Es gibt wohl kaum ein anderes medial vermitteltes Erlebnis, das beim ersten Mal so beeindruckt wie Virtual Reality. Doch wie steht es um die spätere Nutzung?

Jeder VR-Enthusiast dürfte sich an den Augenblick erinnern, an dem sie oder er zum ersten Mal eine moderne VR-Brille aufsetzte. Bei mir war es eine HTC Vive und Space Pirate Trainer. Ich fühlte mich wieder wie der siebenjährige Bub, der zum ersten Mal einen Gameboy in der Hand hält. Auf einmal schien wieder alles möglich.

Die anfängliche Faszination hat sich natürlich nicht in der Form gehalten. Wie sollte sie das auch? Mein Gehirn musste damals einordnen, was es gesehen hatte und den eigenen Realitätsbegriff revidieren. Ich erinnere mich noch, wie mir die sogenannte Wirklichkeit nach dem ersten Virtual-Reality-Trip unwirklich vorkam – so als hätte ich noch immer die VR-Brille auf. Ein bekanntes und etwas unheimliches Phänomen.

Diese Art von Rekalibrierung passiert beim ersten Mal und vielleicht noch beim zweiten Mal. Danach hat sich die Wahrnehmung normalisiert und alles geht seinen gewohnten Lauf.

Was kommt nach dem Wow-Effekt?

Seit diesem ersten Mal habe ich hunderte Stunden in der Virtual Reality verbracht und dabei unzählige Apps jeglicher Kategorien und Genres getestet. Mein Gehirn, so scheint es, weiß längst, was es zu erwarten hat, wenn ich mir die VR-Brille aufsetze.

So sollte mich eigentlich fast nichts mehr überraschen – und tut es dennoch. Weil ich in der Virtual Reality immer noch häufig das Gefühl bekomme, an einem anderen Ort zu sein und mich dieser Illusion mit Vergnügen hingebe.

So geht es nicht jedem: Bei Neulingen, die sich nicht schon im Vornherein für Technologie begeistern, flacht die Begeisterung schnell ab: Nach dem ersten Wow-Effekt haben die meisten keine Lust mehr, sich einen Computer vors Gesicht zu schnallen. “Hab ich gesehen, ist gut”, heißt es dann meist. Und unsereins schüttelt betroffen den Kopf.

Eine langanhaltende Faszination

Woher diese Betroffenheit? Zwar ist bei VR-Veteranen nach drei oder mehr Jahren die anfängliche Verliebtheit verflogen. Sie ist jedoch der anhaltenden Faszination gewichen, das Gegenüber besser kennenzulernen.

Im Falle von Virtual Reality ist dieses Gegenüber kein Mensch, sondern eine Kunstform. Für beide jedoch gilt dasselbe: Je mehr man sich mit dem Gegenüber auseinandersetzt, desto faszinierender wird es.

Weil man dabei das eigene Wissen und Sensorium vertieft und verfeinert, sich gleichsam auf das Gegenüber eingestimmt hat: So wie ein Kunstkenner im Museum Formen, Farben und Texturen genießt, genießt unsereins all jene Nuancen, die Virtual Reality bietet und schaut deshalb immer wieder gerne in diesen etwas klobigen, aber magischen Guckkasten.

Und freut sich, dass er im Grunde noch so primitiv ist. Denn die Technologie wird nie wieder in so kurzer Zeit so große Schritte machen wie in den nächsten Jahren.

Ich fühle mich seit dem erneuten Aufkommen von Virtual Reality in meine Kindheit und zurückversetzt, als die ersten 3D-Beschleuniger erschienen und die Spieluniversen jedes Jahr spürbar schöner und größer wurden. Es war, als würde sich eine neue Welt auftun.

Auch in diesem technischen Sinne sollte die Faszination an Virtual Reality noch lange anhalten.

Wie ergeht es euch? Fesselt euch Virtual Reality immer noch so stark wie am Anfang oder ist die Begeisterung spürbar abgeklungen? Schreibt eure Erlebnisse in die Kommentare.

Titelbild: Ready Player One / Warner Bros.

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