Facebooks leitender Displayforscher bezeichnet Oculus Next-Gen-Brille Half Dome als “beinahe fertig”. Was heißt das konkret?

Douglas Lanman hielt Anfang des Jahres auf der SPIE-Konferenz in Kalifornien einen Vortrag. Nun ist seine Präsentation im Internet abrufbar. Sie enthält eine Reihe neuer Einblicke in Facebooks XR-Forschung sowie eine interessante Einordnung.

Lanman präsentiert eine neunstufige Systematik der NASA, anhand derer sich der Entwicklungsstand einer Technologie beschreiben lässt: von der Grundlagenforschung (Stufe 1) über fortgeschrittene Prototypen (Stufen 5 und 6) bis hin zum kommerziell verfügbaren Produkt (Stufe 9).

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Die Entwicklungsstufensystematik der NASA. | Bild: Lanman

Herkömmliche Forschung würde nur bis Stufe 4 reichen, die Facebook-Wissenschaftler hätten hingegen die Möglichkeit, bis Stufe 6 zu forschen und beinahe marktreife Prototypen zu entwickeln, die normalerweise in Start-up-Territorium fallen.

Mehr als bloße Machbarkeitsnachweise

Im Frühjahr 2018 enthüllte Oculus den Half Dome-Prototyp, eine Next-Gen-Brille mit motorenbetriebenem variablen Fokus, 140 Grad Sichtfeld und Eyetracking (siehe Titelbild, linke VR-Brille). 2019 folgte die Vorstellung von Half Dome 3 mit rein elektrischer Verschiebung zwischen insgesamt 64 Fokusebenen und einem deutlichen schmaleren Formfaktor (siehe Titelbild, rechte VR-Brille).

Seitens Facebook hieß es beide Male, dass diese Technologie nicht in absehbarer Zeit auf den Markt kommt. Lanman macht während seines Vortrags keine Versprechen, aber er ordnet die Technologie in der NASA-Entwicklungsleiter ein.

Douglan Lanman erklärt in einem Vortrag, wie sein Team ein grundlegendes Problem der VR-Optik löste.

Half-Dome durchlief viele Prototypen. | Bild: Facebook

Half Dome weist er Stufe 6 zu, also Technologie, die “in Zielumgebungen robust funktioniert”. Der weiterentwickelte Half Dome 3-Prototyp befände sich auf Stufe 5 und sei “fast reif fürs Rampenlicht“.

Die Geräte gehen folglich weit über reine Forschung und Machbarkeitsnachweise hinaus, auch wenn sie von der Marktreife und tatsächlicher Herstellung noch ein gutes Stück weit entfernt sein dürften.

Die Chancen stehen gut, dass Facebook auf der Oculus Connect 7 im September den neuesten Stand der Forschung und Produktentwicklung präsentiert. Lanmans Vortrag liegt ein halbes Jahr zurück.

HDR und weites AR-Sichtfeld

In seinem Vortrag gewährte Lanman zudem Einblicke in Facebooks Forschung an HRD-tauglichen VR-Brillen sowie AR-Brillen mit weitem Sichtfeld.

Den Ingenieuren gelang es in einem Versuchsaufbau, VR-Technik mit einer Leuchtdichte von rund 6.000 Nits zu bauen. Eine herkömmliche VR-Brille kommt auf gerade mal 100 Nits, ein Highend-Fernseher auf 2.000 Nits. “Ich möchte an einen VR-Strand gehen und von der Sonne geblendet werden”, sagt Lanman. Ebenso wünsche er sich schwärzeres Schwarz für zukünftige Displays.

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Der miniaturisierte HDR-Prototyp. | Bild: Facebook

In Sachen Augmented Reality forsche das Team an vielen Ansätzen abseits von Wellenleitertechnik, wie zum Beispiel retinale Projektion. Die Technologie ermögliche ein weites Sichtfeld für AR, das Problem sei hier, dass die Augen nur wenig Bewegungsspielraum haben, um das Bild zu sehen. Facebook will dieses Problem mit Eyetracking lösen: Augenbewegungen sollen in Echtzeit erfasst und das Display entsprechend angepasst werden.

Der visuelle Turingtest

Das letztendliche Ziel der Facebook-Forschung ist ein Display, das natürliches Sehen perfekt nachahmt. Um eines der größten technischen Probleme von VR-Brillen zu lösen, braucht es eine künstliche Fokusverschiebung. Die Half Dome Prototypen hätten dieses Hindernis visueller Immersion beseitigt.

“Wir wollen den visuellen Turingtest bestehen. Wir entwickeln Kameras, Renderalgorithmen, Kompressionstechniken um die Realität fehlerfrei zu kopieren. Dies nicht nur, weil wir ein gutes Telepräsenzsystem wollen. Wenn wir dem visuellen System alle Reize liefern, dann können wir interessante Dinge tun und auf Abenteuer in jedwede Art von Realität gehen”, sagt Lanman.

Quelle: SPIE, Titelbild: Facebook

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