Facebook-Forscher zeigen eine VR-Brille, die fast so schlank ist wie eine gewöhnliche Sonnenbrille. Doch der Prototyp hat einige Haken.

Dass Virtual Reality noch nicht so erfolgreich ist, wie es die teils grandiosen medialen Erfahrungen verdient hätten, liegt an den klobigen VR-Brillen.

Sie sehen komisch aus, drücken im Gesicht und machen blind für die reale Umgebung – das reicht den meisten Menschen, um einen Bogen um die Technik zu machen.

Aus gutem Grund sagt beispielsweise Sonys VR-Forscher Dominic Mallinson, dass sich die Japaner für eine mögliche Playstation VR 2 (alle Infos) insbesondere auf den Komfort konzentrieren wollen.

Die Entstehung des Mäusesargs

Ursache des klobigen Formfaktors aktueller VR-Brillen ist das – im Vergleich zur restlichen Technik – geradezu altertümlich anmutende optische System: Zwei große Linsen hängen vor einem oder zwei flachen Displays. Die Linsen vergrößern das Bild so stark, dass man das Gefühl hat, von diesem umgeben zu sein.

Selbst mit einfachen Plastiklinsen, die vor ein Smartphone-Display geschnallt werden, kann ein VR-Brilleneffekt erzielt werden. Das zeigte unter anderem Nintendo mit der Papp-VR-Brille Labo. | Bild: MIXED

Selbst mit einfachen Plastiklinsen, die vor ein Smartphone-Display geschnallt werden, kann ein VR-Brilleneffekt erzielt werden. Das zeigt unter anderem Nintendo mit der Papp-VR-Brille Labo. Die Technik ist effektiv, aber nicht unbedingt modern. | Bild: MIXED

Für diesen Vergrößerungseffekt und damit das Bild scharf erscheint, müssen die Linsen allerdings ein gutes Stück vor den Displays platziert werden – so entsteht der kastenförmige Vorderteil der Geräte. Die Linsen machen die Brillen auch deutlich schwerer, da sie eine gewisse Größe und Dicke benötigen.

Die VR-Branche auf der Suche nach Optik-Innovation

Forscher aus Facebooks Zukunftslabor “Reality Labs” zeigen im Rahmen der Computergrafikkonferenz SIGGRAPH jetzt einen Brillen-Prototyp, der gleich mehrere Generationen VR-Brillenentwicklung überspringt – so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick.

Facebooks Forscher entwickelten ein neues optisches System, das mit nur neun Millimetern besonders flach ist. Leider ist der Prototyp noch weit von einem Serienmodell entfernt. |  Bild: Facebook

Facebooks Forscher entwickelten ein neues optisches System, das mit nur neun Millimetern besonders flach ist. Leider ist der Prototyp noch weit von einem Serienmodell entfernt. | Bild: Facebook

Display und Linsen sind zusammengefasst nur neun Millimeter dünn. Dennoch soll die dünne Brille theoretisch eine Auflösung und Sichtfeldweite wie heutige Modelle bieten können. Wie das?

Vor die Lichtquelle montierten die Forscher einen dünnen, flachen Film, der als “holographische Linse” fungiert: Die Optik krümmt das Licht wie eine Linse, sieht aber eher wie ein transparenter Aufkleber aus, der die Wechselwirkung von Laserlicht mit Objekten zeigt.

Zusätzlich bricht die holografische Linse das Licht so, dass es innerhalb der Linse vor und zurück springen kann, bevor es das Auge des Brillenträgers erreicht. Durch diesen Trick kann die Linse das Bild für das menschliche Auge scharfstellen, obwohl sie direkt vor der Lichtquelle angebracht ist. Das ermöglicht die flache Bauform des Prototyps. Die folgende Animation verdeutlicht diesen Effekt.

Ein Brillen-Prototyp mit vielen Fragezeichen

So spannend der Einblick in Facebooks Forschungslabor auch ist: Niemand sollte erwarten, dass die Technik bald in eine marktreife VR-Brille resultiert. Der Optikansatz ist experimentell und es existieren noch zahlreiche ungelöste Probleme.

So ist die Prototyp-Brille beispielsweise nur mit dem optischen System ausgestattet. Sämtliche zusätzlich benötigte Technik wie Sensoren für die Bewegungserfassung oder Drahtlosverbindungen fehlen. Würde man diese Technik integrieren, wäre auch die Brille wieder größer.

Außerdem zeigt der Blick durch die experimentelle Optik derzeit nur ein grünes, einfarbiges Bild, bei dem der 3D-Effekt für das menschliche Auge noch nicht funktioniert. Die Sichtfeldweite liegt bei nur 92 Grad horizontal und 69 vertikal. Die sichtbare Auflösung des Displays ist mit circa 1.200 mal 1.200 Pixeln gering und der LC-Screen neigt zur Schlierenbildung.

Diese Probleme sind zwar schon jetzt lösbar, aber nur mit einem größeren System, das auf einem Tisch montiert wird statt in eine Brille. Folgerichtig bezeichnen die Wissenschaftler ihre Arbeit auch als “reine Forschung” und einen möglichen Blick in eine Zukunft, in der leichtere und bequemere AR- und VR-Technologie existiert.

Einen viel wahrscheinlicheren Blick in die nähere Brillenzukunft zeigte Facebook im letzten Jahr mit den verschiedenen Half-Dome-Prototypen. Die sehen zwar kaum anders aus als gängige VR-Brillen, bieten dafür aber deutlich fortschrittlichere Technik.

Quelle: Facebook

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