Minecraft Earth: Weshalb das AR-Spiel scheitern musste

Minecraft Earth: Weshalb das AR-Spiel scheitern musste

Minecraft ist die erfolgreichste Spielemarke aller Zeiten. Weshalb ist die AR-Version gefloppt?

Die Minecraft-Spielerschaft hätte aus der realen eine Minecraft-Welt machen sollen. So weit kommt es nicht mehr: Microsoft gibt das AR-Spiel nach weniger als zwei Jahren auf.

Am 30. Juni 2021 fahren die Server herunter, einen Tag später werden alle Spielerdaten gelöscht. Wer Geld ausgegeben hat, erhält eine Gratiskopie des klassischen Minecraft. Ein letztes Update hat alle Miktrotransaktionen entfernt und beschleunigt den Spielfortschritt, sodass Fans noch vor der Einstellung des Spiels alle Funktionen ausprobieren können.

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Im Minecraft-Blog nennt Microsoft die Pandemie als Grund für den Entwicklungsstopp: „Minecraft Earth wurde um volle Bewegungsfreiheit und kollaboratives Zusammenspiel herum designt – zwei Dinge, die während der aktuellen globalen Situation nahezu unmöglich sind.“ Die frei werdenden Ressourcen sollen in andere Bereiche fließen, die von größerem Wert sind für die Minecraft-Spielergemeinschaft.

Minecraft Earth floppte schon vor der Pandemie

Minecraft Earth wurde im Mai 2019 angekündigt und startete im November des gleichen Jahres in vielen westlichen Ländern, darunter den USA und Europa in eine Early-Access-Phase.

Der Start verlief verhalten: Nach Hochrechnungen der App-Store-Analysten von Sensortower erreichte das AR-Spiel kurz nach Launch weltweit 2,5 Millionen Downloads, circa 1,2 Millionen Downloads entfielen auf die USA. Zum Vergleich: Pokémon Go verzeichnete in der ersten Woche nach Erscheinen fast 33 Millionen Downloads in den USA, Harry Potter: Wizards Unite immerhin noch 3,1 Millionen. In den kommenden Monaten hörte man nichts mehr vom Spiel. Wäre es ein Erfolg gewesen, hätte es sicher für Schlagzeilen gesorgt.

Microsoft hätte das Spiel wohl nicht so schnell aufgegeben, wenn es vor der Pandemie viele Spieler begeistert hätte oder wenn sich der Konzern Hoffnungen gemacht hätte, nach der Pandemie mehr Menschen zu erreichen. Der große Konkurrent Pokémon Go wurde ebenfalls für das Spiel im Freien entwickelt und wurde für die Quarantäne so angepasst, dass es von zu Hause aus gespielt werden konnte. Mit großem Erfolg: Die Pandemie schadete dem Spiel nicht, sondern machte es noch erfolgreicher als bisher.

Smartphone-AR ist nicht gut genug

Woran also ist die AR-Version der immens beliebten Spielemarke gescheitert? Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist das Spielkonzept selbst schwer verständlich und nicht sehr motivierend.

Minecraft Earth sollte eine Real-Life-Version des Klötzchenspiels werden. Spieler wandern in die echte Welt hinaus, um Materialien zu sammeln, mit denen sie anschließend ebenfalls in der realen Welt Gebäude bauen. Wie diese Verschmelzung von physischer und digitaler Welt vonstatten gehen soll, wird nicht unmittelbar klar.

Zum anderen stellt die Technik dieser Idee ein Bein: Eine über die physische Welt gelegte Minecraft-Welt durch ein Smartphone-Display zu sehen, ist nicht besonders reizvoll. Dafür bräuchte es fortschrittliche, bequeme und erschwingliche AR-Brillen. Und die gibt es (noch) nicht.

Ein weiterer Vorteil von Pokémon Go gegenüber Minecraft Earth ist, dass man visuelle AR-Elemente abschalten kann, ohne dass das Spiel viel einbüßt. Minecraft Earth hingegen verlässt sich stärker auf den visuellen Aspekt der Augmented Reality, weshalb auch das Spielerlebnis eher unter der mangelhaften Technik leidet.

Die 5G-Techbrillen kommen

Für dieses Jahr werden die ersten AR-Brillen erwartet, die obige Anforderungen im Ansatz erfüllen: Relativ günstige und 5G-taugliche AR-Brillen im Sonnenbrillenformfaktor, die mit Android-Smartphones verbunden werden und ein gutes Bild liefern (siehe Vorabtest der Nreal Light). Ob sie eine Käuferschaft finden oder Nerd-Spielzeug bleiben, wird sich dieses und nächstes Jahr zeigen.

Für Microsoft hätte Minecraft Earth der Anfang von etwas Großem werden können: Mit Hilfe einer großen AR-Spielerschaft hätte der Konzern wertvolle Umgebungsdaten sammeln und in eine AR-Cloud Marke Microsoft fließen lassen können. Dank der hauseigenen Azure-Technik wäre das Unternehmen bestens für eine solche Aufgabe gerüstet. Minecraft Earth hätte das werden können, was Pokémon Go für Niantic und Street View für Google ist. Für den ersten Versuch hat es nicht gereicht, nicht mal mit der Strahlkraft einer Marke wie Minecraft.

Quelle: Minecraft Blog, Titelbild: Microsoft

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