Das US-Startup Kura stellt eine neue AR-Brille vor, die im Grunde zu gut klingt, um wahr zu sein – aber es vielleicht dennoch ist?

Das 2016 im Silicon Valley gegründete Startup Kura ist laut eigenen Angaben spezialisiert auf die Entwicklung von AR-Displays und -Linsen der nächsten Generation.

Gegründet wurde es vom Produktdesigner Alexander Turin und der Ingenieurin Kelly Peng. Turin verließ das Unternehmen im Juni und heuerte bei Meta View an, dem Nachfolgeunternehmen des pleitegegangenen AR-Brillenherstellers Meta.

Kura Gallium: “AR-Brille für die Masse”

Peng und ihre wenigen Kollegen bastelten alleine weiter und stellen jetzt “Kura Gallium” vor, eine “AR-Brille für die Masse”, die Spezifikationen bietet, wie man sie sich von einer Next-Gen-AR-Brille wünscht.

Die größte Schwachstelle aktueller AR-Brillen, das enge Sichtfeld, überbietet Kura deutlich: Rund 150 Grad Sichtfeldweite soll die Brille bieten und das bei einer Auflösung von bis zu 8K bei 75 Hz. Weitere Auflösungen sind 6K bei 100 Hz oder 4K bei 144 Hz. Die Auflösung soll pro Auge justierbar sein.

Möglich wird das weite Sichtfeld durch ein neues Wellenleiter-Display-Verfahren, das Kura als “Structured Geometric Waveguide” bezeichnet.

Über Mikrospiegel und die kleinen Löcher in der Brille werden reales Bild und digitale Projektion vermischt. Schaut der Nutzer durch die Gläser, sieht er beide Elemente übereinandergelegt. Bild: Kura

Über Mikrospiegel und die kleinen Löcher in der Brille werden reales Bild und digitale Projektion vermischt. Schaut der Nutzer durch die Gläser, sieht er beide Elemente übereinandergelegt. Bild: Kura

Ausgehend von den Löchern in den Gläsern der Brille macht es sich wahrscheinlich den “Lochkamera-Effekt” zunutze: Für das menschliche Auge unsichtbare Mikrospiegel in Kombination mit Lochblenden vermischen reales und digitales Bild und leiten das Licht weiter ins Auge. Das folgende Video stammt von einem früheren Prototyp.

Das koreanische Brillen-Startup LetinAR stellte im Februar in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut eine ähnliche Displaytechnologe vor mit einem Sichtfeld von circa 120 Grad bei 4K-Auflösung.

Kura wirbt mit einem für AR-Brillen extrem weiten Sichtfeld, das die Konkurrenz deutlich in den Schatten stellt. Bild: Kura

Kura wirbt mit einem für AR-Brillen extrem weiten Sichtfeld, das die Konkurrenz deutlich in den Schatten stellt. Bild: Kura

Leicht und hell

Die Transparenz der Gläser liegt laut Kura bei 95 Prozent. Die Displays sollen dennoch “echtes Schwarz” und eine Helligkeit von 4000 nit bieten, HDR-tauglich sein und ab zehn Zentimeter durchgehende Tiefenschärfe haben dank eines integrierten Eye-Tracking-Systems. Das misst auch den korrekten Augenabstand automatisch ein und justiert das Bild passend.

Das Design der Brille erinnert an eine herkömmliche Brille, sie ist auch ähnlich leicht: 80 Gramm wiegt das Gestell, der Taschencomputer mit Batterie (sechs Stunden Laufzeit) und Prozessor liegt bei 200 Gramm.

Kura Gallium: Wenn die Technologie echt ist, sollten die Investoren Schlange stehen ... Bild: Kura

Kura Gallium: Wenn die Technologie wie beschrieben funktioniert, sollten die Investoren Schlange stehen … Bild: Kura

So wie Hololens oder Magic Leap unterstützt die Kura-Brille Bewegung im Raum über im Gestell integrierte Kameras und Sensoren. Ein beigelegter Controller soll ebenfalls Raumbewegung bieten.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Womöglich. Der XR-Interface-Entwickler Noah Zerkin jedenfalls gibt bei Twitter an, die Technologie – wenn auch nicht in einer Brille verbaut – im Einsatz gesehen zu haben. Ohne diese Demo hätte er dem Startup nicht geglaubt, aber die Angaben sollen stimmen. Laut Zerkin ist es nur eine Frage der Zeit, bis Kura von einem größeren Unternehmen aufgekauft wird.

Sollte so eine Übernahme nicht zeitnah geschehen, will Kura Gallium ab Mitte 2020 verkaufen. Der Preis für das komplette Paket mit Taschencomputer liegt dann bei 1.200 US-Dollar.

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