Apple spielte bei Googles Fokuswechsel von VR zu AR offenbar eine entscheidende Rolle.

Die Veröffentlichung von Apples ARKit im Sommer 2017 soll Googles XR-Pläne durcheinandergebracht haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Google zwar schon das Smartphone-AR-Projekt Tango am Start, war aber mit der VR-Plattform Daydream stärker in Richtung Virtual Reality unterwegs.

Googles XR-Chef Clay Bavor soll Anfang 2017 gerüchteweise erstmals von Apples AR-Plänen erfahren haben, berichtet die Webseite The Information unter Berufung auf ehemalige Angestellte in Googles XR-Team.

Bei einem internen Meeting wurde Bavor von seinem Team zu Googles Antwort auf Apples ARKit befragt: Bavor soll entgegnet haben, dass VR weiter oberste Priorität habe und Googles Strategie nicht durch Apple beeinflusst werde. Damals soll Google auch an einer Highend-VR-Brille mit dem Codenamen “Dawn” gearbeitet haben.

Wechsel zu AR: Druck von oben

Als dann im Sommer 2017 ARKit auf den Markt kam, soll Bavor Druck von seinen Vorgesetzten bekommen haben. Hersteller von Android-Smartphones, insbesondere Samsung, sollen AR-Funktionen nachgefragt haben, um mit dem iPhone gleichzuziehen.

Die Folge: Bavor ließ Googles XR-Team zu Googles AR-Software ARCore sprinten, die schon Ende August 2017 in einer Preview-Version auf den Markt kam. Mehr als 100 Menschen sollen in kürzester Zeit an ARCore gearbeitet haben. Dank des Tango-Projekts, das im Dezember 2017 eingestellt wurde, hatte Google bereits die notwendige Software-Grundlage für eine schnelle Antwort.

Dennoch sollen der schnelle Richtungswechsel und die Aufgabe von VR-Projekten Teile des Teams demoralisiert haben. Bavors Vision wurde von Angestellten kritisch hinterfragt, insbesondere seine Entscheidung, nicht früher auf Apples AR-Strategie zu reagieren.

Fachkräfte sollen nach dem ARCore-Manöver in andere Teams bei Google gewechselt sein oder das Unternehmen verlassen haben. Chef-Entwickler Ryan Cairns und der leitende Produktmanager Rahul Prasad sollen jetzt bei Facebook an AR-Projekten arbeiten.

Google AR-Brille: 2019 war noch nichts bekannt

Die Quellen von The Information berichten weiter, dass Google bis Mitte 2019 nicht an einer Highend-AR-Brille gearbeitet haben soll – zumindest nicht im XR-Team. Dass Google nicht auf dem gleichen Niveau wie gerüchteweise Apple und Facebook in eine AR-Brille investiert, soll mit den negativen Erfahrungen bei Google Glass zusammenhängen.

Allerdings: Google hat Glass gerade erst aus der Isolationshaft befreit und verkauft die Datenbrille frei für jedermann mit Fokus auf Entwickler. Und der Konzern ist mit mehr als einer halben Milliarde US-Dollar in den AR-Brillenhersteller Magic Leap investiert.

Außerdem wird das Glass-Projekt seit einigen Monaten von Googles XR-Abteilung betreut statt wie bisher vom Moonshot-Team X. Eine neue Glass-Version soll angeblich in diesem Jahr erscheinen. Frei von Plänen zu einer AR-Hardware ist Google daher sicher nicht.

Derzeit soll der Fokus in Bavors Team auf Künstlicher Intelligenz liegen: Von rund 600 Angestellten sollen 500 an Googles Objekterkennungs-App Lens arbeiten. Laut Google kann Lens über eine Milliarde Objekte identifizieren und beispielsweise fremdsprachige Schilder oder Menüs visuell direkt am Objekt übersetzen.

Lens ist für Googles AR-Zukunft eine wichtige Grundlagentechnologie: Google bezeichnet die App auch als “die Augen des Assistant”, dem Google KI-Ratgeber im Smartphone. Bei einer AR-Brille könnte Lens die Orientierung im realen Raum übernehmen.

Googles aktuellstes und bislang wichtigstes AR-Manöver ist die Integration von 3D-Objekten direkt in die Google Suche. Weshalb die Suche-Integration so signifikant ist, diskutieren wir im MIXEDCAST #143.

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