Die VR-Brille als Monitorersatz und nächste Gaming-Stufe? Valve hat’s angeblich von Anfang an anders erwartet – und bislang recht behalten.

Mit Half-Life: Alyx (Test) erschien Ende März das wohl größte VR-Spiel 2020 – zumindest ist derzeit nichts am Horizont, was Alyx diesen Titel noch streitig machen könnte.

Valve scheute keinen Aufwand: Bis zu 80 Angestellte arbeiteten an Alyx, mehrere Jahre war der Titel in Entwicklung. Dem fertigen Spielkonzept gingen zahlreiche Prototypen voraus. Parallel dazu investierte Valve in die Konstruktion der VR-Brille Index. Zuvor kooperierte Valve mit HTC für die Vive-Brille und entwickelte das bis heute aktuelle Trackingsystem Lighthouse.

Und das alles, obwohl sich Valve von Anfang an bewusst gewesen sein will, dass Virtual Reality nicht durch die Decke geht. Von den krassen Hype-Prognosen aus 2016 und 2017 und Facebooks Milliardeninvestitionen habe man sich nicht beirren lassen, gibt Valve-Videospieldesigner Robin Walker in einem Interview mit Rock, Paper, Shotgun zu verstehen.

“Ich denke, es gab viele Investoren, die VR explodieren sehen wollten wie keine andere Hardware zuvor, aber die Adoption hat sich ziemlich genau so entwickelt, wie wir es erwartet haben”, sagt Walker. “Wir haben immer gesagt, dass man realistisch sein muss, wie sich der Markt entwickelt.”

Zombieleiche unter zerschlagenem Fenster in Half:Life-Alyx

Gruselig und hochdetailliert: “Half-Life: Alyx” überzeugt Kritiker und Spieler mit toller Grafik und Atmosphäre. BILD: MIXED / Valve

Nach Alyx sei Valve jetzt überzeugt, dass VR ein “sehr interessantes Medium” sei, mit dem man Erfahrungen anbieten könne, die auf keiner anderen Plattform möglich seien. Zur Überlegung, dass VR traditionelle Formate ersetzen könnte, findet Walker deutliche Worte: “Wir haben nie geglaubt, dass VR irgendwas ersetzen wird – das ist alles blödes Gerede.”

Wie es mit VR bei Valve weitergeht, scheint noch nicht beschlossen. Die drei schon Anfang 2017 angekündigten vollwertigen VR-Spiele, von denen Alyx eines war, sind jedenfalls vorerst vom Tisch. Ein neuer Titel ist nicht in Sicht, einem gerüchteweise in Entwicklung befindlichem Left 4 Dead 3 erteilte Valve schon eine Absage.

Half-Life: Alyx – was kommt nach dem Hype?

Zu Valves nüchterner, oder eher realistischer Einschätzung der VR-Marktsituation passt die Spielerentwicklung von Alyx: Nach dem ersten Hype und neuen VR-Spielerrekorden mit bis zu 43.000 gleichzeitigen Spielern bei SteamVR ist die Nutzungskurve deutlich abgeflacht. Zuletzt waren es noch gut 5.000 Spieler innerhalb von 24 Stunden. Der VR-Dauerbrenner Beat Saber sitzt Alyx bei den Nutzungszahlen schon wieder im Nacken und dürfte plattformübergreifend ohnehin das mit Abstand meistgespielte VR-Spiel bleiben.

Viele Interessierte könnten sich damit begnügen, beim Spiele-Streaming-Service Twitch VR-Nutzern beim Alyx-Spielen zuzuschauen, geht man nach den Statistiken des Datenservice SteamDB. Bis zu 300.000 Twitch-Zuschauer beobachteten rund 43.000 Alyx-Spieler in der Spitze.

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Viel mehr Menschen schauten Half-Life: Alyx bei Twitch, als es selbst zu spielen. Das kommt auch bei klassischen Games vor, allerdings hat die VR-Einstiegshürde den Effekt verstärkt. Bild: SteamDB

Allerdings, das darf nicht unerwähnt bleiben, kam der Marktstart von Alyx zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Corona-Krise sorgt bei beliebten VR-Brillen wie Valve Index (Test), Oculus Quest mit Link (Test) oder Oculus Rift S für Lieferengpässe.

Selbst wenn also eine Kaufabsicht für eine VR-Brille vorhanden war, konnte diese aufgrund der Marktgegebenheiten womöglich nicht erfüllt werden. Offen ist, ob sie in ein paar Wochen oder Monaten nachgeholt wird.

Weiterlesen über “Half-Life: Alyx”:

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