Google Glass-Flop? „No way!“ Was Facebooks Datenbrille anders macht

Google Glass-Flop? „No way!“ Was Facebooks Datenbrille anders macht

Facebook bringt dieses Jahr eine erste Datenbrille auf den Markt. Ein ranghoher Facebook-Manager erklärt, weshalb die Brille nicht das gleiche Schicksal ereilen soll wie Google Glass.

Die noch namenlose Datenbrille wurde im vergangenen September von Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt. Als Partner konnte Facebook den weltgrößten Brillenhersteller EssilorLuxottica gewinnen.

Einem ersten Trailer zufolge wird das Wearable eine smarte Ray Ban-Brille werden. Die Prioritäten liegen laut Werbebotschaft auf einem coolen Design. Auf eine klobige Tech-Brille wird sich Facebook nicht einlassen.

Genau das könnte der Schlüssel zum Erfolg der Datenbrille werden, glaubt Andrew Bosworth, der seit 2017 Facebooks VR- und AR-Abteilung leitet.

Die Partnerschaft mit EssilorLuxottica sei einer der Gründe, weshalb Facebook „eine echte Chance hat, die niemand zuvor hatte„, sagt Bosworth in der jüngsten Folge des Now, Then, Ten-Podcasts. „Die Dinger werden großartig aussehen. Wir haben es hier mit den absoluten Weltexperten zu tun, wenn es um Optik und Brillen geht“, meint Bosworth über die Zusammenarbeit mit EssilorLuxottica.

Smarte Brillen in smartem Design

Das größte Hindernis für den Erfolg von AR-Brillen sei die soziale Akzeptanz und nicht die Technik. „Alle technischen Hürden zusammengenommen, sind nicht so groß, wie die Herausforderung, den Menschen klarzumachen, was diese Brillen sind und dafür zu sorgen, dass sie sich wohl mit ihnen fühlen. Dass man mit der Brille gut aussieht, gehört dazu“, sagt Bosworth.

Spectacles 3: Dritte Generation der modischen Snapchat-Brille vorgestellt

Snap versuchte sich an stylischen Kamerabrillen, aber das Design der Wearables war den meisten Nutzern dann wohl doch zu exzentrisch. Mit einem Ray Ban-Klassiker hat Facebook – zumindest modisch – bessere Chancen. | Bild: Snap

Bosworth betont, dass es sich um eine Datenbrille und keine AR-Brille mit Bildschirm handelt. Aufwendige AR-Technik so weit zu miniaturisieren, dass sie in eine herkömmliche Brille passe, sei „eine echte Herausforderung“, die „Zeit brauchen wird“. Doch welche Technik und Features wird die Datenbrille anstelle eines Bildschirmes bieten?

„Die Brille wird vertraute Funktionen bieten, die aber noch niemand in ein Paket gepackt hat. Sie wird großartig aussehen und dir ein kleines Extra bieten, eine Bonusfunktion“, sagt Bosworth, ohne zu verraten, um welche Bonusfunktion es sich handelt.

Existiert ein Markt für Brillen mit „Tech-Bonus“?

Die Frage lautet, ob das „kleine Extra“ genug Mehrwert bietet, dass sich Menschen eine smarte Brille auf die Nase setzen, insbesondere jene, die im Normalfall keine Brillen tragen.

Die Liste der Unternehmen, die sich ohne nennenswerten Erfolg an leichten Brillen mit technischen Features versuchten, ist lang: Amazon, Snap, Bose, North und jüngst Razer. North bot sogar ein nützliches Display in der Brille. Und Facebook muss zusätzlich mit dem schlechten Image als Datenkrake kämpfen.

Gerade der Datenschutz könnte ein Stolperstein für Facebook werden. Bosworth bezeichnet Facebook im Podcast trotzig als die „weltbeste Datenschutzinfrastruktur“, ungeachtet wiederholter Datenschutzskandale und Datenleaks.

Echo_Frames_Mann_mit_Alexa_Brille

Amazons Echo Frames kommen lediglich in einem Design, das nur auf wenige Gesichter passen dürfte. Außerdem sieht man der Brille an den wuchtigen Bügeln an, dass sie mit Technik vollgestopft ist. Kann Facebook mit seiner Ray Ban-Brille mehr anbieten? | Bild: Amazon

Facebooks Image als Datenkrake: Der lange Weg zurück

Oder Bosworth schaut in die Zukunft: Zum Jahresende 2020 versandte der Manager ein programmatisches Memo an Facebook-Angestellte mit dem Titel “The Big Shift” (Deutsch: „Die große Wende“), in dem er sein Team dazu anhält, Datenschutz und Privatsphäre vorrangig zu behandeln.

Anstatt zuerst ein Produkt zu entwickeln und es dann an Datenschutzstandards anzupassen, solle die Entwicklung unter der Annahme stattfinden, dass Daten nicht gesammelt, benutzt oder gespeichert werden dürfen.

Laut Bosworth sprechen auch technische Gründe dafür, gerade bei Tech-Brillen weniger Daten zu sammeln. Demnach sollen so viele Informationen wie möglich auf dem Gerät gespeichert statt zum Facebook-Server gesandt werden. Der Grund: Dadurch werde der Akku geschont und es entstehe weniger Abwärme – zwei der größten Hürden beim Techbrillenbau.

„Die Nutzer müssen wissen, welche Daten weshalb gesammelt werden und volle Kontrolle darüber haben“, sagt Bosworth, macht jedoch auch klar, dass manche Datentransfers weiterlaufen müssen. Auf die allgemeine Facebook-Skepsis dürften solche Ankündigungen jedenfalls keinen großen Einfluss haben, solange Facebook diese Strategie nicht konsequent und über Jahre hinweg durchzieht.

Quelle: Now, Then, Ten-Podcast, Titelbild: Facebook

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