Metas nächste VR-Brille: Alle Infos zu Project Cambria

Metas nächste VR-Brille: Alle Infos zu Project Cambria
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7. Januar 2021:

Der Artikel wurde um die neuesten Gerüchte zu Displays, Preis und Launch ergänzt.

2022 bringt Meta eine autarke Highend-VR-Brille auf den Markt. Was wissen wir über Project Cambria?

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Der offiziellen Ankündigung auf der Connect 2021 gingen eine Vielzahl Gerüchte und Leaks voraus. Der Leiter der Reality Labs und baldige Meta-Technikchef Andrew Bosworth sowie Mark Zuckerberg selbst sprachen schon im Frühjahr 2021 davon, dass an einer technisch weiterentwickelten „Quest Pro“ gearbeitet wird.

Nach einer Reihe von Leaks, die einen guten Einblick in Technik und Formfaktor gaben, kündigte Meta das neue Gerät am 28. Oktober 2021 offiziell an. Das folgende Video der Connect-Keynote zeigt den betreffenden Ausschnitt.

Wie heißt Metas neue VR-Brille?

Meta hat bislang nur den Codenamen verraten, unter dem die VR-Brille entwickelt wird: Project Cambria. Der Produktname dürfte erst bei der vollständigen Enthüllung bekannt gegeben werden.

Ist Cambria der Nachfolger der Meta Quest 2?

Nein. Mit Cambria will Meta eine komplett neue VR-Produktlinie mit Highend-Fokus aufbauen, die zwar rückwärtskompatibel mit dem Quest-Ökosystem ist, aber bei technischen Features über diese hinausgeht.

Wen und was will Meta mit Cambria erreichen?

Mit Cambria will Meta fortschrittlichere VR-Technologien aus den eigenen Forschungslaboren am Markt testen. Sobald diese ausgereift und günstiger in der Herstellung sind, könnten sie ihren Weg in die nächste Meta Quest finden.

Die kostenoptimierte und aggressiv bepreiste Quest-Produktlinie richtet sich an die breite Masse und soll Metas VR-Ökosystem möglichst schnell wachsen lassen. Bei Cambria ist das Ziel ein anderes: Die teurere Highend-Produktlinie richtet sich an VR-Enthusiast:innen und ist ein Experimentierfeld für neue, besonders fortschrittliche VR-Technologien.

Was ist neu an Cambria?

Bei der Ankündigung bestätigten Zuckerberg und Metas Produktleiterin für VR-Geräte Angela Chang drei neue technische Features und Verbesserungen.

Eye- und Facetracking

Neue Sensoren ermöglichen einen natürlichen Augenkontakt zwischen Avataren und eine Echtzeit-Übertragung der Mimik in die VR. Dadurch sollen Emotionen besser ablesbar sein und soziale Interaktionen realistischer werden.

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Eine Frau aus Fleisch und Blut neben ihrem Avatar, der ihre Mimik widerspiegelt.

Staunen, Überraschung, Angst: Mit Cambria werden Avatare solche Gefühle widerspiegeln können.  |Bild: Meta

Hochwertige Mixed Reality

Bereits mit Meta Quest 1 & 2 kann man sich per Passthrough-Modus die physische Umgebung anzeigen lassen und Apps können diese um digitale Objekte erweitern. Das Video-Abbild der Welt ist jedoch nur schwarz-weiß und so grobkörnig, dass sich kaum Details ausmachen lassen.

Cambria soll den Passthrough-Modus auf die nächste Stufe heben. Dank hochauflösender RGB-Kameras wird die physische Umwelt in Farbe und gestochen scharf wiedergegeben, sodass man mit einem Kugelschreiber Notizen machen oder mit einem virtuellen Personal Trainer im Wohnzimmer Sport treiben kann (siehe Ankündigung).

Mixed-Reality-Arbeitsplatz mit Project Cambria

So könnte ein Mixed-Reality-Büro mit Cambria aussehen. | Bild: Meta

„Wir sind noch weit entfernt davon, eine Übereinstimmung mit dem zu erreichen, wie unsere Augen die physische Welt sehen, aber wir sind ermutigt dadurch, wie stark wir die Passthrough-Erfahrung bereits verbessern konnten“, sagt Chang bei der Ankündigung.

