Highend-VR-Arcade Sandbox VR in Alsfeld im Test

Highend-VR-Arcade Sandbox VR in Alsfeld im Test

Sandbox VR verspricht Ganzkörper-VR mit Freund:innen. Ich war in Alsfeld und habe die erste "Sandbox VR"-Arcade in der EU ausprobiert.

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Virtual Reality ist ein einsames Hobby, zumindest wenn man es von außen betrachtet. Während ich in der VR-Brille in einem Raum voller echter virtueller Menschen stehe, stolpere ich von außen betrachtet mit einem dunklen Kasten auf dem Kopf durchs Halbdunkel und versuche mir nicht die Zehen am Tischbein zu stoßen.

Ginge das nicht besser? Wenn ich etwa die Menschen in der Brille auch außerhalb der Brille wüsste? Wenn ich nicht jemand virtuell eine Hand auf die Schulter legen kann, und eine echte Schulter spüre? Ist VR dann besser, sozialer, anders?

Um das herauszufinden, habe ich mich mit echten Menschen nach Alsfeld in Hessen begeben und dort die erste Sandbox VR Arcade in der EU ausprobiert.

Ein kleines bisschen Holodeck

Dort angekommen werden wir freundlich empfangen und nach einem Einführungsgespräch in die umfassende Ausrüstung geschnallt: Rucksack-PC, Haptik-Feedback-Weste, Tracker für Hände und Füße, Kopfhörer und VR-Brille.

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Zur Auswahl stehen mehrere exklusive Spiele, jedes mit einer Spielzeit von etwa einer halben Stunde. Wir starten mit einem Zombie-Shooter und dürfen uns über ein Tablet eines Mitarbeiters unsere Waffen aussuchen.

Anschließend werden wir in den Spielbereich geführt, rundherum sind Trackingkameras montiert, sowie einige Ventilatoren, die in bestimmten Spielszenen für Wind sorgen.

In jeder Arena können bis zu sechs Spieler:innen gleichzeitig spielen. Die Ausrüstung ist umfangreich und wird mithilfe der Mitarbeitenden angelegt. | Bild: Maximilian Schreiner

Das Spiel startet mit einem kurzen Tutorial, in dem Spielmechaniken erklärt werden. Hier sehen wir uns das erste Mal auch digital als Avatare. Kommunizieren können wir über Mikrofone und zwei Mitarbeiter bringen uns zu unserer Waffenauswahl passende Controller.

Bevor es losgeht, lernen wir noch, wie wir gefallene Spieler:innen wiederbeleben: Hand-Auflegen an der Schulter. Nach sechs Jahren VR-Erfahrung ein verrücktes Gefühl, mit dem mein Gehirn jedoch sofort klarkommt. Hier zeigt sich die Stärke des umfassenden Trackings von Sandbox VR.

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Massig Zombies und ein MVP

Dann geht es los: Wir stehen zu viert auf einer Straße, jemand schreit und schon stürzen aus mehreren Richtungen Zombie-Wellen auf uns zu.

Der Gamer-Teil meines Gehirns will sofort mit dem Rücken an die Wand, doch virtuelle Fortbewegung ist nicht möglich - das wäre wegen möglicher VR-Übelkeit auch ein No-Go für eine VR-Arcade, die möglichst viele Menschen erreichen möchte.

Wir raufen uns also zusammen und ballern in alle Richtungen. Vielen Zombie-Angriffen weichen wir einfach aus. Vereinzelt springen Zombies auf unsere Rücken - dann hilft nur Teamarbeit. In dem Zombie-Baller-Chaos sterben wir alle mehrere Male, werden aber direkt wiederbelebt oder helfen einander wieder auf die Beine.

Eine Gruppe von Menschen mit VR-Brillen und Westen und einem Rucksack mit PC darin.

Bereit für einen Zombie-Fight in voller VR-Montur. | Bild: Maximilian Schreiner

Die körperliche Präsenz der anderen ist subtil, aber dennoch deutlich spürbar. Manchmal rempeln wir leicht gegeneinander. Doch anders, als ich es erwartet hatte, krachen wir nie zusammen - das Tracking ist sehr präzise.

Im Laufe des Spiels wechseln wir zweimal den Ort. Jedes Mal erwartet uns eine neue Herausforderung. Wer Überlebende vor den Zombies rettet, bekommt Extrapunkte.

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Nach einer halben Stunde Zombie-Baller-Action ist die Session vorbei, wir sehen unseren Score und uns selbst in einem virtuellen Spiegel. Nach einem kurzen Siegestanz holen uns die Mitarbeiter aus der virtuellen Realität.

