Update: 08.03.2020

Mit Oculus Rift S und Oculus Quest sind 2019 zwei neue VR-Brillen auf einen Schlag erschienen. Welche Brille lohnt sich für wen und welche ist besser?

In diesem Artikel erfahrt ihr

  • wie sich Quest und Rift S voneinander unterscheiden,
  • welche Vor- und Nachteile beide VR-Brillen bieten,
  • und welche der beiden Headsets wir empfehlen und warum.

Letztes Update: 08.03.2020

  • allgemeine Überarbeitung
  • Verlinkung von aktuellen Tests und Info-Artikeln an passenden Stellen

Wer sollte Oculus Quest kaufen?

  • Oculus Quest richtet sich primär an Gamer. Facebook bezeichnet die Quest-Brille auch als VR-Spielekonsole.

Sie ist in erster Linie für all jene gedacht, die Interesse an Virtual Reality mit voller Bewegungsfreiheit haben, aber keinen Spiele-PC besitzen oder kaufen wollen oder alternativ die einfache Nutzung sowie Kabelfreiheit genießen möchten. Denn bei Oculus Quest ist sämtliche Hardware im Brillengehäuse verbaut.

Update: Oculus bietet mit Oculus Link (Info-Guide) eine PC-Verbindung für Quest an, dank der man alle VR-Spiele und -Apps für Oculus Rift auch mit Quest nutzen kann. Daher gibt es kaum noch einen Grund, Rift S zu kaufen statt Oculus Quest – auch wenn Oculus-Technikchef John Carmack anderer Meinung ist. In unserem Oculus Link-Test jedenfalls gab es wenig Grund für Kritik.

Wer sollte eher Oculus Rift S kaufen?

  • Oculus Rift S richtet sich ebenfalls primär an Spieler, aber eben an jene, die einen schnellen Spiele-PC besitzen oder kaufen wollen.

Dafür werden sie mit realistischerer Grafik, komplexeren Spielwelten und etwas höheren Bildwiederholraten belohnt. Allerdings hat Oculus Quest via Link-Kabel mittlerweile die gleichen Optionen und kann alle VR-Apps im Oculus Store oder auf Steam und Viveport nutzen.

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Was ist das Besondere an Oculus Quest?

  • Oculus Quest funktioniert komplett eigenständig. Die Brille ist auf Einfachheit getrimmt: Anschalten, aufziehen und durch die Virtual Reality bewegen. Sie kann auf Wunsch via Oculus Link zu einer PCVR-Brille werden und unterstützt zudem Handtracking.

Anders als Oculus Rift S benötigt die Quest nicht zwangsläufig einen teuren PC als Zuspieler. Es müssen keine Treiber oder zusätzliche Hardware-Komponenten installiert werden. Quest ist eben ähnlich einer Spielekonsole, die man nur mit dem TV verbindet – und fertig.

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Ein großes Kaufargument für Oculus Quest ist die vollständige, komplett kabellose VR-Bewegungsfreiheit für Kopf und Hände. BILD: Oculus

Da die Quest-Brille nicht verkabelt ist, bietet sie im Vergleich zu Oculus Rift S eine hervorragende Bewegungsfreiheit. Dieses Gefühl kann man für Oculus Rift nur teuer und umständlich über einen Wireless-Adapter nachkaufen (siehe TPCast Wireless-Adapter im Test). Das ist eines der wichtigsten Kaufargumente für Oculus Quest.

Auf Wunsch kann man Oculus Quest via Oculus Link (Infos) dennoch mit einem PC verkabeln – und hat so das beste aus beiden Welten.

Greifen beide VR-Brillen auf denselben Store zu?

  • Nicht automatisch. Oculus Quest und Oculus Rift haben einen eigenen Store. Schließt man Quest allerdings an den PC an, kann man auf alle Rift-Apps zugreifen. Außerdem erscheinen viele VR-Spiele und -Apps ohnehin für Quest und Rift.

Oculus gab im Vorfeld des Quest-Marktstarts Entwicklern Bescheid, dass bei der Auswahl der VR-Apps für den Quest-Store besonderer Wert auf Qualität gelegt werden soll. Die Zulassungsregeln für Oculus Rift und Oculus Go sind im Vergleich laxer – hier darf mehr experimentiert werden.

Quest-Apps hingegen sollen Konsolenqualität bieten, brauchen eine gewisse Länge und müssen flüssig und ohne Fehler laufen. Wer experimentelle Quest-Apps sucht, etwa zum Handtracking der Quest (Info-Guide), der muss auf Sideloading via SideQuestVR zurückgreifen.

Was sind die technischen Unterschiede zwischen Oculus Rift und Oculus Quest?

  •  Oculus Quest bietet höher aufgelöste OLED-Displays mit 1.600 mal 1.440 Bildpunkten pro Auge bei einer etwas geringeren Bildwiederholrate von 72 Hz (Oculus Rift S: Einzelnes Display mit 1.280 mal 1.440 Bildpunkte pro Auge, 80 Hz, LCD).

