Das chinesische AR-Unternehmen Rokid will lieber durch Brillen schauen statt auf Displays.

“Dogfooding” nennt man es, wenn Tech-Unternehmen ihre Hard- und Software zuerst im eigenen Unternehmen einsetzen. Eben das macht gerade das 2014 gegründete AR-Unternehmen Rokid, das auf Datenbrillen spezialisiert ist: Alle TVs und Projektoren in den eigenen Büros wurden im Mai durch das neueste Modell Rokid Glass 2 ersetzt.

Auf der Bildschirmbrille vorinstalliert ist ein AR-Meeting-System, über das Rokid laut eigenen Angaben alle eigenen Meetings organisiert. Durch ein integriertes 4G/5G-Modul soll Rokid Glass 2 so zu einem “portablen Konferenzraum” werden, schreibt das Unternehmen.

Spezielle Meeting-Funktionen wie Echtzeit-Notizen, Bildschirm teilen und Multi-Screen-Displays sollen die Zusammenarbeit erleichtern.

Smartphone-Brille Vision auch für den Privatgebrauch

Laut des Herstellers ist Rokid Glass 2 90 Gramm leicht und bietet ein Display mit 1.280 mal 720 Pixeln bei einem 40-Grad-Sichtfeld.

Rokid Glass 2 soll sich gut für das Lesen von Dokumenten eignen oder für Video-Meetings. Beim Tracking wird nur die Rotation des Kopfes erfasst. Bewegungen nach vorne und hinten – beispielsweise für einen Zoom per Kopfbewegung – sind nicht möglich.

Gesteuert wird die Brille per Sprache, außerdem bietet sie KI-gestützte Objekterkennung. Die Gläser und Linsen können für unterschiedliche Einsatzzwecke ausgetauscht werden, beispielsweise können Korrekturgläser eingesetzt werden.

Mikrofon, Lautsprecher, ein 9-Achsen-IMU sowie eine 8-Megapixel-Kamera sind integriert. Der externe und per USB-C verbundene Akku soll bis zu acht Stunden durchhalten. Die Brille kann zusammengeklappt und so einfacher verstaut werden.

Rokid Glass 2 ist für Unternehmen gedacht und soll im zweiten Halbjahr 2020 auf den Markt kommen. Die Produktion soll seit Mai laufen.

Rokids nächstes Modell soll auch für Privatnutzer interessant sein: Rokid Vision ist eine AR-Brille für Smartphones mit sechs Freiheitsgraden, also räumlicher Bewegung. Die Vision-Brille unterstützt dadurch zum Beispiel 3D-Spiele.

In Rokid Vision steckt ein neuer XR-Prozessor von Huawei mit integrierter Grafik und einem für KI-Berechnungen optimierten Chip. Der Prozessor soll Videos mit bis zu 8K-Auflösung abspielen können. Ein Veröffentlichungszeitraum für die Vision-Brille ist noch nicht bekannt.

China treibt den Datenbrillenmarkt an

Mit einer Finanzierung über rund 160 Millionen US-Dollar und einigen hundert Angestellten gehört Rokid zu den Schwergewichten der chinesischen Datenbrillen- und AR-Branche.

Neben Rokid wollen weitere Tech-Brillenhersteller wie Nreal, 0glasses und Pacific Future noch in diesem Jahr alltagstaugliche – oder zumindest für Privatnutzer geeignete – Geräte auf den Markt bringen.

Tested Nreal Light Nahaufnahme

Die AR-Brille Nreal Light kommt bei ersten Tests gut weg. Insbesondere das Display soll überzeugen. In Deutschland will die Telekom die Brille in Kombination mit 5G vermarkten. | Bild: Nreal

Das ist im Vergleich zum westlichen Markt eine interessante, weil gegenläufige Entwicklung: Mit Magic Leap hat der finanziell stärkste US-AR-Brillenhersteller gerade erst den Konsumentenmarkt für mehrere Jahre aufgegeben.

Apple und Facebook forschen sicher an Digitalbrillen, scheuen sich bislang jedoch, ein Produkt zu zeigen. Die deutsche Telekom beispielsweise hat sich mit Nreal einen chinesischen Partner gesucht, um Brillen-basierte Mixed Reality in den Massenmarkt zu bringen.

Die westliche Fahne hält der kanadische Hersteller North hoch, der mit Focals 2 eine vielversprechende Smartphone-Datenbrille in Arbeit hat.

Auch das US-Startup Kura AR hat laut eigenen Angaben ein starkes Brillenprojekt in Entwicklung. Kura AR ist allerdings nicht ansatzweise so gut finanziert wie die Konkurrenz aus China. Hier scheint eine Übernahme durch einen Konzern wie Apple oder Facebook wahrscheinlicher als eine Produktveröffentlichung.

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