Zero Latency im Test: VR-Arcade mit Far-Cry-Action

Zero Latency im Test: VR-Arcade mit Far-Cry-Action

Die VR-Spielhalle „Zero Latency“ verspricht blitzschnelles Streaming vom PC zur VR-Brille. In Hannover habe ich die Mehrspielertitel Far Cry VR: Drive Into Insanity und Sol Raiders ausprobiert.

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Was für eine Erleichterung, endlich kein schwerer Rucksack-PC mehr! Die frisch eröffnete VR-Arcade Zero Latency in Hannover streamt die Grafik drahtlos von VR-PCs zu den VR-Brillen auf dem Spielfeld, und zwar nach dem WiFi 6E Standard.

Die zeitgemäße Technik machte das Mehrspieler-Erlebnis fast so elegant und unkompliziert wie mit mobilen Standalone-Headsets wie der Quest 2, allerdings in aufwändigeren Shooter-Kulissen aus dem Spiele-PC. Acht Rechner mit je einer GeForce RTX 3070 am Rand leiten ihr Signal zu mehreren Access-Points (Cisco Meraki) an den Hallenwänden.

Latenzfreies VR-Spiel dank WiFi 6E?

Dazwischen laufen bis zu acht Teilnehmende mit VR-Brillen, Kopfhörern und Plastikgewehren übers Feld, um je nach Spiel Piraten oder ihre Freunde über den Haufen zu schießen. Im kooperativen Far Cry VR: Drive Into Insanity etwa kommt das Signal erfreulich sauber und latenzarm auf meiner Vive Focus 3 an, während ich die Piratenhorden mit Gun-Controllern niedermähe.

Der Name Zero Latency entspricht zwar nicht komplett der Wahrheit. Ich muss den Gewehr-Controller in meinen Händen aber schon blitzschnell bewegen, um eine minimale Verzögerung zu spüren. In der Action bekomme ich ohnehin nichts mehr davon mit, denn das Spielgefühl ist spürbar direkter als beim Wifi-6-Streaming von Quest 2 oder Pico 4.

Nur ein Mitspieler berichtete von wenigen kurzen Aussetzern. Mir fielen keine auf. Bis zu acht Teilnehmende werden im Spiel Seite an Seite in eine makabre Menschenjagd versetzt. Bösewicht Vaas Montenegro aus Far Cry 3 hetzt nur zum Spaß seine Krieger auf uns, während wir uns kooperativ über die Insel und durch schummrig beleuchtete Grotten kämpfen.

Mit der Pracht eines herkömmlichen Far-Cry-Spiels in offener Welt kann die Kulisse nicht mithalten. Trotzdem erzeugen die dichte Vegetation, explodierende Fässer und detailverliebt animierte Tiere wie Schildkröten ein stimmungsvolles Gesamtbild. Wie so oft in Virtual Reality können Trailer oder Screenshots das wahre Erlebnis nicht angemessen abbilden.

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Während wir uns Rücken an Rücken in eine Gondel drängen, überzeugt vor allem die Weitsicht über die Insel, die in dieser Form nicht auf einem Standalone-Headset möglich wäre. Hierbei könnte die Kooperation mit dem erfahrenen VR-Studio Ndreams (Fracked, Phantom: Covert Ops) geholfen haben. Lediglich am Bildrand lässt das intensive Fixed Foveated Rendering das Bild etwas zu unscharf erscheinen.

Gesellige Koop-Action im Dschungel

Die Zahl von fünf Spielenden passt gut zur Größe des Spielfelds. Es misst rund zwölf mal zwölf Meter plus Pufferzone am Rand. Bevor wir uns zu nah auf die Pelle rücken, warnt uns ein Piepsen vor Körperkontakt. Mit acht Personen kann es schon etwas gedrängter werden, berichtet Betreiber Tom Wojtera.

VR-Spielende laufen durch eine Im Saal mit 190 Quadratmetern.

Rund 190 Quadratmeter misst der Saal. Am Rande gibt es zahlreiche WiFi-Access-Points und zackige Muster, damit das Inside-out-Tracking der Vive Focus 3 seine Umgebung erkennt. | Bild: Jan Wöbbeking

Hobby-Scharfschützen sollten sich also ruhig ein paar Schritte zurückfallen lassen, um gegnerische Sniper aus der Distanz mit dem Sniper-Bogen zu erwischen. Mit dessen Laseraufsatz lässt sich zudem leichter zielen als mit dem etwas unpraktisch platzierten Sturmgewehr, das beim Anlegen schon mal mit der VR-Brille kollidiert.