Ich bin etwas eingerostet, doch für Platz 1 hat es noch gereicht. | Bild: Maximilian Schreiner

Nachdem wir alle Geräte abgelegt haben, werden wir zu einem großen Monitor geführt, auf dem wir eine Art Best-of unseres VR-Abenteuers sehen, inklusive Highscores.

Meine Freunde spielen noch ein Piratenspiel. In einer Szene müssen sie umeinander herumtanzen - von außen betrachtet bewundere ich, wie gut das funktioniert. In einer anderen Partie duellieren sich zwei Spieler mit Speer und Schild. Auch hier gibt es keine Zusammenstöße und das hochwertige Tracking erfasst die teils bewundernswerte Fußarbeit der Kämpfer.

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Video: Maximilian Schreiner

Sandbox VR: Erst Alsfeld, dann die ganze Rhein-Main-Region?

Währenddessen unterhalte ich mich mit Torsten Schneider, dem Mann, der Sandbox VR nach Deutschland geholt hat. Er betreibt seit einigen Jahren Escape-Rooms und die VR-Arcade Hologate in Alsfeld. Nun gibt es mit Sandbox VR direkt nebenan ein zweites VR-Angebot - das gibt es wohl so nirgendwo.

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Warum Alsfeld? Wie so oft fing alles mit der Liebe an. Inzwischen hat Torsten zwei Unternehmen in der Stadt. Das eine betreibt die Sandbox VR Arcade und die Nähe zu seinem Büro erlaubte ihm und seinen Mitarbeitenden, die Halle Stück für Stück aufzubauen.

Er erzählt mir, dass das teilweise eine echte Herausforderung war: Sandbox VR hat zwar allerlei Standards etwa für Bauteile, doch die orientieren sich am amerikanischen Markt. Aufgrund der Lage betreibt er zudem nur zwei Spielareale gleichzeitig. In größeren Städten sind es meist mindestens doppelt so viele.

Die VR-Arcade in Alsfeld ist also auch eine Art Testlauf, mit dem Torsten und sein Unternehmen wertvolle Erfahrungen gesammelt hat. Weitere Sandbox VR Standorte seien geplant, der nächste in Frankfurt am Main.

Sandbox VR: Soziale Erfahrung statt Hardcore-Gaming

Ist eine VR-Erfahrung wie Sandbox VR anders als Home-VR? Ja. Ist sie sozialer? Definitiv. Ist sie besser? Kommt darauf an.

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Ich hatte viel Spaß mit Sandbox VR. Das lag aber weniger an den Spielen. Deren Schwächen fallen erfahrenen Gamer:innen, die eigene VR-Brillen und PCs mit gemoddetem Skyrim, Pavlov-Sessions oder DCS-Cockpit gewohnt sind, schnell auf.

Die Spiele in der Arcade sind mehr eine Bühne für die gemeinsame Erfahrung: Sandbox VR fördert durch Gameplay-Elemente, Technik und Veranstaltungsablauf die soziale Komponente des Gamings.

Die Stärke der Arcade liegt in ihrem Fokus auf ein gemeinsames Erlebnis, das man mit Freund:innen teilt oder das jüngere und ältere Generationen zusammenbringen kann.

Video: Maximilian Schreiner

Dass das funktioniert, wissen vielleicht noch diejenigen, die sich an eine Zeit erinnern, als es noch kein Beat Saber, Half-Life: Alyx, Skyrim VR, Walking Dead: Saints & Sinners, VRChat oder Shooter wie Pavlov gab.

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Damals machte ein großer Teil der VR-Freude die Momente aus, in denen man seinen Freund:innen oder der Familie Demos zeigte, die man selbst schon viel zu oft gesehen hatte.

Eine meiner schönsten VR-Erinnerungen ist ein Abend, der so begann und im Laufe dessen wir die GORN-Demo auf itch.io entdeckten. Damals hatten wir nur eine VR-Brille, haben kräftig geschwitzt und hatten dennoch sehr viel Spaß.

Arcades wie Sandbox VR knüpfen mit einfachen Spielen an solche Erlebnisse an. Doch statt nur zuzuschauen, wie sich jemand an VR erfreut, teilt man dieses Erlebnis in VR und in der echten Realität zugleich. Jemand, der in echt da ist, ist einfach ein wenig mehr da, als jemand, mit dem man nur einen virtuellen Raum teilt. Wer sich darauf einlassen möchte, wird viel Spaß haben.

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