Abrash, dass Menschen die Brille freiwillig tragen und das viele Stunden am Tag, sodass sie zum Smartphone-Ersatz wird.

Warum dauert es so lange? Bestimmte Parameter müssen erfüllt werden wie ein hoher Mehrwert durch die Apps, ein hervorragender Tragekomfort und eine hohe Darstellungsqualität. Diese technologischen Ansprüche in einem schmalen Gesichtscomputer zu integrieren, ist eine Herausforderung, bei der noch nicht klar ist, wie sie gelöst werden kann.

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iPhone-Moment noch zehn Jahre weg

Er persönlich stelle sehr hohe Qualitätsansprüche an fortschrittliche AR-Technologie: “Ich denke nicht, dass es Probleme gibt, die wir nicht innerhalb von zehn Jahren lösen können”, sagt Abrash. Das “wir” bezieht Abrash auf die gesamte Industrie.

Das bedeute jedoch nicht, dass bis dahin keine Datenbrillen erscheinen, nur seien die dann vergleichbar mit dem Blackberry, bevor das iPhone auf den Markt kam. Doch erst mit dem iPhone 1 kam der Mobile-Massenmarkt. Diesen iPhone-Moment erwartet Abrash eher in zehn Jahren. “Wenn es in fünf Jahren klappt, wäre ich überrascht.”

Eine fortschrittliche Augmented Reality braucht neben der Hardware auch jede Menge Software-Infrastruktur: Facebook nennt seine Vision der AR-Cloud "Live Maps". Bild: Facebook

Eine fortschrittliche Augmented Reality braucht neben der Hardware auch grundlegende Software-Infrastruktur wie die AR-Cloud. Facebook nennt seine Vision der AR-Cloud “Live Maps”. Bild: Facebook

Datenbrillen wie North Focals fallen für Abrash nicht unter vollwertige AR. Auch Facebook arbeitet angbelich an einer Smartphone-Datenbrille, die früher erscheinen könnte als die von Abrash genannte Zehnjahresfrist.

AR-Interface nach dem Vorbild des Gehirns

Die größte Herausforderung bei der Konstruktion einer AR-Brille sieht Abrash in der Entwicklung des passenden Interface, das verschiedene Modi unterstützen müsse, unter anderem Handtracking. Abrash verweist außerdem auf Facebooks Forschung an haptischen Datenhandschuhen.

Langfristiges Ziel sei ein Interface, das so ähnlich wie das menschliche Gehirn mit Automatismen arbeite. In einer lauten Umgebung beispielsweise solle die Brille erkennen, mit welcher Person man sich unterhalten möchte und deren Stimme verstärken.

“Man bemerkt gar nicht mehr, dass das passiert, ebenso wenig wie man bei einer normalen Brille darüber nachdenkt, dass sie das Licht so einfängt, dass man besser sieht.”

Facebook kauft Startup für Gehirnsteuerung - eine Milliarde US-Dollar

CTRL-Labs übersetzt Signale von Hirnzellen in Steuerimpulse für Computer. Facebook kaufte die Technologie im letzten September für bis zu eine Milliarde US-Dollar auf. Bild: Facebook

Diese Technologie bezeichnet Abrash als “Welle der Zukunft”, an deren Entwicklung sich die gesamte Industrie beteiligen müsse ebenso wie die Gesellschaft, um sämtliche Probleme zu lösen.

Dass fortschrittliche AR-Brillen das Smartphone eines Tages ablösen können, daran hat Abrash derweil keine Zweifel: “Dieser Plattformwechsel, wenn wir die von mir beschriebene AR-Brille bauen könnten, würde das Smartphone ersetzen. Das steht fest. Unter diesen Umständen ist es kaum vorstellbar, dass das nicht passiert. Es ist die Zukunft. So interagieren wir mit Technologie.”

Titelbild: Facebook

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