Googles Holo-Videochat „Starline“ im Test – besser als VR?

Googles Holo-Videochat „Starline“ im Test – besser als VR?

Project Starline ist laut Googles VR- und AR-Chef Clay Bavor auch ein Resultat der Erkenntnis, dass es „schön ist, sich einfach als man selbst hinsetzen zu können und nichts aufzuziehen.“

Auf der Entwicklerkonferenz I/O 2021 präsentierte Bavor Project Starline: Eine Telefonkabine der Zukunft, mit der Menschen in Echtzeit in 3D eingescannt und per Video-Stream übers Internet übertragen werden können. Zwei Starline-Videotelefonierende sollen sich dabei wie durch ein Fenster lebensecht und in 3D ansehen können. Mehr Details zu Project Starline stehen hier.

Die Wired-Redakteurin Lauren Goode durfte den Prototyp von Googles Zukunftstelefon testen – und ist beeindruckt davon, wie realistisch der Starline-Produktmanager Andrew Nartker mit einem Apfel in der Hand auf dem 65 Zoll (1,65 m) großen Lichtfeld-Display vor ihr erscheint.

„Das Bild von Nartker ist verblüffend: Er ist lebensgroß und sitzt direkt vor mir, mit Volumen, Tiefe und Schatten. Und der Apfel. Nartker und der Apfel scheinen in einem durchsichtigen Kasten gefangen zu sein“, schreibt Goode. Die Bildqualität sei „bemerkenswert“.

Leicht zu brechende 3D-Illusion

Google soll die in 3D gerenderten Video-Avatare per Software korrekt digital ausleuchten und dank einer neuen Kompressionstechnologie per WebRTC im Standard Office-Netz mit „geringer Latenz“ übertragen können. Das Resultat beschreibt die Journalistin als „hyperrealistische Darstellungen“ von Menschen bei Videotelefonaten.

Allerdings fallen der Journalistin auch Fehler auf: Man müsse sich nur wenige Zentimeter zur Seite bewegen, damit die 3D-Illusion verloren gehe und man nur mehr ein herkömmliches 2D-Bild sehe. Ab und an begegneten ihr kurze Bildartefakte.

3D-Videokabine vs. VR-Gesichtscomputer

Laut Googles Bavor ist Starline seit rund fünf Jahren in Entwicklung. Er verwendet die Videokabine laut eigenen Angaben häufiger für Tests und schwört darauf, dass ihm die 3D-Videotelefonate besser im Gedächtnis bleiben, da sie ihm ein Gefühl der Begegnung vermittelten.

„Das Verrückte ist, dass ich am nächsten Morgen aufwache und die Erinnerung habe: ‚Oh, ich habe Steve gestern gesehen.‘ Nicht etwa: ‚Ich hatte gestern einen Videoanruf mit Steve.‘ Und das verändert, wie wir Erinnerungen speichern“, sagt Bavor.

Googles XR-Manager reflektiert die Entstehung von Starline: „Was mich schon immer an virtueller und erweiterter Realität begeistert hat, ist die Idee, dass diese Technologien einen an andere Orte bringen und einem das Gefühl geben können, irgendwo anders anwesend zu sein“. Allerdings sehe er keinen Weg, andere Menschen vor Ort gut in diese Erfahrung einzubinden.

VR ist für Bavor noch immer eine mächtige Telepräsenz-Technologie und er hält ein Zusammenspiel zwischen VR, AR und Starline für möglich. Eine wesentliche Erkenntnis der bisherigen VR- und AR-Versuche sei es allerdings, „dass es schön ist, sich einfach als man selbst hinsetzen zu können und nichts aufzuziehen.“

Details zur Starline-Technologie erfährt Goode nicht, nur dass mehr als ein Dutzend Kameras und Tiefensensoren ihr Bild einfangen und in 3D übersetzen. Allein die schiere Anzahl Kameras zeigt, dass Starline noch weit vom Wohnzimmergebrauch entfernt ist.

Google will Starline weiter testen, verkleinern und zuerst an Unternehmen verkaufen. Teile der Technologie – wie beispielsweise das digitale Lichtrendering oder die Raumklang-Engine – könnten auch für Standard-Videokonferenzen nützlich sein.

Quelle: WIRED

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