Facebooks neue VR-Brille Oculus Quest zeigt, dass wir zukünftig in zwei Räumen leben können: real und virtuell.

Die für mich spannendste Funktion an Oculus Quest ist, wie die VR-Brille die reale Wohnung vermisst und in einen virtuell begehbaren Raum verwandelt.

Direkt beim ersten Aufsetzen sieht man die Umgebung durch die Kameras der VR-Brille und wird dazu aufgefordert, die Grenzen des VR-Bereichs einzuzeichnen. Dafür deutet man einfach mit den Controllern auf den Boden und malt eine virtuelle Grenze in die Realität.

Video: Tested, Ausschnitt

Doch mit Oculus Quest kann man einen Schritt weitergehen – oder ganz viele Schritte, um genau zu sein. Denn bei meinen Tests konnte ich problemlos circa 50 bis 60 Quadratmeter meiner Wohnfläche digitalisieren.

Während ich also in der Realität mit der Brille auf dem Kopf vom Arbeitszimmer über den Flur ins Wohnzimmer laufe, durchquere ich in der Virtual Reality eigentlich gerade das Oculus-Wohnzimmer oder die Welt von Superhot VR.

Video: Die Linien auf dem Boden zeigen den Trackingbereich und den Grundriss meiner Wohnung. In diesem Bereich kann ich mich frei durch VR-Welten bewegen.

Video: In Superhot VR spaziere ich so in Bereiche, die dafür eigentlich gar nicht vorgesehen sind.

Bei meinem virtuellen Marsch zeigt mir ein digitales Gitternetz die Grenze meines Bewegungsradius. So fühle ich mich recht sicher. Klar, ein bisschen vorsichtiger laufe ich schon und taste mich durch den Türrahmen. Aber das ist wahrscheinlich nur eine Frage der Gewohnheit.

Außerdem kann ich mich jederzeit orientieren: Sobald ich den Kopf durch das Gitternetz strecke, schaltet Quest auf eine 3D-Durchsicht in die Realität um. Die ist zwar etwas verzerrt, aber ausreichend, um mal schnell einen Schluck Wasser zu trinken.

Video: Virtual Reality Oasis, Reddit

Der Raum im Raum mit Oculus Quest

Was genau fasziniert mich an Wohnungs-VR? Nun, es ist die Tatsache, dass mit Oculus Quest in meiner realen Wohnung eine zweite Wohnung zu existieren beginnt – eine rein virtuelle Variante des gleichen Raumes.

Über dieses Potenzial schrieb ich schon vor Jahren und das nicht nur einmal, sondern ziemlich oft.

Mit Oculus Quest ist jetzt das erste bezahlbare, einfach zu handhabende und technisch ausreichend gute Gerät am Markt, um diese Vision zumindest ansatzweise zu konkretisieren.

Video: In der Realität laufe ich durch meine Wohnung. Virtuell durchquere ich so das Oculus-Wohnzimmer.

Bevor jetzt jemand deshalb loszieht und die Quest-Brille kauft: Wohnungs-VR mit Quest wird eher keine große Sache.

Das Sicherheitsrisiko dürfte Facebook und Entwicklern zu hoch sein, die Brille scannt außerdem nur Böden und die Rechenleistung ist etwas zu schmal für wirklich aufwendige VR-Anwendungen über mehrere Räume hinweg.

Aber Quest ist der erste Vorgeschmack darauf, wie eine zukünftige Visor-Generation real und virtuell nahtlos vermischt und Räume multidimensional macht. Dieser neue digitale Raum könnte beliebig eingerichtet werden, beispielsweise für Arbeit, Unterhaltung oder Entspannung.

Virtuelle Ahnengalerie für die besonderen Tage

Mit Quest könnte ich mir zum Beispiel eine VR-Galerie vorstellen, die exakt in meine vorgezeichnete VR-Fläche passt. In dieser Galerie könnte ich Fotos aufhängen, die mir wichtig sind – aber die ich nicht jeden Tag in meiner Echtweltwohnung sehen mag.

Interessant wäre eine virtuelle Heimatbasis wie bei Oculus Home, die sich in den Grundriss meiner echten Wohnung einfügt und in die ich andere Menschen einladen kann. Auch zufällig generierte, endlose VR-Räume wie bei der VR-App “Tea for God” könnten den Realraum digital ausfüllen.

Natürlich sind die beschriebenen Anwendungen ohne Wohnungs-VR möglich. Man muss nicht durch die reale Wohnung laufen, um sich virtuell fortzubewegen. Dafür gibt es ja eigentlich den Joystick oder den Teleport. Diese Fortbewegungsmethoden sind sogar praktischer, weil flexibler und sicherer.

Aber es ist eben die Bewegung auf den eigenen zwei Beinen, die die VR-Welt viel glaubhafter macht – und Wohnungs-VR mit Quest so faszinierend.

Letzte Aktualisierung am 21.07.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: Tested, Screenshot

Weiterlesen über Oculus Quest:


MIXED-Podcast #150: Valve Index und Apples AR-Augen | Alle Folgen


Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.