Lynx: Autarke XR-Brille mit attraktivem Preis, Kickstarter angekündigt

Lynx: Autarke XR-Brille mit attraktivem Preis, Kickstarter angekündigt

Das Pariser Start-up Lynx macht eine 180-Grad-Drehung: Die gleichnamige XR-Brille wird nun primär an Konsumenten statt Unternehmen vermarktet und soll zu einem erschwinglichen Preis in den Handel kommen.

Die Lynx-Brille sollte ursprünglich 1.500 US-Dollar kosten und vornehmlich an Unternehmen verkauft werden. Nun senkt das Start-up den angepeilten Preis um ein Vielfaches und nimmt eine breitere Zielgruppe in den Fokus. Wie viel die XR-Brille genau kosten soll, will Gründer und CEO Stan Larroque in den kommenden Wochen verraten. Nur so viel: Der Preis soll „wenige hundert US-Dollar“ betragen, womit Lynx preislich mit Oculus Quest 2 (Infos) konkurrieren könnte.

Erstmals vorgestellt wurde das bislang einzigartige Gerät im Februar 2020. Die Lynx-Brille ist autark, besteht aus einem kompakten Gehäuse und unterstützt Augmented Reality via Videodurchsicht. Das heißt: Zwei im Gehäuse integrierte und nach außen gerichtete Kameras zeichnen die physische Umgebung des Nutzers auf und streamen diese auf die Displays, wo sie beliebig um AR-Elemente erweitert werden können.

Diese Technik ist deshalb vielversprechend, weil sie viele grundlegende Probleme transparenter AR-Optik löst (siehe dazu mein Artikel Vergesst AR-Brillen! VR-Brillen sind die Zukunft) und sowohl VR als auch AR darstellen kann, weshalb auch Apple auf Videodurchsicht-AR wettet. Für den VR-Modus bietet Lynx eine Abschirmung, die die periphere Sicht auf die Umgebung verdeckt und per Magnethalterung leicht am Gehäuse befestigt werden kann.

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Das Lynx-Gerät ist nicht nur die erste autarke XR-Brille, deren Gehäuse ist auch erstaunlich kompakt. Gut auf dem Bild zu sehen: Die einzigartigen Linsen des Geräts, die die schmale Bauform ermöglichen. | Bild: Lynx

Keine Blickerfassung, dafür besseres Handtracking

Das Gerät durchlief seit der ersten Vorstellung Anfang 2020 mehrere, teils tief greifende Revisionen. Am finalen Produkt, das Larroque gestern in einem Livestream ankündigte und Anfang 2022 ausgeliefert werden soll, hat das Start-up erneut Änderungen vorgenommen.

Die XR-Brille soll demnach aus Kosten- und Komplexitätsgründen kein Eye-Tracking mehr bieten. Dafür hat Lynx in zwei separate Handtracking-Kameras investiert, die die Hand- und Fingererfassung spürbar verbessern sollen. Bislang waren die fürs Raumtracking genutzten Kameras für diese Aufgabe zuständig, was laut Larroque nicht gut funktionierte. Für das Handtracking kommt wie gehabt Ultraleap-Software zum Einsatz.

Lynx hat ferner den hinteren Teil der Kopfhalterung, in dem der Akku untergebracht ist, überarbeitet und etwas schlanker designt, wodurch die XR-Brille bequemer zu tragen sein soll.

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Im Gehäuse sind sechs Sensoren verbaut: Zwei RGB-Kameras für Videodurchsicht-AR, zwei Kameras für Raumtracking sowie zwei auf Handtracking spezialisierte Sensoren samt Infrarot-Illuminatoren. | Bild: Lynx

Kickstarter statt Silicon-Valley-Millionen

Lynx-Gründer Stan Larroque war im Frühjahr im Silicon Valley unterwegs und suchte nach Kapitalgebern. Dabei war er unter anderem beim Oculus-Gründer Palmer Luckey zu Besuch. In einer Videokonferenz erklärte Larroque mir, weshalb er und sein Team sich gegen eine Investitionsrunde entschieden: zum einen seien die Forderungen potenzieller Investoren zu hoch gewesen, zum anderen wolle das Start-up so unabhängig wie möglich bleiben.

Aus diesem Grund setzt Lynx auf eine Kickstarter-Kampagne, die im September beginnen und 30 Tage dauern soll. Wer die XR-Brille seit Anfang 2020 vorbestellt hat, erhält sein Geld vollständig zurückerstattet und einen Rabattcode für die Kickstarter-Kampagne.

Das Kickstarter-Marketing soll im August starten. Lynx will ab dem nächsten Monat in regelmäßigen Abständen Infos zur Kampagne und den Features der XR-Brille veröffentlichen sowie Demos und Spiele zeigen. Anfang des Jahres veröffentlichte Lynx ein Video, das den Blick durch die Linsen zeigt und Videodurchsicht-AR  demonstriert. Laut Larroque werden viele neue Videos dieser Art folgen.

Auslieferungsziel ist der Februar 2022. Wer sich an der Kickstarter-Kampagne beteiligt, erhält eine Special Edition der XR-Brille mit transparentem Gehäuse. Die reguläre Version wird in Schwarz und Grau in den Handel kommen.

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Die limitierte Kickstarter-Edition der XR-Brille kommt mit transparentem Gehäuse. | Bild: Lynx

Ökosystem: Viele offene Fragen

Offen ist, wie das Endverbraucher-Ökosystem aussehen soll. Hier gibt es zwei Optionen für Lynx: ans bestehende VR-Ökosystem andocken oder mit Mixed Reality einen eigenen, neuen Weg gehen.

Letzteres wäre naheliegender, da das Gerät von Grund auf für solche Anwendungen entwickelt wurde und hier seine Stärken ausspielen kann. Die Frage ist freilich, ob Entwickler für diese Nische Inhalte entwickeln werden. Für den Verkauf und Vertrieb von Apps denkt Lynx unter anderem über eine Zusammenarbeit mit Sidequest nach.

Die Lynx-Brille läuft auf Basis von Android und soll OpenXR unterstützen, was bei der Portierung mobiler VR-Spiele helfen dürfte. Aufseiten der Game-Engines unterstützt das Gerät Unity, der Unreal Engine-Support soll Anfang 2022 folgen.

Laut Larroque wird die XR-Brille bei Marktstart per USB-C-Kabel mit einem PC verbunden werden können und SteamVR unterstützen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch drahtloses PC-VR-Streaming möglich sein.

Der größte Nachteil der Lynx-Brille zumindest aufseiten der Virtual Reality sind die fehlenden VR-Controller. Das Start-up will Eingabegeräte von Drittherstellern unterstützen, ein möglicher Partner ist der Hersteller Finch. Auch aus diesem Grund wäre das Start-up wohl am besten damit beraten, in Richtung Mixed Reality und Handtracking zu gehen und hier Innovationen zu schaffen.

Quelle: Youtube, Titelbild: Lynx

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