Zuletzt aktualisiert am 29. September 2019: Oculus Link, Handtracking

Mit Oculus Quest veröffentlicht Facebook nach Oculus Go die zweite autarke, kabellose VR-Brille innerhalb eines Jahres. Was sind die Unterschiede zwischen Oculus Quest und Oculus Go?

Datenblätter

Oculus QuestOculus Go
Verfügbarkeit21. Mai 2019seit Mai 2018
Preis450 Euro (64 GB), 550 Euro (128 GB)ab 220 Euro (32 GB)
Auflösung1.600 x 1.440 Pixel pro Auge / 72 Hz1.280 x 1.440 Pixel pro Auge / 60 – 72 Hz
DisplayOLED (Pentile)LCD (volle RGB-Matrix)
ProzessorSnapdragon 835Snapdragon 821
Akkulaufzeitzwei bis drei Stundenzwei bis drei Stunden
TrackingRaumtracking auf großer Fläche (6DoF)Nur Kopfdrehungen (3DoF)
ControllerZwei vollwertige VR-Controller für virtuelle Hände (6DoF)Zeigefernbedienung mit zwei Knöpfen (3DoF)
InhalteVollwertige Games (z.T. Rift-Ports) & VideosVideos & einfache Games
KabelKein Kabel oder externer Zuspieler
notwendig, optionales Oculus-Link-Kabel für PC-VR-Spiele
Kein Kabel oder externer Zuspieler notwendig
Portabilität+++
Augenabstand einstellbarJa (IPD-Regler, 58 bis 72 mm)Nein, fixer Abstand bei 63,5 mm
Gewichtcirca 570 Gramm470 Gramm
LinsenFresnelFresnel
Sichtfeld95 bis 100 Grad95 bis 100 Grad
Speicherab 64 GB interner Speicherab 32 GB interner Speicher, USB-Erweiterung angekündigt

Volle Bewegungsfreiheit und virtuelle Hände vs. nur Kopfbewegungen

Der größte Vorteil der Quest-Brille im Vergleich zu Oculus Go ist das erweiterte Trackingsystem. Mit Oculus Go kann man nur den Kopf rotieren. Mit der Quest-Brille kann man – abhängig vom Bewegungsfreiraum in der Realität – richtig herumlaufen in der VR-Welt.

Das VR-Erlebnis ist in puncto Bewegung ähnlich wie mit Oculus Rift, nur besser, da kabellos. Externe Sensoren werden nicht benötigt, in der Quest-Brille stecken vier Trackingkameras. Mit denen kann man sogar aus der VR-Brille nach draußen schauen, wenn man den vorgesehenen Spielbereich verlässt. Das schützt vor VR-Unfällen.

Video: Virtual Reality Oasis, Reddit

Zusätzlich wird Oculus Quest mit zwei VR-Controllern ausgeliefert, die in der Virtual Reality zu virtuellen Händen werden. Sie heißen wie bei der Rift-Brille ebenfalls Oculus Touch und sind beinahe baugleich. Ab Frühjahr 2020 wird Oculus Quest zusätzlich experimentelles Handtracking unterstützen.

Oculus Go kommt im Vergleich nur mit einer einfachen Fernbedienung, die wie ein virtueller Laserpointer funktioniert.

Die einfache Go-Fernbedienung …

Oculus_Quest_Controllers

… kommt nicht an die VR-Hände der Quest-Brille ran. Bilder: Oculus

Zusammengefasst: Oculus Quest bietet vollwertige VR-Erlebnisse mit Raumbewegung und Händen. Die Go-Brille bietet nur einen kleinen Teil der VR-Erfahrung, nämlich den 360-Grad-Rundumblick.

Hardware: Display, Prozessor, Akkulaufzeit und Sound

Die Hardware in Oculus Quest ist Oculus Go deutlich überlegen. Die Quest-Brille bietet zwei OLED-Displays mit 1.600 mal 1.440 Pixeln pro Auge bei einer Bildwiederholrate von 72 Hz.

In Oculus Go steckt ein VR-optimiertes LC-Display mit 1.280 mal 1.440 Pixeln pro Auge und einer Bildwiederholrate von bis zu 72 Hz. Die meisten VR-Apps laufen mit 60 Hz. Empfindliche VR-Nutzer nehmen das 60-Hz-Bild als flackernd wahr. Beide VR-Brillen verwenden dieselben Linsen mit einem Sichtfeld von circa 100 Grad.

Der Innenaufbau der Brille ist beinahe identisch zu Oculus Go, die Linsen sind dieselben. Bild: Bastian

Der Innenaufbau der Quest-Brille ist im Grunde identisch zu Oculus Go, die Linsen sind dieselben. Bild: MIXED

Die Linsen von Oculus Go haben einen leichten Fresnel-Schliff. Bild: VRODO

Die Linsen der beiden Brillen – im Bild Go – haben einen leichten Fresnel-Schliff. Bild: MIXED

Oculus Quest läuft mit Qualcomms Snapdragon-Prozessor 835. Er ist knapp 30 Prozent schneller als der Snapdragon 821 Prozessor in Oculus Go und soll rund 40 Prozent weniger Energie verbrauchen. Die Grafikeinheit verbessert sich leicht von Adreno 530 auf 540.

