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AMD RX 6800 & RX 6800 XT Reviews: So urteilen die Tester

AMD RX 6800 & RX 6800 XT Reviews: So urteilen die Tester

Heute erscheinen zwei der drei Grafikkarten, die AMD als Teil der neuen RX-6000-Serie angekündigt hat. Wie schlagen sich die RX 6800 und die RX 6800 XT in Tests? Sind sie eine Alternative zu Nvidias RTX-30-Serie? So urteilen die ersten Tester.

Es ist mindestens sieben Jahre her, dass AMD mit der Radeon R9 290 eine echte Konkurrenz für Nvidia darstellte. Seitdem bot der Hersteller zwar gute Preis-Leistungs-Karten an, aber wer nach den schnellsten Karten suchte, endete zwangsläufig bei Nvidias GeForce-Serie.

Doch mit der RDNA-2-Architektur und der jüngsten Vorstellung der Big-Navi-Karten der RX-6000-Serie deutete sich an, dass AMD dieses Jahr ganz oben mitspielt. Gleich drei neue RDNA2-Grafikkarten kommen auf den Markt: Die RX 6900 XT für 999 US-Dollar, die RX 6800 XT für 649 US-Dollar und die RX 6800 für 579 US-Dollar.

Die Karten konkurrieren jeweils mit Nvidias RTX 3090 (Reviews), der RTX 3080 (Reviews) und der RTX 3070 (Reviews). Insgesamt verspricht AMD 50 bis 65 mehr Performance pro Watt gegenüber der RDNA-1-Architektur.

Ab heute sind die RX 6800 und RX 6800 XT verfügbar, das Flaggschiff RX 6900 XT erscheint am 8. Dezember.

RX-6000-Serie im Vergleich

AMD hat für die neue RX-6000-Serie aktuell drei Karten angekündigt. | Bild: AMD

RX 6800 & RX 6800 XT: Ausstattung und Leistung

Die RX 6800 bietet 60 Compute Units, 1815 MHz Basis- und 2105 MHz Boosttakt und kommt mit 16 Gigabyte GDDR6-Speicher. Die TDP liegt bei 250 Watt. Die RX 6800 XT bietet 72 Compute Units, 2.015 MHz Basis- und 2.250 MHz Boosttakt und ebenfalls 16 Gigabyte GDDR6-Speicher. Die TDP liegt bei 300 Watt.

Für die RX 6800 versprach AMD einen Leistungsvorsprung von etwa 18 Prozent gegenüber einer Nvidia RTX 2080 Ti, die RX 6800 XT soll auf dem Leistungsniveau einer RTX 3080 liegen.

Können die Karten AMDs Versprechen halten? Kurz: Ja, können sie, aber nicht mehr. Eine Klatsche, wie sie AMD kürzlich Intel mit den neuen Ryzen-5000-CPUs verpasst hat, wird es nicht.

In Vergleichtests zeigt sich: Egal ob FullHD-, WQHD- oder 4K-Auflösung, die RX 6800 liegt konstant einige Bilder pro Sekunde vor Nvidias RTX 3070. Das war nach AMDs eigenen Benchmarks zu erwarten und entspricht dem Mehrpreis von knapp 80 US-Dollar gegenüber der RTX 3070.

Die RX 6800 XT liegt dagegen im Durchschnitt einige Bilder pro Sekunde hinter der RTX 3080, selbst mit der aktivierten Übertaktung „Rage Mode“, wie die Benchmarks von Techpowerup zeigen.

AMD hat allerdings noch ein Ass im Ärmel: „Smart Access Memory“ (SAM). Mit der Technologie können unterstützte CPUs auf den gesamten Grafikkartenspeicher auf einmal zugreifen statt in den sonst üblichen 256 Megabyte kleinen Abschnitten. Aktuell funktioniert das lediglich mit AMD Ryzen 5000 CPUs und einem unterstützten Mainboard.

Mit SAM aktiviert, gewinnen RX 6800 und RX 6800 XT im Schnitt etwa fünf Prozent Leistung, berichtet Igors Lab. Die RX 6800 XT kann so den Vorsprung der RTX 3080 verkleinern.

Der Vorteil von SAM zeigt sich allerdings nicht in jedem Titel und jeder Auflösung. In einigen Fällen gibt es Ausreißer nach oben, etwa in CS:GO, wo Linus Tech Tips für die RX 6800 XT mit aktiviertem SAM einen deutlichen Sprung von im Schnitt 120 Bildern pro Sekunde misst. Das ist allerdings die Ausnahme und Nvidia hat eine vergleichbare Technologie angekündigt.

Wer von der starken Performance der neuen AMD-Karten profitieren will, braucht ein gutes Netzteil: In der Spitze kann die RX 6800 kurzfristig bis zu 270 Watt und die RX 6800 XT bis zu 410 Watt verlangen. Ansonsten zeigt sich in den Tests, dass die RX-6000-Karten in Sache Leistungsaufnahme, Kühlung und Stabilität des Basis- und Boosttakts auf einer Linie mit Nvidias Karten liegen.

Wie schlagen sich RX 6800 & RX 6800 XT im Ray-Tracing?

Die RX 6800 und RX 6800 XT bieten sich also in der klassischen Rasterisierung einen Schlagabtausch mit Nvidias Grafikkarten. Doch wie sieht die Performance im Ray-Tracing aus?

