Das VR-Arcade-Spiel Huxley erschien 2017. Nun gibt es endlich ein weiteres Abenteuer, das die Vorgeschichte erzählt. Pola Weiß vom Blog VR Geschichten hat sich in die fantasievolle Steampunk-Welt gewagt.

Huxley: Virtual Reality trifft auf Escape Game

Er ist ein Roboter mit süßen Kulleraugen und einem etwas undurchsichtigen Charakter. So ganz weiß man nicht: Was führt er im Schilde? Ist er böse oder gut?

Huxley ist Namensgeber und Hauptprotagonist eines äußerst erfolgreichen Mehrspieler-VR-Erlebnisses, das unter anderem 2018 den Deutschen Computerspielpreis als „beste Innovation“ gewonnen hat. Zu erleben ist es nicht zuhause am heimischen PC, sondern ortsbasiert an einem von derzeit weltweit 25 Standorten, davon acht in Deutschland.

Wir waren Anfang April im Luftschutzbunker des alten DDR-Fernmeldeamtes in Berlin. Dort kann man sich in Escape Rooms einschließen lassen, aus denen man möglichst schnell wieder herausfinden muss.

Oder aber man betritt mit Hilfe von VR-Technik die Welt von Huxley, die komplett virtuell und so noch vielseitiger ist. Betreiber Exit VR, ein Joint Venture zwischen dem Escape-Game-Anbieter Exit und der Berliner Produktionsfirma Trotzkind, spricht von einem „virtuellen Live Escape Abenteuer“.

Allerdings will man aus der Welt von Huxley gar nicht so schnell wieder entkommen – dafür ist sie viel zu faszinierend. Seit Frühjahr 2019 gibt es jetzt endlich auch den lang erwarteten Teil 2. Zusammen mit dem Podcast Storyville haben wir uns im Vierer-Team aufgemacht, die Welt zu retten.

Trailer zu Huxley 2:

Prequel im Steampunk-Look

Teil 1 mit dem bezeichnenden Namen HUXLEY: Save The Future spielt in einer fernen Zukunft, im Jahr 3007. Die Menschheit ist nahezu ausgelöscht. Huxley, ein super intelligentes und mächtiges Roboter-Wesen, will das so nicht hinnehmen. Zusammen mit ihm kämpfen die letzten Überlebenden, die Spieler*innen, um einen Neuanfang.

In HUXLEY 2: The Adventure Begins geht die Geschichte nicht etwa weiter, wie man erwarten könnte. Stattdessen werden wir ins Jahr 1872 versetzt. Dort sollen wir einer alten Legende nachgehen: Ihr zufolge entdeckten Wissenschaftler 1790 eine neue Energiequelle in der Antarktis, die schließlich viele Jahrhunderte später zur Apokalypse führen soll.

Unsere Aufgabe ist es, rund 100 Jahre nach der ersten Entdeckung, eben diese Energiequelle zu finden. Uns zur Seite steht – wie kann es anders sein – ein kleiner (und fabrikneuer) Roboter mit Kulleraugen.

Vier wilde Avatare im Bunker

Doch beginnen wir von vorne: In zwei Räumen des Bunkers bekommen wir zunächst eine kleine Einführung, bevor man uns je einen Rucksack-PC, eine HTC Vive-Brille und Kopfhörer aufsetzt.

Damit wir uns nicht allzu sehr in die Quere kommen, werden wir in Zweierteams auf die beiden (realen) Räume aufgeteilt. Dann geht es los und ab in die VR: Dort befinden wir uns zu viert in ein und demselben virtuellen Raum, können uns gegenseitig sehen und miteinander sprechen.

Zuerst dürfen wir uns an einem Automaten unsere Erscheinungsbilder aussuchen. Als Leder-Lady oder mürrischer Muskelprotz fügen sie sich nahtlos in das Steampunk-Universum ein und tragen so hervorragend zur Immersion bei.

Kaum sind wir in unsere neuen Körper geschlüpft, beginnt die Geschichte. Es bleibt uns wenig Zeit, uns an die detailreiche Umgebung aus dem 19. Jahrhundert zu gewöhnen. Sofort startet ein Video eines grauhaarigen Professors auf einer großen Leinwand. Er erklärt uns unsere Aufgabe.

Fans des Steampunk-Stils kommen bei Huxley auf ihre Kosten. Bild: Exit VR

Fans des Steampunk-Stils kommen bei Huxley auf ihre Kosten. Bild: Exit VR

Mit einem Luftschiff durch die Wolken

Nach der Einweisung lernen wir erstmals unser spektakuläres Transportmittel kennen: ein Luftschiff. Per Aufzug fahren wir auf die Brücke, während sich das Luftschiff um uns herum aufbaut.

Die Innenausstattung des Schiffs besteht aus einem Heizkessel, mehreren Instrumenten für die Navigation und Bullaugenfenstern, die, einmal geöffnet, einen wundervollen Rundumblick auf die Landschaft unter uns bieten.

Allerdings fliegt unser absonderliches Gefährt nicht von selbst: Die ersten Aufgaben für unsere Mission drehen sich daher alle um die korrekte Handhabung und Steuerung unseres Luftschiffes. Hier zeigt sich bereits, was uns bei Huxley 1 so großen Spaß gemacht hat: Keines der Puzzles kann man allein lösen.

Unser Luftschiff ist ein recht spektakulär konstruiertes Gefährt. Bild: Exit VR

Unser Luftschiff ist ein recht spektakulär konstruiertes Gefährt. Bild: Exit VR

Rätsel lösen wir im Team

Huxley 1 haben wir lediglich zu zweit gespielt bei einem privaten Besuch vor rund zwei Jahren. Um die Rätsel zu knacken, mussten wir uns damals räumlich aufteilen. Jedes Teammitglied war für eine andere Aufgabe verantwortlich.

