Augmented Reality: Snap-Chef Spiegel spricht über die nächste Stufe

Augmented Reality: Snap-Chef Spiegel spricht über die nächste Stufe

Bei Snap, Facebook und Co. nutzen Milliarden Menschen Augmented-Reality-Technik – für seichte Unterhaltung. Geht da noch mehr?

Dank Smartphone-Kamera und App-Ökonomie war die schnelle Verbreitung von AR-Technik ein Kinderspiel für die Anbieter: Digitale Filter für das Gesicht, den ganzen Körper, riesige Gebäude oder als Instagram-Game sind in Kamera-Apps meist nur einen Wisch entfernt.

Außerdem ist AR sozial teilbar: Besonders gelungene AR-Effekte wie Snaps Genderswap-Gag gehen viral, weil die Nutzer ihre digital erweiterten Fotos und Videos in Social Media teilen. Für Kreative wird es immer einfacher, AR-Filter zu erstellen. Sieht man von der technisch schwer zu bauenden AR-Brille ab, stehen bei Augmented Reality alle Ampeln auf Grün.

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Augmented Reality sucht Anwendungsszenarien

Allerdings: Abseits des gepflegten Filter-Entertainments sieht es noch mau aus mit tollen Anwendungsszenarien für Augmented Reality.

Beim digitalen Shopping gibt es Beispiele, vorneweg Ikeas AR-App Places, mit überschaubarem Mehrwert. Digitale Maßbänder sind ein cleveres Konzept, kranken aber noch an Kinderkrankheiten der Technik.

Pokémon Go gilt zwar als großer Hit bei AR-Spielen, aber die per AR visualisierten Mini-Monster spielen eine geringe Rolle für das tatsächliche Spielerlebnis. Wichtiger ist die digital erweiterte Spielekarte, die auf der realen Umgebung basiert. Das ist auch eine erweiterte Realität, sie braucht aber keine grundlegend neue Technologie. Interessant wird AR beim Lernen, wenn Google neben Text, Video und Bild plötzlich passende AR-Modelle in Originalgröße in die Suchergebnisse einbettet.

Snap-Chef: „AR wird nützlich“

Auf der Digitalkonferenz DLD in München äußerte sich kürzlich Snap-Chef Evan Spiegel zur Zukunft der Augmented Reality. Spiegel setzt bei Snap voll auf AR: Die Snapchat-App gehörte zu den ersten Social-Apps mit anspruchsvollen AR-Effekten. Und die Videobrille „Spectacles“ (Tests) soll Wegbereitertechnologie sein für fortschrittliche AR-Brillen in den nächsten zehn Jahren.

Snap hat eine neue Version der Spectacles vorgestellt, die eine Vielzahl Verbesserungen mit sich bringt.

Snap hat schon drei Tech-Brillen auf den Markt gebracht. Wirklich erfolgreich war keines der Modelle. Macht nichts: Snap wertet sie als Experimente. Bild: Snap

Die hunderttausenden AR-Effekte bei Snap, der Großteil kommt direkt von den Nutzern, dienten zwar hauptsächlich der Selbstinszenierung, so Spiegel. Allerdings entwickele sich AR derzeit schnell hin zu nützlichen Anwendungsszenarien.

„AR entwickelt sich über Kreativität, Spaß und Unterhaltung hinaus“, sagt Spiegel. Als Beispiel nennt er eine Mathefunktion der Snapchat-App: Der Nutzer richtet die Kamera auf eine Gleichung und die App blendet die Lösung ein.

Zukunft von Spectacles ist ungewiss

Zwar hat Snap schon drei Versionen der experimentellen Tech-Brille Spectacles auf den Markt gebracht. Einen genauen Fahrplan, wann aus dem netten Gadget ein möglicher Smartphone-Ersatz werden könnte, scheint Spiegel aber nicht im Kopf zu haben.

Bis es brauchbare, tragbare AR-Geräte am Markt gebe, könnten noch zehn Jahre oder mehr vergehen, so Spiegel. „Es ist schwer zu sagen.“ Auf absehbare Zeit bleibt AR also auf das kleine Smartphone-Display beschränkt.

Snap ließ den Spring-Breakers-Regisseur Harmony Korine einen trippigen Spectacles-Film drehen.

Snaps neueste Spectacles-Brille filmt mit einer Doppelkamera in 3D. Nach der Aufnahme können so AR-Effekte ziemlich genau auf die handelnden Personen oder in die Umgebung gelegt werden. Bild: Snap

Falls Ingenieure eines Tages eine massentaugliche Hightech-Brille basteln können, sieht Spiegel in Augmented Reality eine Evolution der Computertechnologie. Die Technik personalisiere das Computererlebnis.

„Ich denke, dass Wearables, ob es nun Spectacles sind oder nicht – wir hoffen, es sind Spectacles – großes Potenzial haben, Computerinhalte besser in die Umgebung zu integrieren und die engen Grenzen von Smartphone-AR zu durchbrechen“, sagt Spiegel.

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