Gelegentlich werden unsere zwei Gruppen getrennt, etwa in Höhlen und an alten Tempeln. Wer das Vorbild Far Cry 3 kennt, kann sich bereits denken, dass es auch mal übernatürlich wird. Das gilt vorwiegend, nachdem Vaas einen seiner wahnhaften Monologe zum Besten gibt. Mehr verrate ich aus Spoiler-Gründen nicht. Diese Szenen gehören aber zu den coolsten Momenten des Spiels.

Obwohl das an Lightgun-Shooter erinnernde Geballer einfach gestrickt ist, hat es mich gut unterhalten. Neben der Kooperation motiviert auch ein kompetitiver Aspekt. Auf der Ergebnistafel vor Ort und im Netz ist ersichtlich, wer am meisten Kills oder Kopfschüsse abgeräumt hat und am seltensten nach einem Tod aussetzen musste.

PvP-Matches in der VR-Arcade

Diese Online-Statistiken gibt es auch für den kompetitiven VR-Shooter Sol Raiders: Er lässt sich ebenfalls mit bis zu acht VR-Sportler:innen angehen. Die an Halo erinnernden planetaren Stationen bleiben grafisch schlicht, gefallen mir spielerisch aber noch besser als die Far-Cry-Experience.

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In verwinkelten Science-Fiction-Kulissen zerstören Spielende ein Ziel oder leiten einen Ball mit einem Energiestrahl ins Ziel, um zu punkten. Währenddessen nimmt das gegnerische Team sie unter Beschuss oder düst mit einer Gondel herbei.

Sogar virtuelle Rampen für Höhenunterschiede gibt es. Diese Schritte über den eigentlich geraden Boden fühlen sich reichlich seltsam an, bringen aber Abwechslung in Schusswechsel auf Distanz.

Der Zero-Latency-Standort in Luxemburg hat bereits einen Liga-Betrieb zu Sol Raiders aufgebaut (dort noch mit Rucksack-PCs). 2023 soll die europaweite Champions-League der Städtegewinner folgen.

Der Hinterhof-Standort Hannover liegt übrigens ein wenig versteckt in den verwinkelten Gassen der Lister Meile. Aufgrund von Denkmalschutz und Mietergemeinschaften rundherum darf die Arcade gar nicht zu auffällig auf sich aufmerksam machen, berichtet Wojtera.

Dein Feind, die Säule

Im Gegenzug bietet das Haus aber eine Halle mit passender Größe und vor allem ohne störende Säulen. Ein passende erschwingliche Location ohne störende Hindernisse sei in Niedersachsens Hauptstadt gar nicht so leicht zu finden gewesen, so Wojtera. Ein klarer Vorteil ist die zentrale Lage, nur 800 Meter vom Hauptbahnhof entfernt.

An der Wand hängen je acht VR-Brillen und Gun-Controller.

Das VR-Equipment wirkt mit je acht spielbereiten VR-Brillen und Waffen-Controllern deutlich entschlackt. Gelegentlich werden an den Kopfbügeln die Headset-Akkus gewechselt. | Bild: Jan Wöbbeking

Selbst bei ausgebuchten Uhrzeiten kann sich übrigens eine spontane Nachfrage in der Arcade lohnen: Manchmal füllen die Veranstalter noch Grüppchen mit weiteren Spielern und Spielerinnen auf.

Neben martialischem Zombie-Gemetzel wie Outbreak Origins oder Undead Arena befindet sich zudem weniger gewalthaltige Erlebnisse im Angebot. Das antike Gravitations-Puzzlespiel Engineerium führt in eine surreal anmutende Alien-Welt und spielt mit den Erwartungen der Teilnehmenden. 2023 ist zudem ein neues Warhammer-Spiel geplant. Mit München gibt es noch einen weiteren deutschen Standort.

Zusammengefasst hat mich der Zero-Latency-Abstecher nach Hannover deutlich stärker mitgerissen als ältere VR-Arcade-Erlebnisse wie Arizona Sunshine: Location Based Edition, das Yullbe Wunderland in Hamburg oder Huxley 2 im VirtuLoft Hannover.

Wie es sich gegen die moderne Konkurrenz von Sandbox oder Hologate schlägt, kann ich leider noch nicht beurteilen. Ich wäre aber am liebsten noch länger vor Ort geblieben, um eine weitere Runde einzulegen.

Mit 34,99 Euro pro Person sind die VR-Erlebnisse allerdings kein Schnäppchen. Im Yullbe Wunderland werden nur zwölf bis 29 Euro für einen VR-Besuch fällig. Dass es noch teurer geht, zeigt die Highend-VR-Arcade Sandbox in Alsfeld: Dort kostet eine Buchung sogar 35 bis 55 Euro pro Spieler.

Betreiber Tom Wojtera sitzt im Foyer seiner VR-Arcade am Tisch.

Betreiber Tom Wojtera eröffnete am 23. Oktober den zweiten Zero-Latency-Standort in Deutschland. | Bild: Jan Wöbbeking