Mit Oculus Rift S und Oculus Quest erscheinen im Frühling gleich zwei neue Oculus-Brillen auf einen Schlag. Welche Brille lohnt sich für wen? Und wie passt eigentlich Oculus Go da noch rein?

 

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letztes Update: 31. März 2019

Wer sollte Oculus Quest kaufen?

Oculus Quest richtet sich primär an Gamer. Facebook bezeichnet die Quest-Brille auch als VR-Spielekonsole. Sie ist in erster Linie für all jene gedacht, die Interesse an Virtual Reality mit voller Bewegungsfreiheit haben, aber keinen Spiele-PC besitzen oder kaufen wollen oder alternativ die einfache Nutzung sowie Kabelfreiheit genießen möchten. Denn bei Oculus Quest ist sämtliche Hardware im Brillengehäuse verbaut.

Wer sollte eher Oculus Rift S kaufen?

Oculus Rift S richtet sich ebenfalls primär an Spieler, aber eben an jene, die einen schnellen Spiele-PC besitzen oder kaufen wollen. Dafür werden sie mit realistischerer Grafik, komplexeren Spielwelten und höheren Bildwiederholraten belohnt.

Letzte Aktualisierung am 18.05.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Ist Oculus Quest der Nachfolger von Oculus Rift?

Nein. Oculus Rift S ist mit modernen PCs kompatibel, die die Rechenleistung der Oculus Quest um ein Vielfaches übertreffen. Quest kann für die Berechnung von VR-Apps und -Spielen lediglich auf den verbauten Smartphone-Prozessor zurückgreifen.

Der Vergleich zwischen Rift S und Quest ist ähnlich wie der zwischen Spielen für PC und Konsole und Smartphone-Games. Wie deutlich der grafische und technische Unterschied ausfällt, hängt vom jeweiligen Spiel ab – in vielen Fällen dürfte er sehr auffällig sein.

Komplexe, grafisch hochwertige VR-Spielewelten werden aufgrund des Leistungsunterschieds wohl weiter das Territorium der Rift-Brille bleiben. Technisch komplexe Rift-Spiele wie “Lone Echo 2”, “Stormland” oder “Asgard’s Wrath” erscheinen gar nicht erst für Quest.

Oculus Quest sollte trotz der geringeren Rechenleistung den Kern des VR-Erlebnisses von Oculus Rift S – die Bewegungsfreiheit für Kopf und Hände in einer virtuellen Realität – wiedergeben können. Die Brille eignet sich voraussichtlich für Zwischendurch-VR mit spielerisch einfachen, intuitiven Games wie Beat Saber oder Superhot. Eine Liste mit angekündigten Quest-Apps und -Spielen steht hier.

Ist Oculus Rift S der Nachfolger von Oculus Rift?

Jain. Oculus Rift S ist ein moderates Tech-Upgrade, das die Original-Brille ersetzen wird und insbesondere mit besserem Nutzungs- und Tragekomfort punkten soll. Beispielsweise müssen keine externen Sensoren mehr verbaut werden dank integriertem Tracking. Oculus Rift 2 müsste technisch einen größeren Sprung bieten. Wann Oculus Rift 2 auf den Markt kommen könnte, ist nicht bekannt – es wird noch eine ganze Weile dauern. Vielleicht sogar bis 2022.

Was ist das Besondere an Oculus Quest?

Oculus Quest funktioniert komplett eigenständig. Die Brille ist auf Einfachheit getrimmt: Anschalten, aufziehen und durch die Virtual Reality bewegen.

Anders als Oculus Rift S benötigt die Quest-Brille keinen teuren PC als Zuspieler, es müssen keine Treiber oder zusätzliche Hardware-Komponenten installiert werden. So ähnlich wie eine Spielekonsole eben, die man nur mit dem TV verbindet – und fertig.

Da die Quest-Brille nicht verkabelt ist, bietet sie im Vergleich zu Oculus Rift S eine hervorragende Bewegungsfreiheit. Dieses Gefühl kann man für Oculus Rift nur teuer und umständlich über einen Wireless-Adapter nachkaufen. Das ist mit das wichtigste Kaufargument für Oculus Quest.

Oculus_Quest_Lifestyle_1

Das große Kaufargument für Oculus Quest ist die vollständige, komplett kabellose VR-Bewegungsfreiheit für Kopf und Hände. Bild: Oculus

Greifen beide VR-Brillen auf denselben Store zu?

Details sind noch nicht bekannt. Am wahrscheinlichsten ist es wohl, dass Quest einen eigenen Store erhält.

Oculus gab im Vorfeld des Quest-Marktstarts Entwicklern Bescheid, dass bei der Auswahl der VR-Apps für den Quest-Store besonderer Wert auf Qualität gelegt werden soll.

Die Zulassungsregeln für Oculus Rift und Oculus Go sind im Vergleich laxer – hier darf mehr experimentiert werden. Quest-Apps hingegen sollen Konsolenqualität bieten, brauchen eine gewisse Länge und müssen flüssig und ohne Fehler laufen.

