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Weshalb Meta aka Facebook heiß auf das Metaverse ist

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Eine geleakte Präsentation des Oculus-Mitgründers Jason Rubin zeigt, wie er 2018 das Metaversum ans Management pitchte als potenziellen Mainstream-Katalysator für schwache VR-Verkaufszahlen. Das Dokument ist zwar veraltet, die beschriebenen Intentionen hingegen dürften in vielen Fällen zeitlos sein, gerade wenn es ums Geld geht.

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Rubin beschreibt sein Metaversum als eine Art Ersatzrealität, das ganze Existenzen abbilden kann, so sehr, dass Nutzer:innen das Interesse am Meatverse („Fleisch-Universum“), also der echten Welt verlieren könnten. Der erfahrene Gaming-Manager beschreibt das anhand einer fiktiven Metaverse-Nutzerin.

„Das Einzige, womit sie so viel Zeit verbringt wie im Metaverse, ist Arbeiten, Essen, Kontakte knüpfen und Schlafen im IRL-‚MEATverse'“, schreibt Rubin. „Ihre Unterhaltungszeit verbringt sie mehr und mehr virtuell. Dies wird durch Netflix, Facebook, Instagram und andere Metaverse-Integrationen unterstützt.“

Maximale Nutzer-Aufmerksamkeit im Metaverse

Durch diese hohe Nutzungsintensität könnten Metaverse-Nutzer:innen für Facebook sehr lukrativ sein: „Ich schaue vielleicht mehrmals am Tag bei Facebook rein, aber ich lebe im Metaverse, arbeite im Metaverse und ziehe meine Zeit im Metaverse möglicherweise meinem Alltag vor“, heißt es in Rubins Dokument.

Wenn Menschen große Teile ihrer Zeit in Facebooks Metaverse verbringen würden, locke das große Echtwelt-Unternehmen an wie Coca-Cola, Ford, Procter & Gamble und Comcast, die für besondere Werbemaßnahmen zahlen würden, führt Rubin aus.

In Spielbergs VR-Epos Ready Player One besuchen VR-Brillenträger die virtuelle Zwischenwelt Oasis. Die ist aufgebaut wie die reale Welt, läuft aber auf VR-Steroiden. Losgelöst von den Regeln der Physik, bietet sie unendliche Möglichkeiten für Entertainment, Bildung und Begegnung.

Jason Rubin gehört zu den führenden Köpfen der Gaming-Branche. Mit Naughty Dog schuf er eines der wichtigsten Spielestudios der letzten Dekaden, bei Oculus war er von Anfang an als Mitgründer dabei, gilt als Veteran der VR-Branche. Viele seiner Start-up Kolleg:innen verließen Facebook, Rubin kletterte die Karriereleiter nach oben. | Bild: Oculus / Facebook

Innerhalb von zwei Dekaden, mutmaßt Rubin, könnte die im Metaverse verbrachte Zeit mit der des Fernsehens in den 90er-Jahren und der von Facebook in den letzten Jahren konkurrieren. Geld verdienen soll Facebook neben Werbung mit dem Verkauf von virtuellen Immobilien, Hüten, Waffen, und anderen digitalen Statussymbolen. „Die Nettoeinnahmen nach der Auszahlung der Entwickler belaufen sich auf Milliarden pro Jahr“, schrieb Rubin.

Menschen müssten sich im Metaverse begegnen und sich verlieben können, führt Rubin an einem fiktiven Nutzerbeispiel aus. Ähnlich äußerte sich Rubin ebenfalls 2018 öffentlich: „Wenn sich Menschen in 15 Jahren nicht in VR begegnen und heiraten, dann haben wir was falsch gemacht. Bei Facebook oder Instagram passiert das die ganze Zeit.“

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Rubin plante Facebooks Metaverse-Monopol

Dieses Metaversum müsse so groß und komplex werden, dass es den verantwortlichen Facebook-Teams Angst bereite, erklärt Rubin. Alles andere sei ein „Mini-Verse“ und würde den Ansprüchen der Nutzer:innen nicht genügen. Nur ein „massiver Launch“ eines vollständig ausgereiften Metaversums könne die Aufmerksamkeit von VR-Zweiflern gewinnen.

Rubin schlug ein Team mit mindestens 100 erfahrenen Spieleentwickler:innen vor, das nur durch Übernahmen zu erreichen sei. Facebook kaufte in den letzten rund zwei Jahren sechs VR-Studios auf, darunter mit Ready at Dawn eines, das Rubin in seinem Dokument empfahl.

2018 pitchte Rubin außerdem einen aggressiven Metaverse-Alleingang seitens Facebook mit dem Ziel, mögliche Konkurrenz im Keim zu ersticken: „Wir sollten das Metaverse nicht mit dem Ziel aufbauen, anderen Plattformen dabei zu helfen, Kunden zu gewinnen und zu binden“, schrieb Rubin. „Lasst uns das Metaverse aufbauen, um sie davon abzuhalten, überhaupt sinnvoll im VR-Geschäft mitzumischen.“

Google Daydream „ein Witz“, Sony ohne großes VR-Interesse

Apple und Google seien bislang bei VR nicht signifikant in Erscheinung getreten. Googles eingestellten VR-Versuch Daydream bezeichnete Rubin als „einen Witz“. Dass Google Daydream beinahe von heute auf morgen fallen gelassen hat, soll, nebenbei bemerkt, mit einer durch Apple ausgelösten Strategieänderung auf AR gelegen haben.

