Die Oculus Connect 6 spaltet die VR-Fans: Oberflächlich und substanzlos schimpfen die einen. Visionär und motivierend die anderen – und ich auch.

Okay. Den Titel musste ich mit zwei Händen schreiben: Eine Hand war nötig, die andere dazu zu zwingen. Denn Facebook ist sicher nicht einfach geil, wenn man sich anschaut, was es aus dem Internet gemacht hat. Ich meine: Nur noch in den Youtube-Kommentaren lässt sich der mentale Zustand der Menschheit ähnlich gut ablesen. Da gruselt’s mich vorzüglich.

Aber dann ist da ja noch das Oculus Facebook. Mit Facebook Reality Labs und diesem neumodischen VR-Zeugs. Letzte Woche veranstalteten Zuckerbergs Mitarbeiter die alljährliche heilige Messe der VR-Jünger, die Oculus Connect 6. Aber nicht jeder war davon begeistert.

Ich hab‘ mir den Podcast meiner geschätzten Kollegen auf Mixed natürlich auch angehört. Sehr unterhaltsam, Freunde. Aber die sind längst nicht mehr so leicht zu begeistern, wie ich. Die sind wie ein altes, motziges Ehepaar, dem man morgens einen schönen Tag wünscht und die einem dann detailliert auseinandersetzen, dass man in spätestens zehn Jahren an irgendeiner fiesen Krankheit abnippelt. Was daran schön wäre, bitteschön.

One Quest to rule them all

Ich bin da noch etwas enthusiastischer. Oculus Quest ist mal eine geile Brille und mit dem USB-Seil wird sie jetzt noch geiler. Klar können Rift-S-User sich jetzt einsargen, aber für mich war das wegweisend. Quest is the way to go für Facebook und das kommt eigentlich nicht von ungefähr. Brille anschalten, aufsetzen, loszocken. Unkomplizierter geht es kaum. Oh – und OLED. Und war da nicht was mit der Auflösung?

Ja, macht ein bisschen Spaß, Salz in Wunden zu streuen. Mit Fingertracking (nicht für Rift S!) wäre das sicher noch viel eindrucksvoller, auch wenn bei der Latenz wahrscheinlich die Hälfte daneben fliegt. Ist experimentell, aber das ist Matthias‘ Humor auch. Allein, dass dieses Feature kommt, ohne dass ich mir einen Leap Motion-Kasten auf die Brille kleben muss ist cool.

Horizon interessiert mich jetzt auch nicht so. Comic und Pixel-Figuren hin oder her – es war nur eine Frage der Zeit, bis Facebook das in seiner Nische ganz erfolgreiche VR Chat angreifen würde. „Do you know the way?“ Yes, sagt Rubin. VR is now! Na, wenn das nicht mal ein fettes Statement ist.

Facebook als VR-Heiland

Ist natürlich dick aufgetragen und voller Marketingsprech. Wenn VR „jetzt“ ist, was ist es denn mit Formfaktor „Ready Player One” in 15 Jahren? Da wird den findigen Werbetextern sicher was einfallen. VR hat sich selbst überholt, oder so.

Der Regisseur von Ready Player One sieht nach den Dreharbeiten große Chancen für Virtual Reality. Er hat aber Bedenken, wie gut sich VR für das Erzählen von Geschichten nutzen lässt.

Bis VR so cool wird, dauert’s wohl noch eine ganze Weile. BILD: Warner Bros.

Facebook ist gefühlt gerade der einzige große Verein, der VR nicht bloß für Autobauer und Hirnchirurgen cool machen will. Valve hat zwar das Flaggschiff am Start, aber von Half Life 3 VR fehlt halt weiter jede Spur. HTC – gibt’s die noch? Ach ja. Vive Cosmos. Aber warum soll ich von einer Quest (Amazon-Link) mit USB-Kette zur Cosmos wechseln? Der Preis kann’s nicht sein.

Was hat mich also ganz besonders an der Connect 6 gekickt? Nicht das Facebook-Business-Zeug, was aber sicher eine feine Sache für den Kampf gegen die B2B-VR-Marktmacht von HTC sein dürfte. Nein, richtig super fand ich Mr. Abrash. Ich mag es, wenn Visionäre reden und sogar was zeigen.

Abrash-Fanboi voraus

Dass der Durchbruch für die Super-Rift noch eine Weile braucht, ist eine Art Ehrlichkeit, die ich bei solchen Veranstaltungen mag. Ja, war sicher alles gescriptet. Nörgelt weiter. Aber dass man sich bei der Prototyp-Forschung mittlerweile keinen halben Dom mehr auf den Schädel setzen muss, hat Abrash gezeigt. Die Forschung geht voran und ich würde gern öfter solche Fortschritte sehen. Sowas motiviert mich, weiter an VR zu glauben und ich mag eben Visionen. Etwa Star Citizen, von dem böse Zungen auch sagen, es werde nie fertig.

Wann wir mit bequemen VR- oder AR-Brillen die gezeigten Retortenwelten erleben, wann meine unaufgeräumte Bude im Echtzeitzustand einem Kumpel aus Kanada präsentiert werden kann – ach, da kühlt noch einiges Wasser im Golfstrom ab und so mancher wird sich dann wünschen, damals weniger abfällig über Greta geredet zu haben.

Geile Zeit

Als ausgemachter Cyberpunk-Fan kann ich aber warten und wie die Facebook-Altvorderen ganz zutreffend sagten, ist es schon irgendwie toll, diese Entwicklung miterleben zu können. Ich finde es super, dass Facebook – zumindest aktuell – an VR und AR als die nächsten großen Plattformen glaubt.

Das kam bei der Connect 6 deutlich rüber – auch wenn sie (und da haben meine Kollegen, die nach eigenen Angaben in 163 Podcast-Folgen noch nie falsch prognostiziert haben, durchaus recht) dann doch nicht soviel Substanz hatte, wie sich ein XR-Profi das vielleicht gewünscht hätte.  Aber weil sie an VR glauben („I want to believe!“) und das auch deutlich sagen, deswegen finde ich Facebook geil.

Naja, zumindest diesen Teil davon.

steady2

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