Verbesserte Displays und Formfaktor

Auch bei der Display-Technologie tut sich etwas. Cambria ist Metas erste VR-Brille, die auf Pancake-Linsen setzt. Die können eng am Display platziert werden und ermöglichen dadurch einen weitaus schmaleren Formfaktor, der in Richtung Skibrille statt Schuhkarton geht. Dank der neuen Linsen soll Cambria ein hochwertiges und artefaktfreies Display und die bislang beste Optik aller VR-Brillen Marke Meta bieten.

Schematische Darstellung der Funktionsweise von Pancake-Linsen in Project Cambria

Pancake-Linsen falten Lichtstrahlen, anstatt sie direkt durchzuleiten. So ermöglichen sie eine nähere Positionierung am Display. | Bild: Meta

Welches Display nutzt Cambria?

Hierzu äußerte sich Meta bislang nicht.

Laut jüngsten Berichten kommen MiniLED-Displays zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um verbesserte LC-Displays mit tieferem Schwarzwert, die im Großen und Ganzen aber nicht an die Bildqualität von OLED-Bildschirmen herankommen.

Wie sieht Cambria aus?

Das offizielle Rendervideo zeigt eine schwarze VR-Brille mit einer Halo-Kopfhalterung und einem schlanken Visor.

Geleakte Videotutorials und Firmware-Schnipsel bestätigen den vergleichsweise schlanken Formfaktor, der auch mit einem bedeutend geringeren Gewicht und einer besseren Gewichtsverteilung einhergehen könnte, da die Batterie neuerdings im hinteren Teil der Kopfhalterung untergebracht ist.

 

Was für VR-Controller nutzt Cambria?

In dem zur Ankündigung gehörenden Rendervideo der VR-Brille ist zu sehen, dass Cambria mit neuen VR-Controllern ohne Trackingringe kommt. Meta äußerte sich bislang nicht zu den VR-Controllern, doch Leaks zufolge nutzen die Geräte ein neues Trackingsystem.

Fotos von VR-Controllern mit integrierten Kameras

Sind das die neuen VR-Controller für Cambria? Gut zu erkennen sind integrierte Kameras auf Vorder- und Rückseite. | Bild: Reddit / tx_brandon

Cambria könnte mithilfe integrierter Laserprojektoren ein unsichtbares Infrarotmuster in die Umgebung werfen, das von Infrarotkameras in den VR-Controllern erfasst wird. So könnten sich die Geräte auch dann räumlich verorten, wenn sie sich hinter der VR-Brille befinden.

Einem Videotutorial-Leak zufolge werden die VR-Controller eine eigene Ladestation erhalten. Der Grund könnte ein hoher Energieverbrauch sein, der durch das neue Trackingsystem bedingt ist.

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Bringt Cambria besseres Handtracking?

Das Handtracking der Meta Quest 1 & 2 ist alles andere als ausgereift, was auch daran liegt, dass keine speziellen Kameras für die optische Hand- und Fingererfassung verbaut sind.

Laut John Carmack hat Cambria keine separaten Sensoren fürs Handtracking verbaut. Er erwartet jedoch, dass es wegen der hochauflösenden RGB-Kameras genauer arbeitet als bei Meta Quest 1 und 2 – wenn auch nicht perfekt.

Entwickler:innen würden weiterhin Tricks anwenden müssen, um das Maximum aus dem Handtracking herauszuholen. Einen gewaltigen Qualitätssprung darf man also nicht erwarten.

Unterstützt die VR-Brille Foveated Rendering und künstliche Fokusverschiebung?

Beide Technologien sind enorm wichtig für Virtual Reality, aber dürften erst in zukünftigen Cambria-Generationen zum Einsatz kommen.

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Beim Foveated Rendering ermittelt die VR-Brille, welchen Bereich des Sichtfelds das Auge fokussiert und berechnet anschließend nur diesen in vollem Detailgrad. Das spart viel Rechenleistung, die in eine höhere Auflösung und bessere Grafik fließen kann.