Auf der CES 2018 enthüllt Lenovo wie erwartet Mirage Solo, nennt aber weder den Preis noch ein genaues Erscheinungsdatum.

Mit Lenovo Mirage Solo hatte Google schon 2018 eine gute Daydream-Raumtracking-Brille am Markt. Leider fehlte das passende Eingabegerät, was den Nutzen der VR-Brille zu stark einschränkte, und es fehlten Inhalte. Für Rubin war Googles VR-Versuch schlicht „ein Witz“. | Bild: Lenovo

Sony war laut Rubin damals auf die Playstation 5 fokussiert und zog Investitionen aus VR ab, HTC sei unzufrieden mit Valve, andere Hardware-Hersteller würden bei SteamVR nicht das große Geschäft vermuten und würden lieber auf die Oculus-Plattform. Valve investiere nicht in derselben Größenordnung wie Facebook. Eine optimale Ausgangssituation also für das von Rubin angestrebte Metaverse-Monopol:

„Das erste Metaversum, das sich wirklich durchsetzt, wird wahrscheinlich auch das letzte sein“, schrieb Rubin. „Wir müssen zuerst handeln und groß rauskommen, oder wir riskieren, einer dieser Möchtegerns zu sein.“

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Rubin schlug vor, die PC-Rift-Plattform für weitere Brillen zu öffnen, um den Wert der eigenen Plattform zu steigern und gleichzeitig den anderer Plattformen zu reduzieren. Wenn Oculus dann der PC- und der Standalone-VR-Markt gehöre, könne außerdem ein „desinteressiertes Sony“ beim Wettbewerb um Entwickler und Apps ausgestochen werden.

Facebook zu Meta – vom Alleingänger zum Teamplayer?

Bei der Vorstellung seiner Metaverse-Pläne gibt sich Meta-Chef Mark Zuckerberg heute kollaborativ: Schon bei der ersten Enthüllung seiner 3D-Plattform-Idee betonte er, Facebook könne das Metaverse nicht allein bauen, es benötige viele Unternehmen und Partner.

In einer aktuellen Stellungnahme zum geleakten Dokument betont auch Rubin, dass Facebooks heutige Herangehensweise an das Metaversum auf Kollaboration und eine Schritt-für-Schritt-Entwicklung ausgerichtet sei, „weil es lange dauern wird“. Sein Pitch damals sei einer von mehreren gewesen.

„Damals hatten viele Leute Visionen vom Metaverse, und es gab verschiedene Dokumente mit unterschiedlichen Meinungen“, sagt Rubin heute. „Ich wollte meine eigene veröffentlichen. Das ist die Art und Weise, wie wir hier bei Facebook Dinge erschaffen. Es gibt eine Menge Ideen, eine Menge Leute und sie kochen irgendwie hoch. Ich würde gerne glauben, dass einiges davon nützlich war.“

„Es war immer klar, dass der Schlüssel zum Erfolg darin liegt, in Produkte zu investieren, die von den Verbrauchern gewünscht werden, dass wir das Metaverse nicht allein aufbauen können und dass die Zusammenarbeit mit Entwicklern, Kreativen und Experten entscheidend sein wird“, sagt ein Meta-Sprecher zu CNBC.

Zuckerberg gibt Einblicke in die Metaverse-Werkstatt

Zuckerberg ignorierte Rubins Rat in einem weiteren Punkt: Der heutige „Vice President für Metaverse Inhalte“ empfahl seinem Chef, das Metaverse-Konzept erst zu präsentieren, wenn Facebook den Wettbewerb vor vollendete Tatsachen stellen könnte mit einer Vorstellung, die „Schrecken und Furcht“ (Shock and Awe) auslösen könne.

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Zuckerberg entschied sich gänzlich anders: Schon im Herbst 2019 stellte er „Facebook Horizon“ vor, ein Bauteil des Metaversums. Die App fliegt seitdem in einem Beta-Test unter dem Radar. Jubelstürme löste die Vorstellung nicht aus.

Auch bei seiner aktuellsten Präsentation zum Metaverse auf der Connect 2021 warf Zuckerberg mehr Fragen auf, als er Antworten gab. Viele der vorgestellten Konzepte sind allein rein technisch Jahre entfernt – von sozialen Aspekten nicht angefangen.

Das wirkt so, als wolle Zuckerberg im Metaverse-Kontext ohne jeden Zweifel als Pionier wahrgenommen werden, als der visionäre Firmenchef, der sich lange vor Apple, Google und Co. zur Metaverse-Vision bekannte. Das ist Zuckerberg zweifelsohne gelungen. Jetzt muss ihm nur noch das Metaverse gelingen.

Weiterlesen über das Metaverse:

Quelle: CNBC, Twitter