Allerdings hat das Rift S-Display eine voll belegte RGB-Matrix mit drei Subpixeln pro Pixel, bei Quest sind es nur zwei. Der sogenannte Fliegengittereffekt, ein unschönes Pixelraster, bei dem man Lücken zwischen den Pixeln  aufgrund der Linsen-Vergrößerung erkennen kann, könnte also trotz der niedrigeren Auflösung geringer ausfallen. Dafür sind die Schwarzwerte von LC-Displays schwächer als bei OLEDs.

Eine höhere Bildwiederholrate lässt die VR-Welt flüssiger und etwas glaubhafter wirken. Außerdem beugt sie VR-Übelkeit vor. Allerdings ist der Unterschied zwischen Quest und Rift S gering, nur sehr empfindliche Brillenträger dürften ihn erspüren können.

Das Sichtfeld ist bei beiden Brillen mit etwa 100 Grad in etwa gleich weit, auch die Linsen sind dieselben. Nicht ganz identisch hingegen ist das Trackingsystem: Zwar läuft auf beiden Brillen dieselbe Tracking-Software Oculus Insight, aber die Trackingkameras sind anders angeordnet.

Mit Oculus Quest und Oculus Rift S plant Facebook offenbar einen neuen Doppelangriff auf den VR-Markt.

Bei Oculus Quest sitzen die Weitwinkeltrackingkameras in den Ecken. BILD: Oculus

Oculus Rift S kostet 400 US-Dollar und ersetzt die klassische Oculus-Rift-Brille. Erscheinen wird die neue VR-Brille im Frühling.

Bei Rift S sitzen vier Trackingkameras an der Vorderseite nach vorne und seitlich nach unten gerichtet … BILD: Oculus

Oculus Rift S bietet zusätzlich eine fünfte Trackingkamera auf der Oberseite der Brille. Das Tracking dürfte also insgesamt noch etwas besser sein.

... und eine auf der Oberseite des Gehäuses, die zum Beispiel die VR-Controller erfasst, wenn man sie über den Kopf hält. Bild: Oculus

… und eine auf der Oberseite des Gehäuses, die zum Beispiel die VR-Controller erfasst, wenn man sie über den Kopf hält. BILD: Oculus

Keine der beiden Brillen benötigt externe Sensoren, wie es noch bei der Original-Rift der Fall war. Allerdings braucht Oculus Rift S wie erwähnt einen externen PC als Zuspieler. Oculus Quest hingegen hat sämtliche Hardware an Bord verbaut, es sei denn, Oculus Link soll genutzt werden. Weitere Spezifikationen folgen in der Tabelle weiter unten.

Auch wichtig: Nur bei Oculus Quest kann der Linsenabstand passend zum eigenen Augenabstand eingestellt werden (58 mm bis 72 mm). Bei Oculus Rift S ist der Augenabstand fix auf 63,5 Millimeter justiert – das entspricht in etwa dem Durchschnitt bei Männern. Wer deutlich unter oder über diesem Wert liegt, könnte bei Rift S Probleme mit Unschärfe bekommen, einem weniger starken 3D-Effekt oder schnellerer Ermüdung der Augen.

Datenblätter

Oculus QuestOculus Rift S
VerfügbarkeitFrühjahr 2019Frühjahr 2019
Preisab 450 Euro (64 GB)450 Euro
Auflösung1.600 mal 1.440 Pixel pro Auge / 72 Hz / ein Display pro Auge1.280 mal 1.440 Pixel pro Auge / 80 Hz / ein einzelnes Display
DisplayOLED, PentileLCD, RGB-Matrix
Prozessor & GrafikSnapdragon 835 / Adreno 540externer PC
Akkulaufzeitrund 2 Stunden, je nach AnwendungStromversorgung via Kabel
TrackingIntegriertes Raumtracking auf circa 60 qm (6DoF)Integriertes Raumtracking auf großer Fläche (6DoF),
begrenzt durch Kabel (fünf Meter)
Controller2 x Oculus Touch-Controller für virtuelle Hände (6DoF)2 x Oculus Touch-Controller für virtuelle Hände (6DoF)
InhalteVollwertige Spiele mit Smartphone-Grafik & 360-Videos; mittels Oculus Link-Verbindung zu einem PC alle PC-VR-InhalteVollwertige Spiele mit Highend-Grafik & 360-Videos
KabelKein Kabel oder externer Zuspieler notwendig, außer bei Nutzung von Oculus LinkEinzelnes Kabel an PC
Portabilität++++
Augenabstand einstellbarJa, 58 bis 72 mm (IPD-Regler)Nein, auf 63,5 mm voreingestellt
Gewichtcirca 570 Grammcirca 500 Gramm
LinsenFresnelFresnel
Sichtfeldcirca 100 Gradcirca 100 Grad
Speicherab 64 GB interner Speicherabhängig vom PC

Gibt es Unterschiede bei den Controllern?

