Mit Spectacles 3 startet Snap den nächsten Versuch, erfolgreich eine Videobrille am Markt zu platzieren. Gelingt es diesmal?

Die dritte Generation Spectacles hat erstmals zwei Videokameras verbaut. Sie sitzen links und rechts am Brillenbügel und lösen Fotos mit 1.642 mal 1.642 Pixeln auf sowie Videos mit bis zu 1.280 mal 1.280 Pixeln bei 60 Bildern pro Sekunde. Die maximale Videolänge liegt bei 60 Sekunden, die sich aus sechs Zehnsekündern zusammensetzt.

Die Doppelkamera ermöglicht neue 3D-und AR-Effekte: 3D-Snaps mit Tiefeneindruck sowie spezielle 3D-Filter- und Linsen, die Videos und Bilder um dreidimensionale AR-Grafiken, Sticker und Charaktere erweitern. Sogar eine Cardboard-ähnliche VR-Brille liefert Snap mit.

Gemischte Testeindrücke für Spectacles 3

Mit der ersten Spectacles-Brille generierte Snap zunächst enormen Hype, der dann aber schnell verpuffte und nicht in Verkaufserfolge übersetzt werden konnte. Auch die zweite Spectacles-Brille floppte am Markt.

Geht’s nach den ersten Testberichten aus den USA, dann wird Spectacles 3 noch nicht der Umkipppunkt für das Produkt: Die neue Spectacles soll zwar schlicht und durchaus alltagstauglich sein, dafür aber umständlich in der Nutzung und teuer bei überschaubarem Mehrwert.

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Der Formfaktor der Brille geht bei den Testern als alltagstaugliches Retro-Design durch. Bild: Snap

Teuer deshalb, da die neue Version 370 Euro kostet statt 175 bzw. 230 Euro wie die Vorgängerbrillen. Die Brille richtet sich an erster Linie an Social-Influencer, die Videos drehen. Sie soll vorerst nur in einer limitierten Auflage verkauft werden.

Die mit Spectacles 3 produzierten Fotos und Videos können in die Snapchat-App übertragen und dort mit AR-Effekten erweitert werden. Von dort können die Videos in verschiedene Formate exportiert und verteilt werden, auch in das für VR-Brillen taugliche VR180 Format von YouTube. Die ersten Tester kritisieren diesen Prozess allerdings als umständlich und zeitaufwendig.

Teure Spielerei für Video-Enthusiasten

Karissa Bell von Mashable kritisiert, dass Spectacles noch zu experimentell sei. Der 3D-Effekt schaffe zwar neue Möglichkeiten und auch der Formfaktor sei besser gelungen. Dafür sei die Brille viel zu teuer und der 3D-Effekt teils fehlerhaft. Insgesamt fühle sich die Videobrille noch nicht ausgereift an. Sie vergibt drei von fünf möglichen Punkten.

Josh Constine von Techcrunch ist die Brille zu teuer, da sie kaum mehr als ein Spielzeug sei. Video-Influencer könnten womöglich interessiert sein, aber wer nicht professionell Videos produziere, hätte wenig Grund, die Brille zu kaufen.

Dieses Fazit wiederum passt gut zu Snaps Verkaufsstrategie, die sich ohnehin an eine sehr ausgewählte Gruppe von Social-Media-Videoproduzenten wendet. Mit deren Rückmeldung soll die nächste Brillengeneration entstehen.

Laut Lexy Savvides von Cnet sieht Spectacles 3 fast wie eine normale Retro-Sonnenbrille aus. Insgesamt sei die Brille ein faszinierendes Produkt und das, was Spectacles 2 schon hätte sein sollen – ein Fingerzeig in eine Augmented-Reality-Zukunft. Für eine Kaufempfehlung sei Spectacles aber zu teuer. Sie vergibt 7,5 von zehn Punkten.

Deutlich kritischer urteilt Raymond Wong von Inverse: Die Brille sei zu teuer und habe kein echtes Anwendungsszenario. Sie biete ein Format, das wohl niemand benötige. Spectacles werde erst interessant, wenn Snap die AR-Effekte direkt in die Linsen integriere.

Casey Newton von The Verge sieht Spectacles 3 im Vergleich zu den Vorgängern als “signifikante Verbesserung”, ein ausgereiftes Kreativwerkzeug sei die Brille aber noch nicht, auch wenn die Bild- und Audioqualität gut sei. Der Tester befürchtet, dass der Reiz des Neuen wie bei den Vorgängermodellen schnell verloren gehen könnte. Er vergibt 6,5 von zehn möglichen Punkten.

Spectacles 3 soll laut Snap bis zu 70 Videos und mehr als 200 Fotos aufzeichnen können, bevor der Akku leer ist. Der Speicher liegt bei vier Gigabyte und reicht für bis zu 100 Videos und 1.200 Fotos.

Geladen wird die Brille über ein im Lieferumfang enthaltenes Etui in rund 75 Minuten. Das Etui wiederum wird zuvor mit einem USB-C-Kabel geladen. Es kann für einen einfachen Transport komplett gefaltet werden.

Spectacles 3 kann ab sofort über die offizielle Webseite bestellt werden.

Snap plant fest mit Augmented-Reality-Durchbruch

Für Snap-Chef Evan Spiegel ist Spectacles 3 selbst ohne großen Verkaufserfolg ein Wendepunkt, da die Brille erstmals eine 3D-Sicht auf die Umgebung bietet. So könne sie die Umgebung des Brillenträgers verstehen und computergenerierte Elemente in sie integrieren.

Ohnehin geht Spiegel geduldig mit Spectacles um: Die Brille sei ein langfristig angelegtes Hardware-Experiment. Eine AR-Brille mit Mainstream-Potenzial, die eine wirklich fortschrittliche erweiterte Realität ermöglicht, sei noch mindestens zehn Jahre entfernt. Snap will sie bauen … irgendwann.

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