Bessere Grafik sollte man mit Oculus Quest wohl dennoch nicht erwarten: Die Mehrleistung im Vergleich zu Oculus Go dürfte Quest in erster Linie für die etwas höhere Auflösung, die höhere Bildwiederholrate und das erweiterte Tracking für Kopf und Hände verbrauchen.

Der Akku in Oculus Go hält je nach Anwendung rund zwei bis drei Stunden durch, Oculus Quest schafft in etwa dieselbe Zeit. Beide VR-Brille benötigen knapp zwei Stunden, bis sie wieder aufgeladen sind.

Oculus Go und Quest haben im Kopfband eingelassene Lautsprecher mit Raumklangeffekt. Beide VR-Brillen unterstützen zusätzlich eigene Kopfhörer via Klinke. Oculus Quest bietet sogar zwei Klinkeneingänge, links und rechts – für was genau, ist noch nicht bekannt.

Software: Taschenkino vs. VR-Konsole

Oculus Go eignet sich in erster Linie für Videos – in 2D auf der großen Leinwand oder in 360-Grad. Zwar gibt es auch Spiele für Oculus Go, die sind aber aufgrund der Simpel-Interaktion mit dem Zwei-Knopf-Zeigecontroller wenig interessant.

Das spiegelt sich laut Oculus-Technikchef John Carmack in den Nutzungszeiten wider: 80 Prozent der Go-Nutzer schauen Videos, nur 20 Prozent zocken. Bei Oculus Quest soll sich dieses Verhältnis umkehren. Die besten Oculus-Go-Apps erscheinen außerdem auch für Oculus Quest.

Die neuere Quest-Brille platziert Facebook daher wie eine VR-Konsole am Markt, ähnlich Nintendos Switch oder Wii. Gamer dürfen sich im Vergleich zu Go auf ausgereiftere Spielesoftware freuen, da die Quest-Konsole technisch näher dran ist an Oculus Rift.

Hochwertige Rift-Spiele wie Superhot VR (Test), Beat Saber (Test), Space Pirate Trainer, Moss (Test PSVR), The Climb oder Robo Recall (Vorabtest) finden ihren Weg auf die Quest-Brille. Visuell sind sie deutlich abgespeckt, dafür rendert der Mobilprozessor nicht schnell genug.

Dennoch kann Quest den Kern der VR-Magie – die Bewegung im virtuellen Raum – trotz schlechterer Grafik weitgehend erhalten. Ab November 2019 kann man Oculus Quest außerdem via USB-C-Kabel an den PC anschließen und hat so Zugriff auf die gesamte Rift-Bibliothek in PC-Qualität. Spätestens jetzt sollte klar sein: Quest ist zwar teurer als Go, ist aber das viel rundere und umfangreichere Gesamtpaket.

Wie Nintendos Wii eignet sich Quest für unterwegs eher für hochwertige Zwischendurch-Spiele mit Bewegung. Ausladende VR-Welten mit Hochglanz-Optik bleiben den PC-Brillen vorbehalten, aber die laufen ja auch, wenn Kabel und PC in Reichweite sind. Mehr dazu steht in unserem Oculus-Quest-Test.

Fazit: Oculus Quest oder Oculus Go kaufen?

Wer jetzt sofort eine eher günstige VR-Brille für unterwegs braucht und sie primär für Videos verwenden will, bekommt mit Oculus Go ein gutes Gerät: Das Bild ist für VR-Verhältnisse scharf und der Oculus-Marktplatz ist gut mit Inhalten befüllt. Einige unterhaltsame Spielchen für Zwischendurch-VR gibt es auch. Aufgrund des LC-Displays ist der Kontrast etwas flau. Dafür ist Go etwas leichter und bequemer als Quest.

Wer sich hingegen für das volle VR-Erlebnis und Games interessiert, sollte das Geld lieber in Oculus Quest investierten.

Denn für rund 200 Euro Aufpreis bekommt man deutlich mehr Technik geboten. Allein die Bewegungsfreiheit und die virtuellen Hände machen einen großen Unterschied fürs VR-Erlebnis.

Bei Videos überbietet Quest dank der höher aufgelösten OLED-Screens das Go-Bild mit mehr Details, Kontrast und kräftigeren Farben. Auch Oculus-Gründer und Rift-Erfinder Palmer Luckey spricht Oculus Quest das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis zu.

Einzig bei der Portabilität ist Oculus Go leicht im Vorteil: Das Gummizug-Kopfband kann im Vergleich zum versteiften Plastik-Kopfband der Quest-Brille besser gefaltet werden. Oculus bietet daher für Quest eine eigene Tragetasche an, der Preis liegt bei 40 US-Dollar.

Für Quest gibt's eine Tragetasche. Das Kopfband lässt sich leider nicht zusammenfalten, das stört die Portabilität ein wenig. Bild: Oculus

Für Quest gibt’s eine Tragetasche. Das Kopfband lässt sich leider nicht zusammenfalten, das stört die Portabilität ein wenig. Bild: Oculus

Offen ist, ob und wann Oculus den Preis für Go senkt. Das könnte das Preis-Leistungs-Verhältnis für 360-Video-Gucker – und nur für die – wieder zugunsten von Oculus Go verschieben.

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