  • Nein. Die Controller von Oculus Quest und Rift S sind identisch.

Im Vergleich zu den originalen Touch-Controllern sind sie etwas kleiner und die Ergonomie wurde leicht angepasst. Außerdem ist der Trackingring nach außen gekehrt, damit er für das in die Brille integrierte Kamera-Tracking besser sichtbar ist.

Oculus Touch für Quest ...

Oculus Touch für Quest und Rift S …

... und für Rift. Bild: Oculus

… und die Original-Controller für Rift. Bild: Oculus

Ansonsten sind die Controller gleich den ursprünglichen Touch-Controllern. Das ist beabsichtigt, da das Entwicklern Portierungen zwischen den Brillen erleichtert und zusätzlich zur Technik nicht auch noch die Steuerung angepasst werden muss.

Zukunftsweisend: Handtracking für Oculus Quest (Info-Guide) ist bereits verfügbar, wenn auch noch in einem frühen Stadium. Für Oculus Rift S ist eine solche Funktion noch nicht geplant.

Ergänzen sich Oculus Quest und Oculus Rift S?

  • Quest bietet via Oculus Link das mobile und das stationäre VR-Erlebnis in einem Gerät, Rift S nur PC-VR – wenn auch nativ, statt gestreamt.

Durch die Veröffentlichung der Quest-PC-Verbindung Oculus Link (Test) wird die Einschätzung unten weitgehend hinfällig.

Ursprüngliche Einschätzung:

Das ist von Oculus zumindest so vorgesehen: Entwickler sollen Quest-Spiele schnell und leicht für Oculus Rift S portieren können. Der umgekehrte Weg ist natürlich etwas schwieriger aufgrund der technischen Limits der Quest-Brille und dürfte seltener der Fall sein.

Entwickler können optional Doppelkäufe anbieten: Wer die Quest-Version ersteht, bekommt automatisch die Rift-Version dazu. Oculus macht das beispielsweise so beim Western-Shooter “Dead & Buried 2”. Theoretisch könnte man das Spiel dank Doppelkauf mit Quest unterwegs nutzen und die grafisch schönere Rift-S-Version, wenn der eigene PC in Reichweite ist.

Fazit: Soll ich Oculus Quest oder Oculus Rift S kaufen?

  • Die Antwort fällt leicht: Oculus Quest. Dank der neuen PC-Verbindung Oculus Link bietet Oculus Quest sowohl autarke, mobile VR als auch PC-VR und vereint damit zwei Geräte in einem. Der größte Vorteil von Rift S ist damit hinfällig.

Nur wer sich partout nicht für die mobile Nutzung der Quest-Brille interessiert, könnte mit Rift S unter Umständen aufgrund des etwas höheren Tragekomforts besser fahren. Ansonsten hat Quest auch technisch die Nase vorne, beispielsweise durch höher aufgelöste OLED-Displays, Unterstützung für Handtracking und einen einstellbaren Augenabstand.

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Kann man die originale Oculus Rift noch kaufen?

  • Laut Oculus ist Oculus Rift S “die neue Rift”. Die originale Oculus Rift wird nicht mehr offiziell verkauft.

Wie passt Oculus Go in Facebooks VR-Portfolio?

Oculus Go ist die technisch einfachste und günstigste VR-Brille in Facebooks Portfolio. Sie erfasst nur Kopfdrehungen und keine räumlichen Bewegungen. Mit dem Controller kann man auf Objekte zeigen, sie aber nicht anfassen und hochheben wie mit Oculus Touch. Oculus Go eignet sich in erster Linie für Videos und sehr einfache Spiele.

Hier findet ihr einen ausführlichen Vergleichsartikel Oculus Quest vs. Oculus Go. Die gleichen Argumente gelten im Vergleich von Oculus Go mit Oculus Rift.

Gibt es Alternativen zu Oculus Quest und Oculus Rift S?

  • Zu Oculus Quest gibt es keine Alternative. Zwar bietet HTC mit Vive Focus Plus eine technisch ähnliche VR-Brille an, die ist aber fast doppelt so teuer, in erster Linie für Geschäftskunden gedacht und hat nicht dieselbe Auswahl an Apps.

Zu Oculus Rift S hingegen gibt es durchaus Alternativen: Highend-Enthusiasten befassen sich beispielsweise mit der HP Reverb (Test), außerdem bringen HTC mit den VR-Brillen der Vive Cosmos-Plattform (Info-Guide) als auch Valve mit Index (Test) neue PC-VR-Brillen auf den Markt, die aber alle deutlich teurer sind, dafür aber mehr Technik und ein besseres Bild aufweisen.

Einen kompletten Vergleich aller aktuellen VR-Brillen findet ihr ebenfalls bei uns.steady2

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