Hier wird deutlich, dass AMDs erste Generation an integrierter Ray-Tracing-Hardware nicht mit Nvidias neuen Ray-Tracing-Kernen mithalten kann. Die Leistung der RX-6000-Serie bricht deutlich ein, sobald Ray-Tracing aktiviert wird. So deutlich, dass es laut Gamers Nexus „nicht einmal ein Wettbewerb“  ist.

Das wird besonders bei der sonst so starken RX 6800 XT deutlich: Die liegt etwa im Ray-Tracing-Test von Gamers Nexus bei Tomb Raider 15 bis 18 Prozent hinter der Leistung der RTX 3080, die im Spiel Control ihren Vorsprung (ohne DLSS) sogar auf 59 Prozent ausbaut.

In Minecraft mit Ray-Tracing liegt die RTX 3080 sogar je nach Auflösung zwischen 90 und 140 Prozent vor der RTX 6800 XT. Der Unterschied zwischen der RX 6800 und der RTX 3070 ist nicht ganz so deutlich, beträgt aber etwa in Minecraft immer noch 50 Prozent.

AMD liefert damit eine ähnliche Leistung, wie Nvidias erste Grafikkartengeneration mit Ray-Tracing-Hardware, die RTX-20-Serie. Spielbare Bilder pro Sekunde gibt es mit AMDs aktuellen Karten mit aktiviertem Ray-Tracing maximal bei FullHD-Auflösung.

Nvidias Ray-Tracing-Vorsprung könnte in den nächsten Monaten durch besser optimierte Ray-Tracing-Software sinken, schließlich sind alle bisherigen Ray-Tracing-Titel auf Nvidias Hardware optimiert. Doch selbst dann wird Nvidia wohl einen deutlichen Vorsprung halten können.

AMD holt auf, aber verschläft die KI-Revolution

Bei der Vorstellung der RTX-30-Serie betonte Konzernchef Jensen Huang, die Zeit, in denen sich Grafikkartenleistung alleine anhand klassischer Rasterisierungsleistung messen ließe, sei vorbei. AMDs Ray-Tracing-Performance lässt erahnen, was Huang meinte.

AMDs Verzicht auf dedizierte KI-Chips unterstreicht Huans Aussage: Auch wenn AMD mit Super Resolution an einer Alternative zu Nvidias DLSS arbeitet – die Lösung ist wohl noch Monate entfernt – bieten AMDs Karten kein Äquivalent zu Nvidias Tensor-Kernen.

Wie im Ray-Tracing wird Nvidia daher wohl einen Hard- und Software-Vorsprung beim KI-Upscaling bieten. Und der hat es in sich: Mit DLSS 2.0 liegt der Vorsprung der RTX 3080 vor der RX 6800 XT in Control mit aktiviertem Ray-Tracing bei 95 bis 180 Prozent, in Minecraft in 4K-Auflösung mit Ray-Tracing sogar bei etwa 520 Prozent.

Bei der RTX 3070 zeigt sich ein ähnliches Bild: Mit DLSS 2.0 liegt sie konstant bei 50 bis 350 Prozent Mehrleistung gegenüber der RX 6800 XT. DLSS ermöglicht überhaupt erst spielbare Bildraten mit Ray-Tracing und hohen Auflösungen. AMD kann hier nur zusehen, wie die Konkurrenz sich weit nach vorne schiebt.

Abseits von DLSS bietet Nvidia dank der Tensor-Kerne noch eine Reihe anderer KI-Anwendungen für Streamer wie bessere Audioaufnahmen oder Hintergrundverdeckung für Videostreams. Vergleichbare Features fehlen bisher auf AMDs Seite.

Fazit RX 6800 & RX 6800 XT: Für wen lohnt sich die Karte?

AMD hat mit der RX 6800 und RX 6800 XT das erste Mal seit Jahren wieder wirklich leistungsstarke Grafikkarten auf dem Markt gebracht. Die RX 6800 besetzt dazu ein konkurrenzfreies Marksegment, vor allem angesichts der Marktpreise der RTX 3070 – zumindest bis Nvidia eine RTX 3070 Ti auf den Markt bringt. Die klassische Rasterisierungsleistung der Karten kann mit Nvidias Karten mithalten oder übertrifft sie, die 16 Gigabyte Speicher könnten sich langfristig gerade bei sehr hohen Auflösungen bezahlt machen.

Professionelle Anwender sollten abwarten, ob AMD in den kommenden Wochen die Treiber-Software verbessert. Igors Lab berichtet von Treiber-Problemen bei Profi-Software, auch andere Tester messen langsame Rechenergebnisse oder berichten von Darstellungsfehlern.

Vor drei Jahren hätte man die RX-6000-Serie zumindest Gamern uneingeschränkt empfehlen können – doch vor zwei Jahren hat Nvidia mit der RTX-20-Serie den Grafikkartenmarkt verändert. Die Auswirkungen dieser Veränderung sehen wir in dieser Generation: Bei der Ray-Tracing-Leistung läuft Nvidia der RX 6800 und RX 6800 XT davon und auch beim KI-Upscaling führt aktuell kein Weg an der RTX-30-Serie vorbei.

In der Praxis bedeutet das: Wer Ray-Tracing, hohe Auflösungen und womöglich noch eine hohe Bildrate möchte, kann aktuell nur zu Nvidias Karten greifen. Mit besser optimierten Ray-Tracing-Spielen und AMDs Super Resolution könnte sich dieses ungleiche Kräfteverhältnis in den nächsten Monaten wieder verschieben. Doch berücksichtigt man derzeit alle Faktoren, dann heißt der Gewinner im Grafikkartenscharmützel 2020 Nvidia.

Titelbild: AMD

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