Virtual Reality: Was vom Wow-Effekt übrigblieb

Virtual Reality: Was vom Wow-Effekt übrigblieb

Ich bin seit nunmehr sechs Jahren in der Virtual Reality unterwegs. Beeindruckt sie immer noch wie am Anfang?

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2016 kamen die ersten hochwertigen VR-Brillen auf den Markt und ich war vom neuen Medium ungemein begeistert. Es war, als hätte sich eine neue Welt des Erlebens und Geschichtenerzählens aufgetan.

Drei Jahre später, also im Jahr 2019, schrieb ich eine Kolumne mit dem Titel Faszinosum Virtual Reality: Was nach dem Wow-Effekt kommt. Darin hielt ich fest, wie Virtual Reality nach drei Jahren regelmäßiger Nutzung auf mich wirkt.

War die anfängliche Magie verflogen? Jein. Zwar wirkte Virtual Reality längst nicht mehr so überwältigend wie bei den ersten paar Malen und auch die Flitterwochen-Stimmung der ersten Monate war eindeutig vorbei. Aber das Medium überraschte mich immer noch. „Weil ich in der Virtual Reality immer noch häufig das Gefühl bekomme, an einem anderen Ort zu sein und mich dieser Illusion mit Vergnügen hingebe“, schrieb ich.

Nach dem Wow-Effekt kam etwas anderes: die leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kunstform, den Möglichkeiten und der Sprache dieses neuen Mediums am Beispiel zahlreicher Spiele, Filme und Erfahrungen. Das ist und bleibt eine andere, unerschöpfliche Quelle der Faszination.

Eine Reise in die Vergangenheit

Seit der Kolumne sind drei weitere Jahre vergangen und bei dieser Gelegenheit will ich ein neues Zwischenfazit ziehen.

Auf die Idee kam ich, als ich den Klassiker Resident Evil 7 VR erneut spielte. Dank eines VR-Mods zum ersten Mal auf dem PC, das heißt in einer bedeutend höheren Auflösung und schärferen Grafik als vor fünf Jahren mit Playstation VR.

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Resident Evil 7 ist bis heute eine meiner immersivsten Virtual-Reality-Erfahrungen. Nie zuvor hatte ich in einem Spiel ein so starkes Gefühl, mich inmitten eines Films wiederzufinden – nicht als Zuschauer, sondern Hauptperson und Protagonist.

Als ich den Titel vor Kurzem mit einer neueren VR-Brille auf dem PC spielte, stellte sich dieser Effekt nicht mehr ein oder zumindest nicht in diesem Ausmaß. Die Welt wirkte kulissenhafter, unwirklicher, flacher als vor Jahren. Ich war gefesselt – und dennoch unterwältigt im Vergleich zum Ersteindruck aus dem Jahr 2017.

Virtual Reality ist zum Alltag für mich geworden

Hat sich Virtual Reality so stark abgenutzt für mich? Möglich ist es.

Seit 2019 habe ich wesentlich mehr Zeit in VR verbracht, als in den Jahren zuvor. Besonders 2021 und dieses Jahr. Die Gründe sind bessere, tiefere, längere VR-Spiele und die Meta Quest 2, die es mir erlaubt, binnen Sekunden in die Virtual Reality zu springen.

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Ich spiele zudem fast nur noch VR-Spiele und habe daher kein Kontrastprogramm mehr. Der Rundumblick, 3D-Effekt und die Handinteraktionen der Virtual Reality sind für mich zu einer Selbstverständlichkeit geworden – und alles andere eine altertümliche Kuriosität. Ich habe nicht mal mehr einen Monitor oder Fernseher zu Hause stehen, der ausreichend groß oder hochauflösend wäre, um ein „herkömmliches“ Spiel optisch ansprechend darzustellen.

Die Regelmäßigkeit meines VR-Konsums hat sicher Anteil daran, dass mich das Eintauchen in 3D-Welten mich nicht mehr so aus den Socken haut wie vor einigen Jahren noch. Der Wechsel in die VR fühlt sich heute so an, als würde ich von einem Zimmer ins nächste wechseln. Virtual Reality ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Aber es gibt auch andere Gründe.

Half-Life: Alyx und andere Kinnladenmomente

Möglich, dass die Grafik mobiler Virtual Reality Anteil an meinem verminderten Staunen hat, denn genau die konsumierte ich in den letzten Jahren mehrheitlich. Wie toll die Quest 2 auch ist: Man darf sie nicht als Gradmesser dafür nehmen, was in Virtual Reality möglich ist.

2020 fühlte sich das Medium für einen Augenblick wieder frisch und neu an. Ich spreche von Half-Life: Alyx und dessen einmaliger Stimmung und Detailversessenheit.

Aber es gibt auch andere absolut magische VR-Momente der letzten drei Jahre, die mir lange in Erinnerung bleiben werden und in anderer Hinsicht verzauberten oder besonders immersiv waren, wie Maskmaker, Cosmodread und Winds & Leaves. Und dann wäre da noch Until You Fall, das Gaming für mich neu definierte, weil es meinen Körper wie kein anderes in die Virtual Reality brachte.

Es ist eben nicht nur die Technik, die beeindruckt, sondern die Kunst, diese gekonnt einzusetzen.

Ein Blick in die Zukunft: PSVR 2 und Video-AR

Für die nächsten drei Jahren hoffe ich, dass Playstation VR 2 mir viele neue Gänsehautmomente beschert, mit großen oder detailverliebten Story-Welten und neuartigen Interaktionen. So wie damals vor sechs Jahren. Die Technik gibt es jedenfalls her und wird einen großen Sprung nach vorne machen.

Worauf ich mich ebenfalls freue, ist videobasierte Augmented Reality. Diese Darstellungstechnik dürfte in den nächsten drei Jahren zum Industriestandard werden und zum ersten Mal bezaubernd echte Mischwelten in meinen eigenen vier Wänden erschaffen.

Der Wow-Effekt der ersten Generation Virtual Reality hat erwartungsgemäß nachgelassen. Doch es gibt neue Horizonte für VR und AR, die meine Leidenschaft für die magischen Guckkästen neu entfachen werden. Faszinierend, wenn man bedenkt, dass die Technologie noch immer in den Kinderschuhen steckt.