Dieses Prinzip erwarten wir nun also auch bei Huxley 2. Doch in unserem Luftschiff scheinen die Arbeitsschritte nicht ganz für vier Leute auszureichen. Wir könnten es wahrscheinlich gar zu zweit fliegen – würden wir nur auf Anhieb verstehen, wie es funktioniert.

Dank Hinweisen von Roboter Huxley und unserer Game-Masterin, die uns bei allen Schwierigkeiten heldenhaft zur Seite steht, schaffen wir es dann schließlich doch.

Unsere Anfangsschwierigkeiten sind leider auch mit einigen technischen Problemen zu entschuldigen, mit denen wir (und die Spielleiterin) zu kämpfen hatten. So fiel noch vor der ersten Aufgabe mehrmals Bild oder Ton aus, und auch das Tracking sowie die Spielmechanik waren manchmal fehlerhaft.

Knobeln zwischen Monsterpflanze und Mauer

Schließlich gelangen wir trotz technischer Probleme zu unseren Zielen, mehreren einsamen Inseln mitten im Ozean, wo uns weitere Teilmissionen und Rätsel erwarten. Unter anderem haben wir es dort mit einer fiesen, fleischfressenden Pflanze zu tun.

Die Inselwelten sind wunderschön anzusehen und voller Überraschungen. An manchen Aufgaben haben wir ganz schön zu knabbern, da sie doch recht anders sind als die klassischen Puzzle-Spiel-Aufgaben des ersten Teils.

Im Anflug auf neue Welten. Bild: Exit VR

Im Anflug auf neue Welten. Bild: Exit VR

Und ein weiterer Unterschied fällt im Vergleich zum Vorgänger auf: Es gibt weniger Bewegungsfreiheit. Während wir im ersten Teil den Raum mit fahrenden Plattformen und Teleportern erkundeten, setzt uns jetzt das Luftschiff direkt an den Zielen ab.

Dort angekommen, bleiben wir innerhalb einer begrenzten Spielfläche. Inhaltlich ergibt das durchaus Sinn, denn schließlich sind Inseln keine Raumschiffe und haben (meistens) keine Aufzüge. Vor allem für VR-Neulinge ist dies eine sichere und intuitive Variante. Erfahrene Spieler*innen könnten sich hingegen eingegrenzt fühlen.

Das große Finale: Huxley auf Mission

Am aufregendsten ist die letzte Aufgabe: Sie ist ein Fest für alle, die Action lieben, und hat so gar nichts mehr mit Rätseln und Grübeln zu tun. Auch visuell ist sie ein wahres VR-Spektakel, ohne dass wir an dieser Stelle zu viel verraten.

Allerdings zeigt sich an ihr die Schwierigkeit in der Dramaturgie rund um Huxley und seine Energiequelle. Denn die letzte Mission ist der Höhepunkt des Abenteuers. Hier entscheidet sich: Sieg oder bittere Niederlage?

Doch nicht wir sind es, die das Schicksal der Menschheit in die Hände nehmen – sondern Huxley. Unser Begleiter zieht im Alleingang los, um die letzte, entscheidende Aufgabe zu erfüllen. Wir bleiben währenddessen in der Nähe des Luftschiffes zurück.

Unsere Aufgabe: Wir halten Huxley mit vereinten Kräften den Rücken frei. Und obwohl das eine äußerst spaßige Angelegenheit ist – sie bleibt doch nur ein Nebenschauplatz, während die eigentliche Geschichte ohne uns stattfindet.

So bleibt bei uns nach dem Sieg ein unbefriedigendes Gefühl zurück: War er verdient? Unverdient? So ganz können wir es nicht sagen.

Beim Finale erhält man reichlich Unterstützung von Huxley. Vielleicht zu viel? Bild: Exit VR

Beim Finale erhält man reichlich Unterstützung von Huxley. Vielleicht zu viel? Bild: Exit VR

Fazit: Visuell eine Wucht, doch das Original bleibt ungeschlagen

Unser abschließendes Urteil fällt entsprechend gemischt aus. Huxley 2 ist auf jeden Fall ein großartiges Erlebnis für alle, die Spaß an Videospielen und Escape Rooms haben. Visuell waren wir von dem neuen Abenteuer und der detailreichen Welt begeistert. Ebenso hat uns die Idee, Huxleys Vergangenheit zu behandeln, sehr gut gefallen.

Bei Geschichte und Gesamterlebnis bleibt Huxley 2 jedoch hinter seinem hervorragenden Vorgänger Huxley 1 (Trailer siehe unten) zurück, der – das muss man fairerweise sagen – die Latte ziemlich hoch gehängt hat: Denn obwohl die Backstory im zweiten Teil ausgefeilter ist als im ersten, so fehlte uns bisweilen der rote Faden, der die Teilaufgaben zu einer großen Mission verbindet. Und auch die Arbeit im Team hätte nach unserem Geschmack noch ein wenig mehr Raffinesse vertragen.

Es ist also noch Luft nach oben für den dritten Teil, der, so steht es in einer Pressemitteilung, bereits in Planung ist. Wir können es kaum erwarten, Huxley und seine Kulleraugen wieder zu sehen.

Bis dahin macht Euch doch selbst ein Bild, es ist ein großer Spaß. Unsere Empfehlung: auf jeden Fall beide Teile ausprobieren!

Wir haben Huxley 2 im Team-Modus gespielt, vielen Dank an Exit VR für die Einladung. Es gibt aber auch noch den sogenannten Battle-Modus, bei dem die Teams gegeneinander antreten. Das Spiel kostet je nach Teamgröße rund 26 bis 37 Euro pro Person und dauert 44 Minuten.

Bilder: Exit VR

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