Das Start-up Ubiquity6 arbeitet an den Grundlagen der AR-Cloud. Nun fährt das Start-up seine 3D-Plattform herunter und kündigt “große Neuigkeiten” an. Folgt eine Übernahme?

Ubiquity6 wurde vor drei Jahren in San Francisco gegründet, sammelte mehr als 35 Millionen US-Dollar Risikokapital ein und beschäftigt 65 Angestellte (Stand: Januar 2020). Das Ziel des Start-ups: die Infrastruktur der Augmented-Reality-Zukunft bauen.

Das heißt konkret: Digitale Elemente müssen präzise und dauerhaft im physischen Raum verankert werden können und für alle Nutzer sichtbar sein, die sich am gleichen Ort befinden. Erst dann wäre die Grundlage für eine tiefe Durchmischung von digitaler und physischer Welt und die sogenannte AR-Cloud gelegt, die Experten zufolge einst so wertvoll werden könnte wie die Internetsuche.

Eine wichtige Voraussetzung der AR-Cloud ist die 3D-Digitalisierung des Planeten. Nur so wird die Welt maschinell lesbar und liefert Smartphones und AR-Brillen ein brauchbares 3D-Koordinatensystem, mit dessen Hilfe sie sich präzise im Raum verorten und digitale Information räumlichen Kontexten zuordnen können.

Ein Instagram für 3D-Scans

Zu genau diesem Zweck startete Ubiquity6 die 3D-Plattform Display.land. Mit der kostenlosen Smartphone-App können Nutzer ihre Umgebung in 3D einscannen und teilen.  Der Netzwerkeffekt sollte Display.land zu einer Art Instagram für 3D-Scans machen und Nutzer ganz nebenbei wertvolle 3D-Daten der Welt für die firmeneigene AR-Cloud sammeln lassen.

Display.land konnte freilich nur ein Testlauf und Machbarkeitsnachweis sein: Das 3D-Scanning per Smartphone dauert zu lange und das Ergebnis überzeugt nur teilweise, wie ich meinem Display.land-Test feststellte. Die Scanning-Technik braucht auf Seiten der Hard- und Software noch einige Jahre, bis sie für eine größere Zahl Nutzer interessant wird.

Auf der offiziellen Internetseite schreibt das Start-up nun, dass Display.land per 11. August 2020 heruntergefahren wird. An den Start ging die Plattform Ende 2019. Rund eine halbe Million Nutzer hätten hunderttausende Scans angefertigt, heißt es in der Mitteilung. Das ist ein Achtungserfolg, aber längst kein Durchbruch.

Das Wettrennen um die AR-Cloud ist in vollem Gange

Als offizieller Grund für die Schließung nennt das Start-up “große Neuigkeiten, die größe Veränderungen mit sich bringen”. Die Neuigkeiten sollen in den nächsten Monaten enthüllt werden.

Sehr wahrscheinlich steht eine größere Partnerschaft oder Übernahme bevor. Denn eines ist sicher: Den Bau einer AR-Cloud kann das Start-up nur mit Unterstützung eines größeren Unternehmens oder Techkonzerns in Angriff nehmen.

Die wiederum brauchen das Fachwissen der AR-Spezialisten für das Wettrennen um die AR-Cloud. So kaufte der Pokémon Go-Entwickler Niantic vor kurzem das Start-up 6D.ai und Facebook die 3D-Spezialisten Scape. Beide Start-ups haben sich auf AR-Cloud-Technologie spezialisiert.

Wer könnte Ubiquity6 kaufen?

Mögliche Kandidaten für eine Ubiquity6-Akquise wären Apple oder Google. Google investierte bereits in das Start-up und macht mit Google Maps AR und ARCore große Schritte in Richtung AR-Cloud, während Apple derzeit seinen Kartendienst Apple Maps aggressiv ausbaut und fit macht für die AR-Zukunft.

Apples AR-Schnittstelle ARKit bekommt in Version 4.0 eine Verankerungsfunktion spendiert, mit der Entwickler AR-Inhalte über Apple Maps einem realen Ort zuordnen können.

Für verbesserte AR-Effekte integrierte Apple zudem eine spezielle Tiefenkamera in das neue iPad Pro, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch im iPhone 12 verbaut werden wird. Der LIDAR-Sensor wird das 3D-Scanning bedeutend vereinfachen und dank iPhone-Integration einer größeren Nutzerschaft zugänglich machen.

Mit Apples Hilfe hätte Ubiquity6 das Rüstzeug für eine wesentlich erfolgreichere 3D-Sharing-Plattform und Apple damit wiederum eine wichtige Ressource für die 3D-Digitalisierung der Welt.

Quelle: Ubiquity6, via: Augmented Reality Subreddit, Titelbild: Ubiquity6

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