Sci-Fi-Quest: Facebook zeigt bald Next-Gen-VR-Technik

Sci-Fi-Quest: Facebook zeigt bald Next-Gen-VR-Technik

Facebook will dieses Jahr endlich wieder Einblick in neueste VR-Forschung zeigen. Die Technik dürfte in kommende Generationen der Oculus Quest fließen.

Die Oculus Quest 2 (Test) ist eine technische Meisterleistung, doch wie sieht die mittel- und langfristige Zukunft der VR-Brille aus? Facebook forscht seit vielen Jahren an VR-Technik von morgen und Schlüsseltechnologien wie Eye-Tracking und Displays mit variablem Fokus haben noch nicht einmal in Produkte Eingang gefunden. Das heißt: Die wirklich großen VR-Durchbrüche stehen noch bevor.

Half-Dome: Facebooks Next-Gen-Prototyp

Den ersten Einblick in die Zukunft der VR-Technik gewährte Facebook im Mai 2018, als es Half-Dome vorstellte: eine PC-VR-Brille der nächsten Generation mit 140 Grad Sichtfeld, Eye-Tracking und motorenbetriebenem variablen Fokus. Die künstliche Fokusverschiebung ist enorm wichtig für eine angenehme VR-Seherfahrung (siehe Vergence-Accommodation-Konflikt).

Im September 2019 folgte die Vorstellung von Half-Dome 2 und 3. Mit Half-Dome 2 entwickelten die Ingenieure einen VR-Brillenprotoyp, der wesentlicher schlanker und leichter als Half-Dome ist: rund 200 Gramm, um genau zu sein. Das ging auf Kosten des Sichtfelds, das laut Facebook immerhin noch 20 Prozent größer als das der Oculus Quest ist. Die Technik des varifokalen Displays wurde ebenfalls verbessert.

Genau in diesem Bereich gelang mit Half-Dome 3 ein wichtiger Durchbruch: Die Ingenieure konnten die komplexe Mechanik durch unbewegliche Teile ersetzen, die die Fokusverschiebung rein elektrisch herbeiführt. Die neue Technik verringert die Gefahr von Verschleiß, eliminiert Geräusche und Vibration und verbessert den Sehkomfort weiter, indem sie bis zu 64 verschiedene Fokusebenen simuliert.

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Von links nach rechts: Half-Dome 1, 2 und 3. Man beachte die Reduzierung des Formfaktors. | Bild: Facebook

Facebook Connect 2: Erste Details zu Quest Pro?

Seit der Vorstellung der PC-VR-Prototypen Half-Dome 2 und 3 sind knapp zwei Jahre vergangen, in denen sich Facebook zumindest nach außen auf die Gegenwart, sprich: die autarke Oculus Quest konzentrierte.

Da Oculus Quest 2 ein voller Erfolg für Facebook und die Ankündigung eines direkten Nachfolgers in diesem Jahr unwahrscheinlich ist, dürfte das Unternehmen auf seiner nächster XR-Entwicklerkonferenz, die traditionsgemäß im Herbst stattfindet, erneut einen Blick in die Zukunft seiner VR-Hardware wagen.

Dazu gehört wohl, dass Facebook erste Details zur Quest Pro verrät, die 2022 auf den Markt kommen und neue Sensoren für Face- und Eye-Tracking beinhalten dürfte. Mit der Quest Pro wird Facebook neue VR-Technik testen wollen, die bislang nur in Prototypen wie den Half-Dome-Geräten zum Einsatz kam. Später könnte diese dann in die günstigere und für die Massen gedachte Standard-Quest Eingang finden.

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Mit einer Oculus Quest Pro will Facebook neue VR-Technik erproben. | Bild: Facebook

Neue Hardware-Vision wird demnächst enthüllt

Dass Facebook in diesem Jahr deutlich weiter in die VR-Zukunft blicken will und eine größere Vorschau auf seine Next-Gen-Technik ähnlich den Half-Dome-Vorstellungen plant, darauf deutet eine Ankündigung im neuesten Blogeintrag der Forschungslabore, die eine VR-Brille mit Durchblick vorstellt. Am Ende des Artikels steht:

„Später in diesem Jahr werden wir ein umfassenderes Update zu unserer Forschung im Bereich der Display-Systeme geben und zeigen, wie all diese Arbeiten – von variablem Fokus, holografischer Optik, Eye-Tracking und Verzerrungskorrektur bis hin zu Reverse Passthrough – zusammenkommen und helfen, den visuellen Turing-Test in VR zu bestehen.“

Facebooks leitender Display-Forscher Douglas Lanman sprach bei einem Vortrag Anfang 2020 vom visuellen Turing-Test, der bestanden wäre, wenn das VR-Sehen zumindest technisch nicht mehr vom natürlichen Sehen zu unterscheiden wäre.

So oder so: Die nächste Facebook Connect (ehemals Oculus Connect) wäre die perfekte Bühne, um in Facebooks neueste VR-Forschung blicken zu lassen, womöglich in Form neuer Half-Dome-Geräte oder wahrscheinlicher autarker VR-Prototypen mit Next-Gen-Features.

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Acht optische Eigenschaften sind für die menschliche Tiefenwahrnehmung verantwortlich. Die einzige Eigenschaft, die VR-Brillen noch nicht simulieren können, ist die künstliche Fokusverschiebung („Convergence & Accomodation“). Laut Douglan Lanman hat Facebook dieses Problem mit Half-Dome gelöst. | Bild: Facebook

Neues zu haptischen Handschuhen?

Wann die zweite Ausgabe der Facebook Connect stattfindet, ist noch immer unklar. Bislang hat Facebook keine Termine angekündigt, was ungewöhnlich ist und mit der unklaren Entwicklung der Pandemie zu tun haben könnte. Höchstwahrscheinlich findet die Facebook Connect erneut in rein digitaler Form statt.

Neben neuer Display-Technik könnte Facebook auch Fortschritte im Bereich haptischer Handschuhe zeigen. Im März startete das Unternehmen eine dreiteilige Artikelreihe, die Einblick in Facebooks AR-Forschung gibt. Die ersten beiden Artikel sind bereits erschienen. Der dritte Artikel, so hieß es, soll später in diesem Jahr folgen und ein Update zur Entwicklung haptischer Handschuhe geben.

Über diese gab es bislang nicht viel in Erfahrung zu bringen: 2018 zeigte Facebook einen Handschuh-Prototyp, ohne auf technische Details zu einzugehen und 2020 stellten Forscher ein synthetisches Material vor, das leichte und zugleich robuste haptische Handschuhe ermöglichen soll.

Facebook Reality Labs: Experimente mit haptischen Handschuhen

2018 zeigte Facebook in einem Video einen Handschuh-Prototyp in Aktion. | Bild: Facebook

Quelle: Tech@FB, Titelbild: Facebook

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