KOMMENTAR

Magic Leap 2: Zu wenig, zu spät?

Magic Leap 2: Zu wenig, zu spät?

Die ersten Tester:innen loben Magic Leap 2. Doch bis zur alltagstauglichen AR-Brille ist es noch ein weiter Weg. Ein Weg, der sich bald scheiden könnte.

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Vergangene Woche erschienen erste Hands-on-Berichte der Magic Leap 2. Das Fazit fiel positiv aus. Das neue AR-Headset biete ein hervorragendes Bild, eine schlankere Form und besonders wichtig: ein deutlich größeres Sichtfeld. Allerdings ist die Erwartung der Presse deutlich geringer als beim völlig überhypten Vorgängermodell.

Das Sichtfeld ist noch immer die Achillesferse von Magic Leap 2 und generell AR-Brillen. Was nützt die fortschrittlichste AR-Technik, wenn Hologramme nur innerhalb eines schmalen Fensters erscheinen und von allen Seiten beschnitten werden?

Auch die Magic Leap 2 vermindert dieses Problem nur und eliminiert es nicht. Aber das Sichtfeld soll deutlich größer ausfallen als beim Vorgänger und laut Technikchefin Julie Larson-Green könnte Magic Leap 3 das Sichtfeld ein weiteres Mal verdoppeln. Damit käme die AR-Brille der Immersion einer VR-Brille schon recht nahe.

Entwicklung schlanker AR-Brillen stagniert

Die Frage ist, ob damit schon der Durchbruch gelingen kann und AR-Brillen für Endkunden interessant werden oder ob es zuerst weitere grundlegende Verbesserungen bei Formfaktor und Software geben muss. Die Beweisschuld liegt bei den Herstellern, die die Technologie seit einem Jahrzehnt hypen.

Nüchtern betrachtet stagnierte der AR-Markt seit der Vorstellung der Magic Leap 1 vor fünf Jahren. Das findet auch der langjährige XR-Reporter Lucas Matney, der Magic Leap 2 vor kurzem ausprobieren durfte. Ja, die Technik ist besser geworden, sei aber bei weitem nicht so gut, wie einst versprochen.

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Selbst wenn man Magic Leaps bewegte Vergangenheit ausblendet, ist seit 2017 wenig passiert, das Anlass gibt, zu glauben, dass wir bald schlanke Hightech-AR-Brillen aufziehen dürfen, die Arbeit und Alltag revolutionieren. Hololens 2 stellt nur eine iterative Verbesserung, teils sogar eine Verschlechterung, zum Vorgängermodell dar. Und Nreal Lights AR-Potenzial erwies sich als gering.

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Und was ist mit Smartphone-AR? Matney nennt sie einen „kompletten Fehlschlag“, der Dutzende Start-ups zu Fall brachte.

Magic Leap: Auf einmal war’s nur noch einer

Erwartungen und Realität der AR-Branche: Sie klaffen auch 2022 weit auseinander. Die AR-Brille der Tech-Visionäre (Leicht! Elegant! Mächtig!) ist immer noch ein Ideal, das beharrlich drei, fünf oder zehn Jahre entfernt ist. Die Branche scheint sich eher im Kreis um das Ziel zu bewegen, als geradeaus darauf zu. Nicht, weil sie es nicht will – sondern weil die Technologie fehlt.

Dass Microsoft Berichten zufolge Probleme mit der Militär-Hololens und der Entwicklung von Hololens 3 hat, ist kein gutes Zeichen für den Teil der AR-Industrie, der auf einen baldigen Hightech-Brillendurchbruch setzt.

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Es würde bedeuten, dass der erfolgreichste AR-Brillenhersteller an der Zukunft des eigenen Produkts zweifelt und dass Magic Leap als einziger große Player in diesem Bereich verbleibt. Ein vitaler und dynamischer Markt sieht anders aus.

In den nächsten Jahren werden es wohl opake Video-AR-Headsets sein, die das Potenzial von Augmented Reality offenlegen, wenn auch vorwiegend im privaten Rahmen und in Innenräumen wegen ihres Formfaktors. Meta und Lynx bringen dieses Jahr entsprechende Geräte heraus und Headsets von Apple, Google, Samsung und Microsoft könnten folgen.

Augmented Reality am Scheideweg

Mit diesen Headsets kommt hoffentlich endlich etwas Bewegung in die AR-Branche. Die Industrie braucht dringend konkrete Ergebnisse statt noch mehr Demos, Experimente, Prototypen und gute Ideen.

Mit Video-AR könnte sich Augmented Reality in eine vollkommen neue Richtung entwickeln. Die Frage ist, was in der Zwischenzeit mit Magic Leap und B2B-AR-Brillen mit transparenter Optik passiert.

Für viele Anwendungsszenarien, bei denen in der Industrie heute AR dransteht, reichen einfache Display-Brillen wie Google Glass mit einer Assistenz- oder Kommunikations-App. Die Frage nach der Daseinsberechtigung von aufwendigen 3D-Tracking-Brillen wie Hololens 2 oder Magic Leap 2 darf man in diesem Kontext stellen. Klar, als Prototyp für die Weiterentwicklung – aber für den Produktiveinsatz?

Bewahrheiten sich die Microsoft-Gerüchte, dann stünde Magic Leap in diesem ohnehin schon schwierigen Feld bis auf weiteres auf verlorenem Posten. Zumindest so lange, bis Meta und Apple mit ihren AR-Brillen um die Ecke kommen. Wenn sie denn kommen.

Die Zukunft der Augmented Reality bleibt hochgradig ungewiss – und ist gerade deshalb spannend. Eine umfassendere Einschätzung zum AR-Markt und dessen Zukunft könnt ihr im MIXEDCAST-Folge #286 anhören.

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Quellen: Venturebeat, Techcrunch