Im Test zu Arizona Sunshine und dem DLC „The Damned“ stellt sich eine Frage: Überschätztes Spiel oder Must Have-VR-Hit?

Als die ersten VR-Spiele 2016 für Oculus Rift und HTC Vive auf den Markt kamen, waren sogenannte Wave-Shooter der heiße Scheiß. Es gab gefühlt massenhaft von diesen Konzepten, in denen Spieler stationär herumstanden und auf Wellen von Feinden ballerten.

Es dauerte nicht lange, da wurde dieses Konzept erheblich aufgemöbelt. Die beiden Entwicklerstudios Vertigo Games und Jaywalkers Interactive taten sich zusammen und brachten Arizona Sunshine auf den VR-Markt.

Mittlerweile sind mit „Dead Man“ und „The Damned“ zwei Story-DLCs hinzugekommen. Den letzten nehme ich zum Anlass, nochmal in Ruhe auf Arizona Sunshine zu schauen und zu fragen: Ist der Zombie-Shooter wirklich so gut, wie behauptet? Was macht den Reiz von Arizona Sunshine eigentlich aus?

Mehrere Geschichten, mehrere Wellen

Das Grundspiel schickt mich nach einer Zombiekatastrophe in den heißen Südwesten Amerikas. Niemand scheint überlebt zu haben und ich fange sogar an, mit einem Zombiekopf zu reden. Sozusagen der Wilson (Amazon-Link) der Postapokalypse.

Offenbar schien mir die Sonne ein bisschen zu sehr auf den Kopf. Höchste Zeit, mit etwas Geballer auf Gammelfleisch die verwirrte Rübe klar zu kriegen. Und das funktioniert bestens!

Arizona Sunshine The Damned Test Gewehre mit zwei Händen halten

Gewehre kann ich in Arizona Sunshine ganz realistisch mit zwei Händen führen – und das macht richtig Spaß! BILD: Vertigo Games / Jaywalkers Interactive

Später versuche ich in „Dead Man“ eine Atomrakete zu starten, damit die Zombieseuche eingedämmt wird. Wirklich eine tolle Idee. In „The Damned“ darf  ich dagegen einen zombieverseuchten Staudamm wieder in Gang bringen. Mit viel Wasser in der Wüste faulende Untote wegzuwaschen klingt nach einem klasse Plan, oder? Für Abwechslung ist jedenfalls gesorgt!

Waffen-Krachen vom Feinsten

Ob auf einer Brücke voller quergestellter Autos, auf dem Vorplatz einer verlassenen Bar, in stockdusteren Minenschächten oder schummrigen Bunkergängen: Überall wanken lärmempfindliche Zombies in unterschiedlichsten Größen und Breiten herum. Jeden davon pumpe ich mit sehr gut definierten Waffen voller Blei. Die Befriedigung, sauber über Kimme und Korn zielen zu können, ist heute noch so groß wie vor drei Jahren.

Dazu kommt der erwachsene Ton, die zynischen Kommentare des Protagonisten, mit denen er mir in der hervorragenden Soundkulisse seinen Senf zur Situation in die Ohren schmiert. Naja, irgendwie bin ich ja er und er ist ich. Und das ist so cool, wie es sich verrückt anhört. Spiele-Tipp am Rande: Für innere Monologe, die über die Soundausgabe perfekt in den Kopf des Spielers transportiert werden, empfehle ich Hellblade: Senua’s Sacrifice. In VR natürlich.

Einfache und intuitive Steuerung

Nachgeladen wird über einen Knopfdruck: Das leere Magazin wird ausgeworfen und dann führe ich schnell die Waffe an meinen Waffengurt, damit automatisch ein neues Magazin lädt. Das ist zwar eine starke Vereinfachung des realen Vorgangs, das Waffen-Handling fühlt sich aber trotzdem realistisch an und ist dabei nicht zu sehr vom Tracking oder der genauen Führung eines Magazins in die Waffe abhängig.

So entsteht ein richtiger Flow, der einfach nur Spaß macht. Das postapokalyptische Zombie-Szenario ist echt und ich bin mittendrin. Dazu gibt’s noch eine ordentliche Portion Zombie-Splatter: Ich kann den schlurfenden Fledderleichen alles abschießen oder gleich die tote Rübe wegballern.

Für Weicheier und Iron Men gleichermaßen

Munition finde ich immer wieder in Kisten oder in Autos, hinter Türen oder in Schubladen, die ich mit realistischen Controller-Bewegungen auf und zu schiebe. Je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad (Story-Mode ist für Weicheier wie mich, die normalerweise viel zu viel Schiss vor gruseligen Spielen haben!) gibt es mehr und aggressivere Zombies und natürlich mehr oder weniger Munition.