Arbeitet das System ausreichend schnell und präzise, dann ist Foveated Rendering unsichtbar für das Auge. Jedenfalls in der Theorie.

In der Praxis ist die Rendertechnik ein schwer zu knackendes technisches Problem. Das fängt beim Erfassen anatomischer Unterschiede bei Pupillen an und endet bei der Grafikrenderpipeline, die für Foveated Rendering neu geschrieben werden muss.

Laut Andrew Bosworth bringt Foveated Rendering derzeit noch nicht viel, womit die Chance, dass Cambria die Rendertechnik unterstützt, recht klein ist.

Das Gleiche gilt für künstliche Fokusverschiebung. Meta forscht seit vielen Jahren an entsprechenden Displays, die ein grundlegendes optisches Problem von VR-Brillen lösen und ein realistischeres und angenehmeres Seherlebnis bieten sollen. Allerdings ist nach derzeitigem Kenntnisstand auch hier noch viel Arbeit zu tun.

Was ist Cambrias wichtigstes Feature?

Das wohl wichtigste Feature der VR-Brille ist der videobasierte Mixed-Reality-Modus. Klassische AR-Brillen mit transparenter Optik (Hololens, Magic Leap, Nreal Light) haben sich in den letzten zehn Jahren beim Display kaum weiterentwickelt. Ein extrem schmales Sichtfeld, geringe Helligkeit oder schlechte Bildqualität halten die Technik zurück.

VR-Brillen mit Passthrough-Modus haben diese Probleme nicht und werden in den kommenden Jahren die beste Art sein, Mixed Reality zu erleben. Deswegen wird wohl auch Apples erste VR-Brille auf Passthrough setzen.

Videobasierte Mixed-Reality: Sie soll die Zeit überbrücken, bis fortschrittlichere AR-Displays greifbar sind, die eine ähnlich gute Bildqualität im Formfaktor einer dünnen, transparenten Alltagsbrille ermöglichen. Mehr zu den Vorteilen und Nachteilen von videobasierter Mixed Reality erfahrt ihr in folgenden beiden Artikeln:

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Hält Cambria weitere Überraschungen bereit?

Das ist möglich. Meta hat längst nicht alles über die neue VR-Brille verraten. Zuckerberg sagte am Ende der Ankündigung, dass man sich „einige der guten Sachen für die Veröffentlichung im nächsten Jahr aufheben“ wolle.

Wie teuer wird Cambria?

Den Preis hat Meta noch nicht verraten. Gesichert ist nur, dass sie teurer wird als Meta Quest 2 (Test). Bei der ersten Erwähnung des Produkts im Frühjahr sagte Zuckerberg, dass Cambria „ein wenig teurer“ wird und bei der Ankündigung im Oktober, dass die VR-Brille „im oberen Preissegment“ angesiedelt sein wird.

Oculus Quest 2 mit Controllern und der Verkaufsbox im Hintergrund

Die Meta Quest 2 hat ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Die teurere Cambria wird sich preislich eher an Enthusiasten als an die breite Masse richten. | Bild: Facebook.

John Carmack wiederum meinte, dass das Gerät „signifikant teurer“ wird. „Es wird sehr interessant sein, zu sehen, wie die Verkäufe relativ dazu aussehen werden“, sagte Carmack in seiner Connect-Keynote. Im April 2021 schätzte Carmack, dass das Gerät nur einen Zehntel der Quest-Nutzerschaft finden wird.

Highend-Fokus hin oder her: Meta dürfte auch mit Cambria möglichst viele Verbraucher:innen und nicht nur Unternehmen und professionelle Anwender:innen erreichen wollen. Auch wenn das heißt, die eigene Hardware zu subventionieren. Tech-Analyst und Youtuber Brad Lynch hält einen Preis jenseits der 1.000 US-Dollar für unwahrscheinlich.

Wann erscheint Cambria?

Cambria kommt 2022 auf den Markt. Ein genauerer Zeitraum ist noch nicht bekannt.

Laut Brad Lynch steht die Massenfertigung unmittelbar bevor. Der offizielle Launch sei für das zweite Quartal 2022 angesetzt.

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