Cosmodread im Test: Unheimlich guter VR-Horror

Cosmodread im Test: Unheimlich guter VR-Horror

Ein verlassenes Raumschiff, eine außerirdische Bedrohung und cleveres Spieldesign. Das sind die Zutaten für eines der bislang besten VR-Spiele des Jahres.

Ein gutes VR-Spiel zu entwickeln, ist schwer. Die Chance, dass bei Interface oder Fortbewegung gemurkst wird und die Eigenheiten der VR der Spielerfahrung eher im Weg stehen als ihr helfen, ist groß.

In dieser Hinsicht ist Cosmodread ein echter Glücksfall. Was umso erstaunlicher ist, da das Spiel von einem Ein-Mann-Studio entwickelt wurde: dem VR-Veteranen Sergio Hidalgo, der mit Dreadhalls schon circa 2013 eines der ersten modernen VR-Horrorspiele schuf. Kann der geistige Nachfolger noch einen drauflegen?

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Cosmodread: Review in aller Kürze

Mit seiner Kombination aus Weltall-Horror und Roguelite-Elementen wird euch Cosmodread den Schlaf rauben. Versprochen.

Cosmodread wird euch gefallen, wenn ihr …

  • Survival-Horror liebt,
  • Roguelites mögt
  • und gern im Sitzen spielt.

Cosmodread wird euch nicht gefallen, wenn ihr …

  • Angst im Dunkeln habt,
  • auf Next-Gen-Grafik pocht
  • und Rätsel oder ausgefallene Action erwartet.

Im Weltall hört dich niemand wimmern

Cosmodread lässt euch auf einem verlassenen Raumschiff stranden, dessen Besatzung spurlos verschwunden ist. Event Horizon und Dead Space lassen grüßen.

Eure Aufgabe besteht darin, den stählernen Koloss zu erkunden und einen Weg zurück zur Erde zu finden. Durch zurückgelassene Nachrichten der Crew rekonstruiert ihr Stück für Stück, was mit der Besatzung passiert ist.

Dass etwas Unheimliches im Gange ist, zeigt sich schon nach wenigen Minuten: Manche Räume sind von einem seltsamen, außerirdischen Gewebe befallen, das sich im Raumschiff auszubreiten scheint. Und das ist erst der Anfang.

Cosmodread: Roguelite par excellence

Cosmodread ist dem Roguelite-Genre zuzurechnen. Das heißt, dass man nach jedem Ableben wieder bei null beginnt. Das Inventar, die Anordnung der Räume des Raumschiffs, die Verteilung der Gegenstände und Widersacher, all dies wird zurückgesetzt und neu ausgewürfelt.

Mit einer wichtigen Ausnahme: Im Raumschiff findet ihr hin und wieder Blaupausen, die zur Herstellung überlebenswichtiger Gegenstände dienen. Speist ihr diese in den Bordcomputer ein, verschwinden die Baupläne nicht mehr und ihr müsst nur noch die entsprechenden Rohstoffe sammeln.

Das Zufallselement ist in Cosmodread so groß, dass jeder Spieldurchgang eine neue, unvorhersehbare Handlung generiert, weshalb es auch nicht frustriert, wenn man nach einem gescheiterten Versuch von Neuem beginnen muss. Denn jeder Spielbeginn wird als neue Chance wahrgenommen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die Interaktion mit Gegenständen sowie das Inventar-Management gehen leicht von der Hand, was keine Selbstverständlichkeit ist. | Bild: White Door Games

Perfekte Beklemmung

Dass Faszinierende an guten Roguelikes wie Cosmodread ist, dass man bei jedem neuen Versuch etwas Neues über die Spielwelt lernt. In diesem Falle über das Raumschiff und die Aliens, die es heimsuchen.

So entwickelt man mit der Zeit Überlebensstrategien und dringt immer weiter in die Eingeweide des Raumschiffs vor. Munition, Energie und sogar der Sauerstoff sind dabei so knapp, dass man streng haushalten muss und permanent unter Zeitdruck steht. Wer es allzu ruhig angeht, erstickt.

Gefahren lauern an jeder Ecke und dass nicht nur in Gestalt außerirdischer Lebensformen. Das Raumschiff selbst kann zur tödlichen Falle werden, etwa durch Defekte, die Stromstöße und Verbrennungen verursachen oder maschinelle Verteidigungssysteme. Auf diese Weise kreiert Cosmodread eine Atmosphäre konstanter Bedrohung, die weitaus effektiver ist als billige Jumpscares.

Fazit: Toller VR-Horror mit ordentlich Spielsubstanz

Weil ihr Cosmodread am besten selbst entdeckt, möchte ich an dieser Stelle keine Einzelheiten zur Spielmechanik verraten. Nur so viel will ich sagen: dass Cosmodread hervorragend designt ist.

Hier greift ein spielerisches Element ins andere, um Furcht und Schrecken zu säen – und konstant zum Weiterspielen zu motivieren. Trotz des Nervenkitzels und spielerischen Anspruchs wollte ich immer weitermachen, um die letzten Geheimnisse zu lüften.

Cosmodread würde auch als klassisches Bildschirmspiel funktionieren. Aber in Virtual Reality (Guide) gewinnt die Beklemmung an Intensität: Wenn man mit der Taschenlampe ins Dunkel leuchtet oder verzweifelt versucht, mit den eigenen Händen in letzter Sekunde einen Schalter umzulegen, fühlt man die Bedrohung am eigenen Leib.

Für meinen ersten erfolgreichen Fluchtversuch brauchte ich circa sieben Stunden. Darüber hinaus gibt es noch Blaupausen und Nachrichten zu entdecken und Spielmodifikatoren bringen bei Bedarf Abwechslung und zusätzlichen Anspruch ins Spiel.

Die Grafik gehört nicht zu den Stärken des Spiels, gerade auf Oculus Quest. Wer kann, sollte die grafisch aufpolierte PC-VR-Version spielen. | Bild: White Door Games

Wo kann ich Cosmodread kaufen?

Cosmodread gibt es in zweifacher Ausführung: einmal nativ für die Oculus Quest (14,99 Euro) und einmal für PC-VR-Plattformen (Rift für 14,99 Euro und Steam für 12,49 Euro). Das Spiel unterstützt Crossbuy: Wer das Spiel für Quest oder Rift kauft, erhält die jeweils andere Version gratis.

Wer kann, sollte die PC-VR-Version spielen. Die Lichteffekte, Texturen und 3D-Modelle sind besser und sorgen für eine noch grusligere Stimmung. So ragen zum Beispiel in den verseuchten Räumen Tentakel und Klumpen von Alien-Gewebe aus den Wänden. In der Quest-Version ist alles flach.

Wer im Oculus-Ökosystem unterwegs ist, muss sich für eine Version entscheiden, da Cosmodread kein Cross-Save unterstützt und der überlebenswichtige Spielfortschritt in Form gefundener Blaupausen nicht von einer Plattform auf die andere übertragen wird.

Titelbild: White Door Games

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