Oculus Quest 2 oder Oculus Rift S kaufen: Vergleich und Unterschiede

Oculus Quest 2 oder Oculus Rift S kaufen: Vergleich und Unterschiede
Update: 30.04.2021

Die Oculus Rift S ist eine reine PCVR-Brille. Die Oculus Quest 2 ist eine autarke und optional über Kabel an einen PC anschließbare VR-Brille. Welche Brille lohnt sich für wen und welche ist besser?

In diesem Artikel erfahrt ihr

  • wie sich Quest 2 und Rift S voneinander unterscheiden,
  • welche Vor- und Nachteile beide VR-Brillen bieten,
  • und welche der beiden Headsets wir empfehlen und warum.

Letztes Update: 30.04.2021

  • Datenblätter aktualisiert

Wer sollte Oculus Quest 2 kaufen?

  • Oculus Quest 2 richtet sich primär an Spieler. Facebook bezeichnet die Quest-Brille auch als VR-Spielekonsole. Künftig will Facebook damit aber auch Anwendungen für virtuelles Arbeiten ermöglichen, etwa durch Infinite Office.

Sie ist in erster Linie für all jene gedacht, die Interesse an Virtual Reality mit voller Bewegungsfreiheit haben, aber keinen Spiele-PC besitzen oder kaufen wollen oder alternativ die einfache Nutzung sowie Kabelfreiheit genießen möchten. Denn bei Oculus Quest 2 ist sämtliche Hardware im Brillengehäuse verbaut.

Mit Oculus Link (Info-Guide) gibt es aber eine Option für eine PC-Verbindung, dank der man alle VR-Spiele und -Apps für Oculus Rift auch mit Quest 2 nutzen kann. Daher gibt es kaum noch einen Grund, Rift S zu kaufen statt Oculus Quest – auch wenn Oculus-Technikchef John Carmack anderer Meinung ist. In unserem Oculus Link-Test jedenfalls gab es wenig Grund für Kritik.

Wer sollte eher Oculus Rift S kaufen?

  • Oculus Rift S richtet sich ebenfalls primär an Spieler, aber eben an jene, die einen schnellen Spiele-PC besitzen oder kaufen wollen.

Dafür werden sie mit guter Grafik und komplexeren Spielwelten im Vergleich zur rein autarken Nutzung der Quest 2 belohnt. Via Link-Kabel hat Quest 2 mittlerweile aber die gleichen Optionen und kann alle VR-Apps im Oculus Store oder auf Steam und Viveport nutzen.

Was ist das Besondere an Oculus Quest 2?

  • Oculus Quest 2 funktioniert komplett eigenständig. Die Brille ist auf Einfachheit getrimmt: Anschalten, aufziehen und durch die Virtual Reality bewegen. Sie kann auf Wunsch via Oculus Link zu einer PCVR-Brille werden und unterstützt außerdem Handtracking.

Anders als Oculus Rift S benötigt die Quest 2 nicht zwangsläufig einen teuren PC als Zuspieler. Es müssen keine Treiber oder zusätzliche Hardware-Komponenten installiert werden. Quest ist eben ähnlich einer Spielekonsole, die man nur mit dem TV verbindet – und fertig.

Eine Frau spielt in ihrem Wohnzimmer mit der Oculus Quest 2

Oculus Quest 2 soll den Weg in den Massenmarkt über Preis und Leistung finden. | Bild: Facebook

Da die Quest 2-Brille nicht verkabelt ist, bietet sie im Vergleich zu Oculus Rift S hervorragende Bewegungsfreiheit. Dieses Gefühl kann man für Oculus Rift nur teuer und umständlich über einen Wireless-Adapter nachkaufen (siehe TPCast Wireless-Adapter im Test). Das ist eines der wichtigsten Kaufargumente für Oculus Quest 2.

Auf Wunsch kann man Oculus Quest 2 via Oculus Link (Infos) dennoch mit einem PC verkabeln – und hat so das beste aus beiden Welten.

Greifen beide VR-Brillen auf denselben Store zu?

  • Nicht automatisch. Oculus Quest 2 und Oculus Rift haben einen eigenen Store. Schließt man Quest 2 allerdings an den PC an, kann man auf alle Rift-Apps zugreifen. Außerdem erscheinen viele VR-Spiele und -Apps ohnehin für Quest 2 und Rift.

