Wie einst Mario 64 triumphiert Superhot VR durch neue Technologie in einem bekannten Genre. Doch es gibt einen Haken.

Mit offenem Mund klebte ich als kleiner Knirps an der Demostation im Kaufhaus: Super Mario in 3D! Wie kann das sein? Wie kann das gehen? Magie! Nintendo zeigte damals nicht nur dem Rest der Spielewelt, wie 3D funktioniert. Der Spielegigant bewies auch, dass 3D Spiele besser machen kann.

Selbiges leistet Superhot für die VR-Brille: Wie kein anderes VR-Spiel versteht es der Ausnahmetitel, Bewegung in den Spielfluss zu integrieren. Nur wenn man sich selbst bewegt, bewegt sich die Welt um einen herum. Mit dem eigenen Körper steuert der Spieler so die Zeit, die Gegner, die Action.

Wer dieses Ballerballett im Matrix-Stil erfolgreich tanzen will, muss also seinen Körper unter Kontrolle haben. Wenn es eng wird und einem die Kugeln von allen Seiten um die Ohren zischen, zählt jeder Zentimeter: Nur wer in größter Hektik Ruhe bewahrt, kann Superhot überleben.

Superhot VR: Nur echt mit Körpersteuerung

Allein dass dieser grundlegende Widerspruch zwischen Aktion und Ruhe so genialisch in einem Spielkonzept zusammengeführt ist, macht Superhot faszinierend. Doch erst durch die Körpersteuerung mit einem VR-System entfaltet das Konzept sein volles Potenzial.

In der kabellosen Oculus-Quest-Version erfährt es seinen Höhepunkt: Nie fühlte es sich besser an, wie Neo in Matrix in Zeitlupe unter einem Kugelhagel durchzurutschen, seinem Gegner die Knarre aus der Hand zu reißen, sich auf den Rücken zu drehen, einmal herumzurollen und den verbliebenen Angreifern auf den Millimeter genau Kugeln in den Laufweg zu feuern.

Superhot VR ist die Definition von Badass kombiniert mit der Ästhetik eines Ballets und dem Körperbewusstsein einer Meditation. Ist das noch ein Videospiel – oder schon Kunst? Von außen betrachtet jedenfalls würde sich der VR-Spieler gut in einer Ausstellung machen. Oder auf der Bühne.

Ach so, der Haken: Während Mario 64 wegweisend war für Generationen folgender Videospiele und als brillantes Vorbild die ganze Branche unterrichtete, bleibt Superhot VR wohl einzigartig. Jeder Versuch, das Spielprinzip zu kopieren und neu anzumischen, dürfte zwangsläufig in einer Imitiation enden. Das ist das einzige Negativgefühl, das Superhot VR in mir auszulösen vermag: dass kein anderes VR-Spiel mehr Superhot sein kann.

Fazit:

Wer Oculus Quest kauft und Superhot VR nicht, der hat VR nicht verstanden.

Anmerkungen zur Quest-Version:

Die Oculus-Quest-Version von Superhot VR bietet denselben Umfang wie die Varianten für PC und Konsole. Der einprägsame visuelle Stil konnte trotz technischer Abstriche vollständig auf die mobile VR-Brille übertragen werden. Das Spiel läuft flüssig und fehlerfrei.

Der hohe Aufwand für die Portierung hat sich gelohnt: Dank der kabellosen Bewegungsfreiheit ist Superhot VR für Oculus Quest die ultimative Version des Spiels. Ein bisschen leichter kam es mir vor dank der durch die Kabelfreiheit hinzugewonnenen Agilität. Viel häufiger rollte ich am Boden herum und nutzte selbst kleinste Lücken in der Deckung zum Nachteil meiner Gegner.

Über das circa zwei bis drei Stunden kurze Kernspiel hinaus sorgen diverse Highscore- und Endlos-Modi für Langzeitmotivation. Ein Gastmodus startet den Einführungslevel erneut und macht es so leicht, das Spiel Freunden und Verwandten vorzustellen.

Neu ist, dass man zwischen einzelnen Szenen keinen Halt mehr machen und sich im Raum ausrichten muss. Dank des in die Quest-Brille integrierten 360-Grad-Trackings folgt Gegnerwelle auf Gegnerwelle (siehe Video unten). Das verstärkt das Flow-Erlebnis zusätzlich.

Letzte Aktualisierung am 15.10.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

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