Was sind die technischen Unterschiede zwischen Oculus Rift und Oculus Quest?

Da gibt es einige. Oculus Quest bietet höher aufgelöste OLED-Displays mit 1.600 mal 1.440 Bildpunkten pro Auge bei einer etwas geringeren Bildwiederholrate von 72 Hz (Oculus Rift S: einzelnes Display mit 1.280 mal 1.440 Bildpunkte pro Auge, 80 Hz, LCD).

Allerdings hat das S-Display eine voll belegte RGB-Matrix mit drei Subpixeln pro Pixel, bei Quest sind es nur deren zwei. Der sogenannte Fliegengittereffekt, ein unschönes Pixelraster, bei dem man Lücken zwischen den Pixeln erkennt aufgrund der Linsen-Vergrößerung, könnte also trotz der niedrigeren Auflösung geringer ausfallen. Dafür sind die Schwarzwerte von LC-Displays naturgemäß schwächer als bei OLEDs.

Eine höhere Bildwiederholrate lässt die VR-Welt flüssiger und etwas glaubhafter wirken. Außerdem beugt sie VR-Übelkeit vor. Allerdings ist der Unterschied zwischen Quest und Rift S gering, nur sehr empfindliche Brillenträger dürften ihn erspüren können.

Das Sichtfeld ist bei beiden Brillen mit etwa 100 Grad in etwa gleich weit, auch die Linsen sind dieselben.

Nicht ganz identisch hingegen ist das Trackingsystem: Zwar läuft auf beiden Brillen dieselbe Tracking-Software Oculus Insight, aber die Trackingkameras sind anders angeordnet.

Mit Oculus Quest und Oculus Rift S plant Facebook offenbar einen neuen Doppelangriff auf den VR-Markt.

Bei Oculus Quest sitzen die Weitwinkeltrackingkameras in den Ecken. Bild: Oculus

Oculus Rift S kostet 400 US-Dollar und ersetzt die klassische Oculus-Rift-Brille. Erscheinen wird die neue VR-Brille im Frühling.

Bei Rift S sitzen vier Trackingkameras an der Vorderseite nach vorne und seitlich nach unten gerichtet …

Oculus Rift S bietet zusätzlich eine fünfte Trackingkamera auf der Oberseite der Brille. Das Tracking dürfte also insgesamt noch etwas flüssiger laufen.

... und eine auf der Oberseite des Gehäuses, die zum Beispiel die VR-Controller erfasst, wenn man sie über den Kopf hält. Bild: Oculus

… und eine auf der Oberseite des Gehäuses, die zum Beispiel die VR-Controller erfasst, wenn man sie über den Kopf hält. Bild: Oculus

Keine der beiden Brillen benötigt externe Sensoren, wie es noch bei der Original-Rift der Fall war. Allerdings benötigt Oculus Rift S wie erwähnt einen externen PC als Zuspieler. Oculus Quest hingegen hat sämtliche Hardware an Bord verbaut. Weitere Spezifikationen stehen in der Tabelle unten.

Wichtig: Nur bei Oculus Quest kann der Linsenabstand passend zum eigenen Augenabstand eingestellt werden (58 mm bis 72 mm). Bei Oculus Rift S ist der Augenabstand fix auf 63,5 Millimeter justiert – das entspricht in etwa dem Durchschnitt bei Männern. Wer deutlich unter oder über diesem Wert liegt, könnte bei Rift S Probleme bekommen mit Unschärfe, einem weniger starken 3D-Effekt oder schnellerer Ermüdung der Augen.

Datenblätter

Oculus QuestOculus Rift S
VerfügbarkeitFrühjahr 2019Frühjahr 2019
Preisab 450 Euro (64 GB)450 Euro
Auflösung1.600 mal 1.440 Pixel pro Auge / 72 Hz / ein Display pro Auge1.280 mal 1.440 Pixel pro Auge / 80 Hz / ein einzelnes Display
DisplayOLED, PentileLCD, RGB-Matrix
Prozessor & GrafikSnapdragon 835 / Adreno 540externer PC
AkkulaufzeitunbekanntStromversorgung via Kabel
TrackingIntegriertes Raumtracking auf circa 60 qm (6-DoF)Integriertes Raumtracking auf großer Fläche (6-DoF),
begrenzt durch Kabel (fünf Meter)
Controller2 x Oculus-Touch-Controller für virtuelle Hände (6-DoF)2 x Oculus-Touch-Controller für virtuelle Hände (6-DoF)
InhalteVollwertige Games mit Smartphone-Grafik & 360-VideosVollwertige Games z.T. mit Highend-Grafik & 360-Videos
KabelKein Kabel oder externer Zuspieler notwendigWird mit einem einzelnen Kabel an einen PC angeschlossen
Portabilität++++
Augenabstand einstellbarJa, 58 bis 72 mm (IPD-Regler)Nein, fix auf 63,5 mm eingestellt
Gewichtcirca 570 Grammcirca 500 Gramm
LinsenFresnelFresnel
Sichtfeldcirca 100 Gradcirca 100 Grad
Speicherab 64 GB interner Speicherabhängig vom PC

Gibt es Unterschiede bei den Controllern?