Oculus gab im Vorfeld des Quest-Marktstarts Entwicklern Bescheid, dass bei der Auswahl der VR-Apps für den Quest-Store besonderer Wert auf Qualität gelegt werden soll. Die Zulassungsregeln für Oculus Rift und Oculus Go sind im Vergleich laxer – hier darf mehr experimentiert werden.

Quest-Apps hingegen sollen Konsolenqualität bieten, brauchen eine gewisse Länge und müssen flüssig und ohne Fehler laufen. Wer experimentelle Quest-Apps sucht, etwa zum Handtracking der Quest (Info-Guide), der muss auf Sideloading via SideQuestVR (Anleitung) zurückgreifen.

Was sind die technischen Unterschiede zwischen Oculus Rift und Oculus Quest?

  •  Oculus Quest 2 bietet höher aufgelöste LC-Displays mit 1.832 mal 1.920 Bildpunkten pro Auge bei einer Bildwiederholrate von bis zu 90 Hz (Oculus Rift S: Einzelnes Display mit 1.280 mal 1.440 Bildpunkte pro Auge, 80 Hz, LCD).

Die Oculus Quest 2 hat in jeder Hinsicht bei der Bildqualität die Nase vorn. Die hohe Auflösung sorgt für ein sehr scharfes Bild. Der sogenannte Fliegengittereffekt, ein unschönes Pixelraster, bei dem man Lücken zwischen den Pixeln aufgrund der Linsen-Vergrößerung erkennen kann, fällt aufgrund des LC-Displays kaum noch auf. Die Schwarzwerte sind bei beiden VR-Brillen aber eher mäßig.

Mit dem aktuellen Quest-Update 23 unterstützt die Quest 2 ebenso wie Rift S volle 90 Hz Bildwiederholrate. Die höhere Bildwiederholrate lässt die VR-Welt flüssiger und etwas glaubhafter wirken. Außerdem beugt sie VR-Übelkeit vor.

Das Sichtfeld ist bei beiden Brillen mit etwa 100 Grad in etwa gleich weit, auch die Linsen sind dieselben. Nicht ganz identisch hingegen ist das Trackingsystem: Zwar läuft auf beiden Brillen dieselbe Tracking-Software Oculus Insight, aber die Trackingkameras sind anders angeordnet.

Oculus_Quest_2_Facebook_Trailer

Bei Oculus Quest 2 sitzen die Trackingkameras in den Ecken. | Bild: Facebook

Oculus Rift S kostet 400 US-Dollar und ersetzt die klassische Oculus-Rift-Brille. Erscheinen wird die neue VR-Brille im Frühling.

Bei Rift S sitzen vier Trackingkameras an der Vorderseite nach vorne und seitlich nach unten gerichtet. | BILD: Oculus

Oculus Rift S bietet zusätzlich eine fünfte Trackingkamera auf der Oberseite der Brille. Das Trackingvolumen ist hier insgesamt also etwas größer.

... und eine auf der Oberseite des Gehäuses, die zum Beispiel die VR-Controller erfasst, wenn man sie über den Kopf hält. Bild: Oculus

Eine Trackingkamera auf der Oberseite des Gehäuses erfasst VR-Controller auch bei Bewegungen oberhalb des Kopfes. | BILD: Oculus

Keine der beiden Brillen benötigt externe Sensoren, wie es noch bei der Original-Rift der Fall war. Allerdings braucht Oculus Rift S wie erwähnt einen externen PC als Zuspieler. Oculus Quest hingegen hat sämtliche Hardware an Bord verbaut, es sei denn, Oculus Link soll genutzt werden. Weitere Spezifikationen folgen in der Tabelle weiter unten.

Auch wichtig: Nur bei Oculus Quest 2 kann der Linsenabstand eingestellt werden (Drei Stufen: 58, 63 und 68mm). Bei Oculus Rift S ist der Augenabstand fix auf 63,5 Millimeter justiert – das entspricht in etwa dem Durchschnitt bei Männern. Wer deutlich unter oder über diesem Wert liegt, könnte bei Rift S Probleme mit Unschärfe bekommen, einem weniger starken 3D-Effekt oder schnellerer Ermüdung der Augen.

