So sieht der Magic-Leap-Gründer die Zukunft der Augmented Reality

So sieht der Magic-Leap-Gründer die Zukunft der Augmented Reality

Rony Abovitz scheiterte mit Magic Leap an seiner voreiligen Vision, AR-Brillen in den Massenmarkt zu bringen. Wie denkt er über Augmented Reality ein Jahr nach der Beinahe-Pleite?

Abovitz wollte eine fortschrittliche AR-Brille für die Massen entwickeln und damit die nächste Computerplattform begründen. Mit einem kühlschrankgroßen Display-Prototyp und großen Versprechen sammelte der AR-Visionär mehr als zwei Milliarden Risikokapital für sein Start-up Magic Leap ein.

Dieses forschte und entwickelte jahrelang an einer angeblich revolutionären AR-Brille, die sich letzten Endes als konventionelles Stück AR-Technologie entpuppte: Die AR-Brille Magic Leap 1 (Test) war teuer, sah nerdig aus und brachte AR-Technik kaum voran. Dem Start-up gelang es nicht, den Display-Prototyp so weit zu miniaturisieren, dass er im Brillenformat Verwendung finden konnte.

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Das Produkt floppte und brachte das Start-up an den Rand des Bankrotts, da das Risikokapital zur Neige ging und Magic Leap kaum Umsatz machte. Eine neuerliche Investition rettete das Start-up, doch Abovitz musste den Hut nehmen.

Unter neuer Führung wird das Start-up derzeit neu ausgerichtet. Anfang 2022 kommt Magic Leap 2 in den Handel und wird allein an Unternehmen statt Endverbraucher vermarktet.

Magic-Leap-CEO Rony Abovitz, der den Hype wie kein anderer befeuerte, zeigt sich reumütig und blickt der zweiten und dritten Generation der AR-Brille entgegen.

Magic Leaps AR-Brille sollte das Smartphone ersetzen – und wurde stattdessen zu einem der größten Flops der Techgeschichte. | Bild: Magic Leap

Abovitz vergleicht AR-Brillen mit der Mondlandung

Dem Optimismus des AR-Visionärs Abovitz hat all dies nicht geschadet, im Gegenteil. In einer Reihe von Tweets schaut der Unternehmer in die Glaskugel und sagt die Zukunft der Technologie voraus. Und die sieht laut Abovitz rosig aus.

Die Phase zwischen 2012 und 2021 sei geprägt von technischen Machbarkeitsnachweisen, aus denen sich der weitere Technologie-Fahrplan ergebe, schreibt Abovitz. Zwischen 2022 und 2030 würde der kollektive Eindruck einstehen, dass ein Durchbruch in Sachen AR-Technik möglich und wahrscheinlich sei, wobei der volle Paradigmenwechsel erst nach 2030 stattfinden werde.

Abovitz bedient sich einer Raumfahrt-Metapher und teilt die Entwicklungsphasen der Technologie in Mercury-Phase, Gemini-Phase und Apollo-Phase. Wir erinnern uns: Das Ziel der Mercury-Phase war es, Menschen in den Orbit zu bringen, die Gemini-Phase schuf die technischen Grundlagen für die Mondlandung und mit dem Abschluss der Apollo-Phase gelang dieses große Vorhaben schließlich.

Abovitz: „Auf der technischen Seite läuft es gut“

Laut Abovitz steckt die Industrie immer noch in der Mercury-Phase und wird um 2025 herum die Gemini-Phase betreten. Die Apollo-Phase schließlich werde wahrscheinlich gegen das Ende des Jahrzehnts hin beginnen.

Skeptiker könnten Abovitz entgegnen, dass noch nicht einmal die Rakete erfunden wurde. Schließlich gibt es noch immer keine Display-Technologie, die den hochfliegenden Vorstellungen der AR-Visionäre Marke Abovitz auch nur im Ansatz gerecht würde. Weshalb die Zeitpläne für massentaugliche AR-Brillen auch immer weiter nach hinten geschoben werden.

Wird ausreichend Zeit, Geld und Talent die grundlegenden technischen Probleme lösen und fortschrittliche Augmented Reality ermöglichen, wie man sie aus Sci-Fi-Filmen kennt? Der AR-Hype-Kritiker und Display-Experte Karl Guttag bezweifelt das.

Technologisches Versagen würde von jedem ernsthaften Akteur und Investor erwartet und man müsse dieses vom Scheitern am Markt trennen, schreibt Abovitz weiter. Das Kollektiv der Forscher lerne schnell und sei erfolgreich. „Auf der technischen Seite läuft es gut“, sagt Abovitz.

Die Unausweichlichkeit des AR-Durchbruchs

Die echten Probleme sieht er bei der Informationsvermittlung: Dass AR-Produkte am Markt scheiterten, sei ein „komplexes Phänomen“, dass besserer Kommunikation und mehr Verständnis seitens Unternehmen, Presse, Entwickler und Kunden bedürfe.

Diese Aussage wirkt wie eine Selbstparodie. Schließlich befeuerte Abovitz den AR-Hype wie kein anderer und täuschte die Öffentlichkeit hinsichtlich dessen, wozu Magic Leaps Technologie wirklich in der Lage ist.

Das größte Versagen des Sektor bestehe letzten Endes in dessen Narrativ, sagt Abovitz: Die Industrie habe Beweise für eine fast wundersame Tech-Zukunft geliefert, aber der Zeitplan und die Schritte bis zur Spitze des Berges seien allesamt Schätzungen, die sich mit jeder Tech-Iteration ändern. Relativiert das nicht Abovitz‘ eigene Voraussagen?

Seine Botschaft ist jedenfalls klar: Die Frage ist nicht ob, sondern wann der AR-Durchbruch gelingt. Gut für Abovitz, dass die Bringschuld derzeit nicht mehr bei ihm liegt. Er befasst sich derzeit mit KI-Wesen für virtuelle Welten.

Quelle: Twitter, Titelbild: Microsoft

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