Meta: US-Kartellbehörde nimmt VR-Strategie ins Visier

Meta: US-Kartellbehörde nimmt VR-Strategie ins Visier

Das Metaverse wird nicht von einem Unternehmen allein geschaffen, sagt Meta-Chef Mark Zuckerberg. Die US-Kartellbehörde FTC will sicherstellen, dass er sich daran hält.

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Mit den Übernahmen von Instagram und WhatsApp schuf sich Meta-Chef Mark Zuckerberg eine Vormachtstellung bei sozialen Medien, die von Kritikern auch als Monopolstellung bei Online-Netzwerken gesehen wird.

Zu diesen Kritikern gehört die US-Kartellbehörde FTC (Federal Trade Commission). Sie will Instagram und WhatsApp aus dem Meta-Konzern wieder herauslösen. Eine nachgebesserte Klage der FTC gegen Meta dazu wurde kürzlich vor einem US-Bundesgericht angenommen. Der jetzt anlaufende Rechtsstreit dürfte allerdings Jahre in Anspruch nehmen und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich der Markt bis zu einem Ergebnis deutlich gewandelt hat.

Klüger wäre es gewesen, die entsprechenden Behörden hätten die Übernahmen verhindert – die Möglichkeit dazu hatten sie. Denn verhindern ist einfacher, als rückgängig machen. Doch damals fehlte den Behörden offensichtlich die Fantasie für Wachstum und Umsätze des Social-Konglomerats.

Metas Metaverse-Pläne: FTC passt früher auf

Offenbar hat sich die FTC diese Erkenntnis zu Herzen genommen und schaut bei Metas Metaverse-Expansion genauer hin. Wohlgemerkt geht es dabei kaum um die Übernahme des kleinen Start-ups Oculus anno 2014, durch die sich Meta rückblickend betrachtet zwar einen Vorteil verschaffte, dieser aber nicht so groß ausfiel, wie womöglich zuerst angenommen. Dafür spricht, dass kaum noch ehemalige Oculus-Führungskräfte bei Meta sind und der Konzern die Ausrichtung des Start-ups von Highend-Nischen-VR für Hardcore-Gamer zu autarker Massenmarkt-VR transformierte.

Viel mehr steht bei der FTC-Prüfung Metas aggressive Wachstums- und Vermarktungspolitik bei Hard- und Software der letzten rund drei Jahre im Fokus. Allein in den letzten zwei Jahren kaufte Meta sechs führende VR-Entwicklungsstudios auf, darunter das Studio hinter dem Über-VR-Hit Beat Saber. Bei der Übernahme der zweitgrößten Fitness-VR-App Supernatural für rund 400 Millionen US-Dollar soll der Kaufprozess derzeit von der FTC blockiert werden.

Meta schafft sich auch bei XR-Hardware exklusive Vorteile durch strategische Übernahmen: Es kaufte Exklusivrechte an den Displays des britischen Herstellers Plessey und im Dezember ImagineOptix, das Speziallinsen für Tech-Brillen entwickelt. Diese Technologie ist für Mitbewerber nicht mehr zugänglich oder nur mit Metas Segen. Meta soll außerdem Fachkräfte von Apple und von Microsoft mit teils doppelt so hohen Löhnen locken.

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FTC spricht mit VR-Studios

Natürlich ist es für eine Behörde schwierig zu beurteilen, welcher dieser Zukäufe letztlich ein kleiner, legitimer Baustein ist – und welcher den Weg zu einer marktbeherrschenden Stellung ebnet. Nicht einmal Meta dürfte das wissen. Bei der einstigen Übernahme von Instagram ging der Social-Konzern wohl kaum davon aus, dass die damals noch kleine Foto-Plattform Facebook selbst den Rang ablaufen könnte.

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In diesem Kontext sind die derzeit laufenden Untersuchungen der FTC zu Metas VR-Strategie zu bewerten. Wie Bloomberg berichtet, hört sich die Behörde derzeit in der Branche um und spricht mit Studios und Unternehmen, die sich durch  Metas Geschäftspraktiken benachteiligt fühlen. Mit welchen Unternehmen die FTC konkret spricht, ist nicht bekannt.

Einige VR-Studios übten bereits 2020 offen Kritik an Meta, das nach einem gescheiterten Übernahmeangebot Software kopiert oder blockiert haben soll, etwa bei der Fitness-Tracking-App von Yur oder dem WLAN-Streaming von Virtual Desktop.

Meta Quest 2: Preisgestaltung soll Konkurrenz verhindern

Auch Metas aggressive Preispolitik bei Quest 2, die nur durch starke Querfinanzierung aus anderen Geschäftsbereichen möglich ist, will die FTC gemeinsam mit Behörden der Bundesstaaten New York, Tennessee und North Carolina untersuchen. Die Behörden äußern sich derzeit nicht offiziell zu den Untersuchungen.

Im Kontext der Quest-Preisgestaltung steht der Vorwurf im Raum, dass Meta mögliche Konkurrenz bei Virtual Reality durch Unternehmen wie etwa HTC im Keim erstickt. Analysten-Schätzungen zufolge waren rund 75 Prozent der 2021 verkauften VR-Brillen von Meta, eine Steigerung von 34 Prozent  im Vergleich zum Vorjahr. Anekdotische Berichte aus der VR-Branche und die SteamVR-Statistiken zeigen ebenfalls, dass Meta das VR-Geschäft beinahe im Alleingang dominiert.

In Deutschland untersucht das Bundeskartellamt Metas VR-Strategie. Hier steht im Raum, dass sich Meta durch die Zusammenführung der Daten verschiedener Plattformen uneinholbare Wettbewerbsvorteile verschafft. Wegen der laufenden Verhandlungen verzichtete Meta bislang auf einen Verkauf der VR-Brille Quest 2 in Deutschland.

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Quellen: Bloomberg