Datenblätter Oculus Quest 2 und Oculus Rift

Gibt es Unterschiede bei den Controllern?

  • Die VR-Controller der Oculus Quest 2 sind ergonomischer geformt und bieten eine Ablagefläche für den Daumen. Außerdem halten die Batterien deutlich länger durch.

Im Vergleich zu den originalen Touch-Controllern sind die Rift S-Controller etwas kleiner und die Ergonomie wurde leicht angepasst. Außerdem ist der Trackingring nach außen gekehrt, damit er für das in die Brille integrierte Kamera-Tracking besser sichtbar ist.

Oculus Touch für Quest ...

Oculus Touch für Rift S. | Bild: MIXED

Quest_1_Oculus_Touch_vs_Quest_2_Oculus_Touch_Vergleich

Die Touches der Quest 2 (links) und Original-Quest (rechts) im Vergleich. | Bild: Road to VR

Zukunftsweisend: Handtracking für Oculus Quest 2 (Info-Guide) ist bereits verfügbar, wenn auch noch längst nicht in einer finalen Version. Für Oculus Rift S ist eine solche Funktion nicht geplant.

Facebookzwang für alle (neuen) VR-Brillen von Facebook

Oculus existiert seit 2020 nur noch als Marke. Facebook ist als Besitzer jetzt auch offiziell in den Vordergrund getreten. Mit der Veröffentlichung der Oculus Quest 2 am 11. Oktober 2020 trat zudem eine neue Regelung in Kraft, die besagt, dass alle neu aktivierten VR-Brillen nur mit einem aktiven Facebook-Konto betrieben werden können. Ohne Facebookkonto können neue VR-Brillen von Oculus nicht mehr betrieben werden. Vor dem 11. Oktober 2020 aktivierte VR-Brillen haben eine Schonfrist bis zum 01.01.2023. dann wird auch für sie der Facebookzwang aktuell.

Die Zwangszusammenlegung von verschiedenen Services eines Unternehmens ist in Deutschland nicht ohne weiteres erlaubt. da hier bereits ein Verfahren des Bundeskartellamts gegen Facebook läuft (Chronik: Facebook vs. Deutschland) hat sich Facebook entschieden, bis auf weiteres keine  Quest-VR-Brillen mehr in Deutschland anzubieten. Die Oculus Quest 2 kann allerdings importiert werden und funktioniert auch hierzulande einwandfrei.

In unserem Oculus Quest 2-Test gehen wir ausführlich auf diese Problematik ein. Was Facebook mit den VR-Daten planen könnte, darüber haben wir uns ebenfalls Gedanken gemacht. Wer sich gar nicht mit Facebooks Datensucht anfreunden kann, der findet in unserem VR-Brillen-Vergleich Alternativen.

Fazit: Soll ich Oculus Quest oder Oculus Rift S kaufen?

  • Oculus Quest 2 ist nicht nur technisch weit überlegen: Dank der PC-Verbindung Oculus Link bietet Oculus Quest sowohl autarke, mobile VR als auch PC-VR und vereint damit zwei Geräte in einem. Der größte Vorteil von Rift S ist damit hinfällig.

Facebook interessiert sich nicht mehr für reines PC-VR. Deshalb hat sich der Konzern entschieden, die Oculus Rift S (Test) im Laufe des Jahres 2021 vom Markt zu nehmen. Es gibt also kaum einen guten Grund, sich jetzt noch eine Rift S zuzulegen.

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Gibt es Alternativen zu Oculus Quest und Oculus Rift S?

  • Zu Oculus Quest 2 gibt es derzeit keine Alternative.

Zu Oculus Rift S hingegen gibt es durchaus Alternativen: Highend-Enthusiasten befassen sich beispielsweise mit der HP Reverb (Test) oder warten auf die kommende HP Reverb G2 (Infos) außerdem hat HTC mit den VR-Brillen der Vive Cosmos-Plattform (Info-Guide) als auch Valve mit Index (Test) PC-VR-Brillen auf den Markt, die zwar deutlich teurer sind, dafür aber teils bessere Technik aufweisen.

Einen kompletten Vergleich aller aktuellen VR-Brillen findet ihr bei uns.