Facebook soll 2022 Smartwatch bringen – mit Hirn-Steuerung

Facebook soll 2022 Smartwatch bringen – mit Hirn-Steuerung

Mit Smartwatch und Datenbrille könnte Facebook in diesem und im kommenden Jahr die große Hardware-Offensive starten und somit die Grundlage für eine Zukunft mit eigenem Betriebssystem schaffen.

Dass das eigene Ökosystem primär nur als Service in der Infrastruktur anderer Tech-Konzerne wie Google und Apple existiert, schmeckt Facebook-Chef Mark Zuckerberg gar nicht. Schon seit Jahren will Facebook aus diesem App-Gefängnis ausbrechen und eigene Hardware und – wichtiger – das zugehörige Betriebssystem stellen.

Mit VR und AR startete Facebook dieses Unterfangen im großen Stil, überschätzte aber, wie schnell sich die Technologie entwickeln würde und wie gut sie von den Menschen angenommen wird.

___STEADY_PAYWALL___

Facebook auf der Nase und am Arm

In diesem und im nächsten Jahr könnte Facebook einen Hardware-Neustart versuchen mit einfacherer Technologie, die sich gut in den Alltag integriert und eine geringe Einstiegshürde hat: Eine schlanke Tech-Brille ist bereits offiziell bestätigt.

Jetzt berichtet die auf Tech-Leaks spezialisierte US-Seite The Information, dass Facebook im kommenden Jahr eine auf Kurznachrichten und Gesundheits- und Fitness-Funktionen spezialisierte Smartwatch auf den Markt bringen will. Die Seite bezieht sich auf Aussagen von vier anonymen Personen, die Einblicke in das Projekt haben sollen.

Facebooks Smartwatch soll mobiles Internet unterstützen und unabhängig von einem Smartphone funktionieren. Die Nachrichtenfunktion soll auf schnelle Interaktionen mit anderen Menschen ausgelegt sein, die man normalerweise mit dem Smartphone erledigen würde.

Facebook lege besonderen Wert darauf, Interessengemeinschaften zu verbinden, vergleichbar mit der Fitness-App Strava, mit der sich Läufer und Radfahrer vernetzen und ihre Leistungen vergleichen. Gesundheits- und Fitness-Funktionen sollen auch über Partnerunternehmen wie Peloton, Hersteller eines vernetzten Fitness-Bikes, eingebunden werden.

Sollte sich der Bericht von The Information bewahrheiten, dürfte Facebook die Smartwatch auch mit dem Fitness-Tracker in Oculus Quest und mit der neuen Tech-Brille vernetzen.

Ein Investor des Hirn-Interface-Start-ups CTRL-Labs, das Facebook im Herbst 2019 aufkaufte, deutet bei Twitter an, dass die Gedankensteuerung in die Smartwatch integriert ist und beschreibt sie als „Aufbruch in die Nuterzinterface-Zukunft“. Er verlinkt auf ein Demovideo aus 2019.

CTRL-Labs-Mitgründer Thomas Reardon sprach im November 2019 davon, dass die neue Interfacetechnik „relativ bald“ erscheinen könne.

Facebook soll aggressive Preispolitik planen

Die erste Version der Uhr soll noch auf einer Open-Source-Version von Googles Android laufen, ähnlich wie Facebooks VR-Brille Oculus Quest 2 (Test). Für zukünftige Hardware entwickle Facebook ein eigenes Betriebssystem, heißt es im Bericht. Ähnlich wie bei Oculus Quest soll Facebook eine aggressive Preispolitik fahren und die Uhr nahe am Herstellungspreis verkaufen.

Facebooks erste Smartwatch-Generation soll 2022 erscheinen, 2023 könne die zweite Generation folgen. Die Entwicklung sei bereits weit fortgeschritten, die Veröffentlichung im nächsten Jahr – oder überhaupt – aber dennoch nicht fix.

Ein Stolperstein für Facebook könnten Datenschützer werden: Mit immer mehr Hardware am Markt sammelt Facebook auch zunehmend mehr Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen und will sie zentral zusammenführen für ein möglichst exaktes Profil einer Person.

In Deutschland führte dieses Vorgehen zu einem laufenden Rechtsstreit mit dem Bundeskartellamt, der unter anderem zur Folge hat, dass Facebook derzeit freiwillig keine Oculus-Produkte in Deutschland verkauft. Auch in den USA regt sich Widerstand gegen Facebooks Datenstrategie.

Da sich der Wind dreht, forderte der hochrangige Facebook-Manager Andrew Bosworth kürzlich, dass Facebook zukünftige Produkte so konzipiert, dass Datenschutz und Privatsphäre oberste Priorität haben.

Update 13. Februar: Informationen zu CTRL-Labs hinzugefügt

Weiterlesen über Facebook: