Die VR-Filmreihe The Messy Truth will gesellschaftliche Probleme wie Rassismus und Sexismus nachvollziehbarer machen, indem es Zuschauer in die Opferrolle schlüpfen lässt. Auf der diesjährigen Emmy-Preisverleihung gewann The Messy Truth den renommierten US-Fernsehpreis in der Kategorie “Hervorragender interaktiver Inhalt”.

Ich setze mir die VR-Brille auf und finde mich im Körper eines afroamerikanischen Jungen wieder, der mit seinem Vater (Winston Duke) zu einer Familienfeier fährt. Plötzlich nähert sich ein Streifenwagen und der Vater muss anhalten. Die Polizisten fordern den Vater mit herablassenden Kommentaren und einem aggressiven Verhalten heraus. Als kleiner Sohnemann sitzt man hilflos und stumm auf dem Beifahrersitz und schaut zu, wie die Situation eskaliert.

The Messy Truth (ins Deutsche übersetzt: “Die komplizierte Wahrheit”) beschäftigt sich episodisch mit gesellschaftlichen Problemen in den USA und andernorts. In der ersten Folge geht es um Rassismus und Polizeigewalt.

Die zweite Episode behandelt sexuelle Belästigung: Man schlüpft in die Haut einer Kellnerin, die mit einer Arbeitskollegin (Brie Larson) auf ihren Chef wartet. Der Grund: Das Mitarbeitergespräch steht an. Als der Chef ankommt, demütigt er die Arbeitskollegin und schickt sie fort. Anschließend wendet er sich einem selbst zu, macht anzügliche Kommentare, greift unter den Tisch und macht unmissverständlich deutlich, auf welche Weise man das Gehalt aufbessern kann.

Erfahrung geht über Wissen

Beide Filme beruhen auf wahren Begebenheiten und dauern nur wenige Minuten. Das reicht, um den Zweck der VR-Erfahrung zu erreichen: Sie soll Zuschauer in konkrete Situationen versetzen, virtuell ein Stück weit zu Betroffenen machen und so auf unmittelbarere Art mit Rassismus und Sexismus konfrontieren.

“Manchmal scheint es fast unmöglich, nachzuvollziehen, was Menschen einer anderen Rasse, eines anderen Geschlechts oder einer anderen Weltsicht durchmachen”, sagt der afroamerikanische Fernsehmoderator, Buchautor und Aktivist Van Jones, der die VR-Filmreihe ins Leben rief. Mit Virtual Reality will Van Jones aufrütteln und Verstehensprozesse auslösen.

Die VR-App nutzt das optische Handtracking (Infos) der Oculus Quest und passt zu Immersionszwecken Hautfarbe und Form der Hände an die der verkörperten Figuren an, was die Identifikation verstärken soll.

Hochkarätige Besetzung

Für die Umsetzung tat sich Van Jones mit dem Regisseur Elijah Allan-Blitz und der VR-Filmproduktionsfirma RYOT zusammen. Gemeinsam produzierten sie zwei Folgen, weitere sind in Arbeit.

In den ersten beiden Episoden spielen Avengers-Stars wie Winston Duke und die Oscarpreisträgerin Brie Larson mit. Für weitere Folgen sind Josh Brolin und Zoe Saldana vorgesehen, die ebenfalls in den Superheldenverfilmungen auftraten.

Auf der Emmy-Preisverleihung Mitte September setzte sich The Messy Truth VR in der Kategorie “Hervorragender interaktiver Originalinhalt” gegen die VR-Dokus Rebuilding Notre Dame und When We Stayed Home durch. Der animierte VR-Film The Line (Filmkritik) gewann zuvor einen Jury-Emmy für Innovation. Die BBC-Erfahrung Doctor Who: The Runaway ging hingegen leer aus in seiner Kategorie.

The Messy Truth VR ist noch auf keiner VR-Plattform erschienen, kann jedoch für Oculus Quest heruntergeladen und via Sideloading (Anleitung) auf der VR-Brille installiert werden. Die Downloadlinks findet man auf der offiziellen Internetseite.

Bei einem Testlauf bekam ich nur die erste Folge zum Laufen. Alternativ kann man die beiden Folgen auch bei Youtube ansehen.

Titelbild: Van Jones / RYOT

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