Nein. Die Controller von Oculus Quest und Rift S sind identisch. Im Vergleich zu den originalen Touch-Controllern sind sie etwas kleiner und die Ergonomie wurde leicht angepasst. Außerdem ist der Trackingring nach außen gekehrt, damit er besser sichtbar ist für das in die Brille integrierte Kamera-Tracking.

Oculus Touch für Quest ...

Oculus Touch für Quest und Rift S …

... und für Rift. Bild: Oculus

… und die Original-Controller für Rift. Bild: Oculus

Ansonsten sind die Controller identisch zu den ursprünglichen Touch-Controllern. Das ist beabsichtigt, da das Entwicklern Portierungen zwischen den Brillen erleichtert – die müssen so nicht zusätzlich zur Technik auch noch die Steuerung anpassen.

Ergänzen sich Oculus Quest und Oculus Rift S?

Das ist von Oculus zumindest so vorgesehen: Entwickler sollen Quest-Spiele schnell und leicht für Oculus Rift S portieren können. Der umgekehrte Weg ist natürlich etwas schwieriger aufgrund der technischen Limits der Quest-Brille und dürfte seltener der Fall sein.

Entwickler können optional Doppelkäufe anbieten: Wer die Quest-Version ersteht, bekommt automatisch die Rift-Version dazu. Oculus macht das beispielsweise so beim Western-Shooter “Dead & Buried 2”. Theoretisch könnte man das Spiel dank Doppelkauf mit Quest unterwegs nutzen und die grafisch schönere Rift-S-Version, wenn der eigene PC in Reichweite ist.

Fazit: Soll ich Oculus Quest oder Oculus Rift S kaufen?

Wer richtig tief einsteigen will in VR und höhere Kosten nicht scheut, trifft mit Oculus Rift S die bessere Wahl. Der Leistungsvorsprung eines PCs ist einfach ein zu großer Qualitätsfaktor, speziell bei der Grafik. Hinzu kommt, dass das Tracking mit Rift S ebenso komfortabel und womöglich sogar noch ein wenig genauer ist als mit Quest.

Wer grafisch nicht auf Highend-Niveau unterwegs sein muss, aber dennoch Wert legt auf ein VR-Erlebnis mit kabelloser Bewegungsfreiheit und maximaler Mobilität, der ist mit Oculus Quest besser bedient.

Wann erscheinen Oculus Quest und Oculus Rift S?

Facebook hat noch kein Erscheinungsdatum genannt, beide VR-Brillen sollen aber noch im Frühling 2019 auf den Markt kommen – der endet in diesem Jahr am 20. Juni. Wahrscheinlich erscheinen Quest und Rift S zeitnah nach Facebooks Entwicklerkonferenz F8 Ende April.

Alle bislang bekannten Infos zu Hard- und Software sowie zur Entstehungsgeschichte von Oculus Quest findet ihr hier und zu Oculus Rift S hier.

Kann man die originale Oculus Rift noch kaufen?

Laut Oculus ist Oculus Rift S in wenigen Monaten “die neue Rift”. Wer das Originalmodell haben möchte, sollte sich jetzt schnell umschauen. In ein paar Wochen bleibt wahrscheinlich nur noch der Gebrauchtmarkt.

Und wie passt Oculus Go in Facebooks VR-Portfolio?

Oculus Go ist die technisch einfachste und günstigste VR-Brille in Facebooks Portfolio. Sie erfasst nur Kopfdrehungen und keine räumlichen Bewegungen. Mit dem Controller kann man auf Objekte zeigen, sie aber nicht anfassen und hochheben wie mit Oculus Touch. Oculus Go eignet sich in erster Linie für Videos und sehr einfache Spiele.

Hier findet ihr einen ausführlichen Vergleichsartikel Oculus Quest vs. Oculus Go. Die gleichen Argumente gelten im Vergleich mit Oculus Rift.

Was sind die Alternativen zu Oculus Quest und Oculus Rift S?

Zu Oculus Quest gibt es keine Alternative. Zwar bietet HTC mit Vive Focus Plus eine technisch ähnliche VR-Brille an, die ist aber fast doppelt so teuer, in erster Linie für Geschäftskunden gedacht und bietet nicht dieselbe Auswahl an Apps.

Zu Oculus Rift S hingegen gibt es durchaus Alternativen: Highend-Enthusiasten befassen sich aktuell mit Pimax, außerdem stellen sowohl HTC mit Cosmos als auch Valve mit Index neue PC-VR-Brillen für 2019 in Aussicht. Zu den beiden letztgenannten Modellen gibt es leider noch keine Infos zu Preis und Verfügbarkeit.

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 9. Januar 2019 und verglich Oculus Quest mit Oculus Rift. Da Oculus Rift durch Oculus Rift S ersetzt wird, wurde der Artikel entsprechend überarbeitet.


MIXED-Podcast #143: Google I/O und High Fidelity VR-Abschied | Alle Folgen


Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.