Der VR-Kabelstandard Virtual Link gehört zu den kurioseren Kapiteln in der Geschichte der Virtual Reality – das jetzt geschlossen ist und wohl bleibt.

Nvidias neue RTX-3000-Grafikkarten sind vielversprechend: Fürs gleiche Geld sollen sie deutlich mehr Leistung bringen als noch die RTX-2000-Serie.

Vermissen (oder auch nicht) werden VR-Enthusiasten allerdings eine Funktion, die für die 2000er-Karten noch als neues Feature angepriesen wurde: Der speziell für Next-Gen-VR-Brillen gedachte USB-C-Anschluss Virtual Link ist in den 3000er-Karten nicht mehr integriert.

Virtual Link ist – oder war – eine USB-C-Variation mit Unterstützung für hochauflösende Screens dank vier HBR3-Displayport-Spuren, USB 3.1 Generation 2 für hochauflösende Kameras und Sensoren bei einer Signalverstärkung von 27 Watt. Die Besonderheit: All diese Informationen wandern durch ein einzelnes dünnes Kabel an den PC.

Hier bitte Next-Gen-Brille einstecken. Bild: Nvidia

Hier bitte Next-Gen-Brille einstecken – das war einmal. Nvidias neue RTX 3000er Serie hat keinen Virtual-Link-Anschluss mehr. Bild: Nvidia

Nvidias Virtual-Link-Verzicht: Ein Anti-VR-Signal?

Nvidias Verzicht auf Virtual Link in der RTX-3000-Serie ist sicher kein Signal, dass sich das Unternehmen von VR abwendet: Auch die Webseite des Virtual-Link-Konsortiums wurde vom Netz genommen.

Und: Keine der aktuellen Mainstream-VR-Brillen hatte den Kabelstandard überhaupt berücksichtigt. Virtual Link hätte die 3000er-Karten nur teurer gemacht und dabei keinen Nutzen gestiftet.

Dass Virtual Link derart am Markt scheitert, ist mit Blick auf die Entstehungsgeschichte überraschend, denn die Ankündigung im Sommer 2018 war vielversprechend: Ein Konsortium der PC-VR-Unternehmen Oculus, Valve, Nvidia, AMD, Microsoft und später auch HTC stellten Virtual Link im Sommer 2018 gemeinsam als neuen Kabelstandard für Next-Gen-VR-Brillen vor.

Auch der Marktstart sah gut aus: Nvidia integrierte Virtual Link standardmäßig in die eigenen Grafikkarten der 2000er-Generation. Viele Dritthersteller folgten dem Referenzdesign zunächst, entfernten den USB-C-Port aber nach und nach wieder aus den eigenen Modellen – wahrscheinlich weil der Mehrwert fehlte. AMD brachte erst gar keine Radeon-Karte mit Virtual-Link-Anschluss auf den Markt, obwohl die Navi-Serie prinzipiell Unterstützung vorsah.

Laut Valve gab es Probleme mit der Technik

Weshalb Virtual Link scheiterte, darüber kann nur spekuliert werden: Technische Probleme sind am wahrscheinlichsten. Vor rund einem Jahr kündigte Valve einen Virtual-Link-Adapter für Valve Index (Test) ab mit der Begründung, dass unter anderem die Verbindung nicht stabil sei.

Dass USB-VR auch ohne Virtual Link an der Grafikkarte funktioniert, zeigt Oculus mit Oculus Link (Guide): Hier wird ein Videobild per Standard-USB-Anschluss 2 oder 3 vom PC an die VR-Brille Oculus Quest (Test) übertragen. Es ist möglich, dass Oculus nach der Entwicklung dieses Streaming-Verfahrens, das potenziell auch für Wlan taugen dürfte, das Interesse an Virtual Link verlor.

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