The Line wurde diese Woche mit einem weiteren Preis ausgezeichnet: dem renommierten Emmy. Grund genug, den VR-Film einmal genauer anzusehen.

The Line rollt eine romantisch-süße Modellbauwelt vor mir aus aus: Ich stehe vor der Miniaturkopie eines Quartiers der Stadt São Paulo in den 40er Jahren. Hier läuft alles auf Schienen, elektrisch, nach Plan.

Das gilt auch für den Zeitungsjungen Pedro, der jeden Tag nach dem gleichen Muster seinen Pflichten nachkommt. Nur an einem Ort und Zeitpunkt in seinem Alltag gibt er sich einer Abschweifung hin und sammelt eine gelbe Blume ein.

Die hinterlässt er heimlich der Floristin Rosa, in die er schon lange verliebt ist. Das Ritual wiederholt sich jeden Tag, ohne dass er den Mut aufbringt, ihr seine Liebe zu gestehen. Bis eines Tages etwas Unerwartetes geschieht, Pedro ein Wagnis eingeht und von seinem vorbestimmten Pfad abkommt.

Handtracking: Eher Gimmick als Bereicherung

Über den weiteren Verlauf der Geschichte soll an dieser Stelle nichts verraten werden. Nur so viel sei gesagt: The Line ist eine philosophische Parabel auf selbstauferlegten Determinismus, das Joch des Alltags und der Routine, aber auch von der Bereitschaft und dem Mut, aus alledem auszubrechen und dafür Glück und Freiheit zu erlangen.

Als Zuschauer nehmen wir eine quasi göttliche Außenperspektive ein, schauen dem Treiben zu und helfen nach, wo die Geschichte ins Stocken gerät: Am Rand des Modellbautisches sind Instrumente eingelassen, die wir durch Ziehen, Drehen und Drücken bedienen. Wer eine Oculus Quest besitzt, kann dies dank des optischen Handtrackings (Infos) mit den eigenen Händen tun. Das funktioniert teils nur mit Aussetzern, fühlt sich daher noch nicht natürlich an. Hier muss die Technik noch reifen.

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Für Pedro verläuft das Leben in Schienen, weil er sich nichts traut. | Bild: Arvore

Die Miniaturwelt ist hübsch gestaltet und lädt so zur näheren Betrachtung ein – zumindest in der PC-VR-Version. Auf der Oculus Quest leiden die Geometrie und Texturen und viele Details gehen verloren.

The Line kann man sich im Sitzen oder Stehen anschauen. Wer das Stehen bevorzugt, hat reichlich Gelegenheit, am Modellbautisch entlangzugehen und muss sich an einer Stelle sogar bücken und unter den Tisch spähen, um der Geschichte zu folgen. Hier trumpft die kabellose Oculus Quest auf.

Von zuckersüßer Naivität

Der Film hat bei mir ein zwiespältiges Gefühl hinterlassen. Ich fand die Geschichte gut erzählt, deren Inhalt aber zu süß, flach und naiv, um Wirkung zu entfalten. So stellten sich mir viele Fragen, die mit unserer aller Wirklichkeit zu tun haben:

Was passiert mit Pedro und Rosa nach ihrer neugewonnenen Freiheit, ihrem Ausbruch aus der Starrheit, Sicherheit und Linearität ihres bisherigen Lebens? Können sie ihre Modellbauwelt verlassen und wohin gehen sie? Und was ist unsere Rolle als Zuschauer und Gott, der festgeschriebene Ereignisse auslöst, aber die Geschichte nicht weiter beeinflussen kann? All diese erst eigentlich interessanten Fragen behandelt der Film nicht.

Die Kritiker hat The Line jedenfalls überzeugt: Der VR-Film erhielt diese Woche einen Primetime Emmy und letztes Jahr bei Venice VR eine Auszeichnung als beste immersive Erfahrung.

Weitere mit einem Emmy ausgezeichnete VR-Filme sind Henry, The People’s House, Pearl, Crow: The Legend und Wolves in the Walls. Diese und mehr findet ihr in unserem Artikel Die besten VR-Filme.

The Line könnt ihr hier kaufen:

Unterstützte GerätePlattformPreis
Oculus Rift (S)Rift Store4,99 Euro
Oculus QuestQuest Store4,99 Euro
HTC Vive (Cosmos), Oculus Rift (S)Steam3,99 Euro
HTC Vive (Cosmos), Oculus Rift (S)Viveport4,99 Euro

Titelbild: Arvore

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