Wer also eine Herausforderung sucht, sollte den hohen Schwierigkeitsgrad wählen und möglichst viele Kopfschüsse setzen. Die anderen nutzen die Munition im Überfluss und holen sich mit Shotguns oder Sturmgewehren eine Extra-Portion Splatter-Spaß. Über den Grip-Button kann ich mit der linken Hand die Gewehre realistisch packen und dann abdrücken. Das! Macht! Laune!

Freie Bewegung oder Teleportation

Überhaupt ist die Bedienung sehr gut gelungen und läuft bei mir (auf einer guten alten HTC Vive) fast immer ohne Fehler. Wer möchte, kann auf fließende Fortbewegung setzen. Alle anderen nehmen eine sehr gute Teleportationsmechanik, die vor allem Spieler mit kleinem Roomscale-Setup oder jene, die einfach im Stehen spielen, gut unterstützt.

Arizona Sunshine The Damned Test Gewehre mit zwei Händen halten

Gewehre kann ich in Arizona Sunshine ganz realistisch mit zwei Händen führen – und das macht richtig Spaß! BILD: Vertigo Games / Jaywalkers Interactive

Viele Rätsel oder große Finesse bei den Schießereien gibt es nicht. Ich suche Schlüssel und Schlüsselkarten, betätige hier und da Hebel oder muss Generatoren anwerfen. An bestimmten Checkpunkten, etwa wenn ich mal wieder richtig Krach gemacht habe, murkse ich große Wellen Zombies ab. Wohl dem, der sich seine Handgranaten aufgespart hat oder in jeder Hand – ganz stylish! – eine MP trägt.

Simplizität schlägt Tiefgang

Das ist dann auch die eigentliche Faszination von Arizona Sunshine: gnadenlos einfaches, aber super anzusehendes Zombie-Geballer. Die Levels sehen top aus, der Sound der Waffen ist satt, das modrige Gedärm der Zombies matscht. Herrlich einfach und sehr befriedigend.

Natürlich kann ich auch meckern. Insgesamt sind Grundspiel und DLCs recht kurz. Ersteres lässt sich in drei bis vier Stunden durchspielen, letztere brauchen höchstens zwei.

In „The Damned“ nervt außerdem gleich zweimal die Suche nach dem Ausgang, der nicht ganz so offensichtlich liegt, wie ich das gern gehabt hätte. Na gut, fange ich halt am letzten Speicherpunkt nochmal an. Echter Ärger kommt nicht auf, denn aufkommenden Frust kann ich ganz klassisch an anderen auslassen. An Zombies nämlich.

Test-Fazit zu Arizona Sunshine samt DLCs Dead Man und The Damned

Coole Locations. Freche Sprüche. Dunkle Fabriken und Minen für den Horror-Touch. Atomexplosionen. Ein riesiger Staudamm mit einigen sehr „hohen Momenten“. Ausgefeiltes, simples und absolut befriedigendes Interaktionssystem. Tolle Waffen mit fetten Sounds. Massenhaft Zombieopfer zum Abknallen.

Arizona Sunshine The Damned Test Hoehenangst über Planken balancieren

Teleportation wirkt hier nicht ganz so gut wie fließende Bewegung … BILD: Vertigo Games / Jaywalkers Interactive

Ich feiere Arizona Sunshine hart und kann das Spiel einfach nur empfehlen – und sei es für den kurzen VR-Spaß zwischendurch. Dass ich im Koop spielen kann und es Horde-Modi gibt, ist da nur noch der Zuckerguss. Es sollte mehr solche Spiele geben.

Übrigens: Arizona Sunshine wird, mit allen DLCs, noch dieses Jahr für die Oculus Quest erscheinen – und mit Oculus Link laufen Rift-Apps sowieso am PC.

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Ihr solltet Arizona: Sunshine spielen, wenn

  • ihr einen sehr guten Zombie-Shooter spielen wollt,
  • ihr – für ein Action-Spiel – richtig gutes Waffen-Handling in VR erleben wollt,
  • und euch Zombie-Massaker Freudentränen in die Augen treiben.

Ihr solltet Arizona: Sunshine nicht spielen, wenn

  • ihr komplexe Mechaniken erwartet,
  • ihr mehr Tiefgang braucht, als eine Kugel in einen Zombiekopf eindringen kann,
  • und euch simples Schlüssel holen und Zombies abknallen langweilt.

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