So reagiert Google auf den Metaverse-Hype

So reagiert Google auf den Metaverse-Hype

Google reorganisiert sich in Reaktion auf Facebooks Metaverse-Pläne und rückt Zukunftsprojekte wie VR und AR wieder stärker in den Fokus.

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Zwei Tage vor Facebooks Umbenennung in Meta und der Vorstellung einer weit in die Zukunft greifenden Metaverse-Vision kommentierte der Google-CEO Sundar Pichai die eigene Zukunftsstrategie – und blieb dabei recht vage.

„Wir haben wir uns intensiv mit der langfristigen Entwicklung von Computertechnologie befasst“, versicherte Pichai Google-Investoren. Alphabet befasse sich mit „all den wichtigen Investitionen, die gemacht werden müssen“, so Pichai. Den Begriff Metaverse vermied er.

Google Labs: Neue Abteilung soll Innovation schaffen

Nun hat die Nachricht von Facebooks Neuausrichtung auch Google erreicht. Techcrunch berichtet, dass sich der Konzern reorganisiert und unter dem provisorischen Namen „Google Labs“ eine neue Abteilung ins Leben gerufen hat, die innovative Projekte und langfristige technologische Wetten unter einem Dach vereint. Google hat die Umstrukturierung gegenüber Techcrunch bestätigt.

Der Name Google Labs geht auf ein Innovationslabor zurück, das von 2002 bis 2011 existierte. Aus ihm gingen zahlreiche Google-Produkte hervor, darunter Google Maps, Google Docs und die personalisierte Internetsuche.

Googles Holo-Videochat

Das im Mai vorgestellte Projekt Starline soll fotorealistische Telepräsenz ermöglichen, aber ist technisch sehr aufwendig. | Bild: Google

Die neuen Google Labs dürften eine andere Struktur erhalten, da sie an geheimen, langfristigen Projekten arbeiten. Die Abteilung wird Googles VR- und AR-Projekte, die immersive Telefonkabine Starline (Test) und den In-House-Inkubator Area 120 beinhalten.

Leiten wird die Abteilung der Google-Veteran und langjährige VR- und AR-Chef Clay Bavor, der direkt an Sundar Pichai berichten wird.

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Google investiert in die Zukunft

Die Reorganisation könnte eine Reaktion auf Metas Zukunftsstrategie sein, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren astronomische Investitionen in VR- und AR-Technologie vorsieht. Diese zwingt Google, ebenfalls in die weiter entfernte Zukunft zu blicken.

In einer Mitteilung an die Angestellten beschreibt Google die Umstrukturierung als eine, die sich „auf den Aufbau und das Wachstum neuer, zukunftsorientierter Investitionsbereiche im gesamten Unternehmen fokussiert“.

Das neue Team werde sich „auf die Extrapolation technologischer Trends konzentrieren und eine Reihe langfristiger Projekte mit hohem Potenzial aufbauen“, heißt es. Die sollen Googles wichtigste Produkte und Kerngeschäfte unterstützen.

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VR und AR: Googles schwierige Vergangenheit

Googles bisherige VR- und AR-Projekte waren nicht von Erfolg gekrönt. Mit der Datenbrille Google Glass war das Unternehmen schon früh ein Innovationstreiber, begrub das Produkt nach negativen Reaktionen seitens Presse und Öffentlichkeit jedoch schnell, um es Jahre später wieder an Unternehmen zu vermarkten.

Offenbar läuft der Verkaufsstart der Smartphone-Datenbrille

Die North Focals war eine schlanke und vielversprechende Datenbrille. Ob Google das Projekt in einer anderen Form fortführt, ist nicht bekannt. | Bild: North

Mit Project Tango wollte Google eine fortschrittliche AR-Plattform für Android-Smartphones etablieren, die an fehlenden Anwendungsszenarien und dem Widerwillen von Smartphone-Herstellern scheiterte, neue Sensoren in ihre Geräte zu verbauen.

Mit der Pappbrille Google Cardboard schadete Google der VR-Industrie wohl mehr als es ihr half und nach dem Flop der Google Daydream und Lenovo Mirage Solo (Test) verabschiedete sich der Konzern weitgehend aus dem VR-Markt.

Google muss agieren statt reagieren

Mit ARCore entwickelte Google die führende AR-Schnittstelle für Android-Geräte, um die es in letzter Zeit wieder etwas stiller wurde. Ihr volles Potenzial dürfte sie erst mit einer AR-Brille Marke Google entfalten, aber die ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht in Sicht. Im Sommer 2020 kaufte Google den vielversprechenden Datenbrillenhersteller North und stampfte dessen Produkt ein. Ob die Innovationen in eine Google-Brille fließen werden, ist nicht bekannt.

Googles VR- und AR-Strategie hat drei Merkmale: Sie ist durch und durch reaktiv statt proaktiv, sie schließt tiefgreifende Investitionen in die Technologien aus und sie ist kurzsichtig. Projekte werden so schnell begraben, wie sie aus der Taufe gehoben werden.

Auf das Aufkommen von Virtual Reality reagierte der Konzern mit Smartphone-Halterungen aus Pappe. Mit der AR-Schnittstelle ARKit überrumpelte Apple Google, worauf der Konzern die VR-Projekte kurzerhand aufgab und auf Augmented Reality umschwenkte. Und nun reagiert Google ein weiteres Mal auf äußere Einflüsse: Metas groß angelegte Investition in Zukunftstechnologien.

Google hat berechtigte Gründe, nicht an VR und AR zu glauben. Das dürfte sich erst ändern, wenn andere Unternehmen wie Meta oder Apple das Potenzial der Technologien offenlegen.

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Quelle: Techcrunch