Mit der Vive Focus 3 bringt HTC eine autarke VR-Brille mit beeindruckenden technischen Eckdaten auf den Markt. Leider jedoch nur für Unternehmen.

Die Vive Focus 3 wurde heute gleichzeitig mit der PC-VR-Brille Vive Pro 2 vorgestellt und teilt sich mit dieser die hochauflösenden LC-Displays mit voller RGB-Subpixelmatrix, neue, eigens entwickelte Fresnel-Linsen im Dual-Stacked-Design und ein überdurchschnittliches weites Sichtfeld von 120 Grad (horizontal).

Rund 4.896 mal 2.448 Bildpunkte kann die VR-Brille maximal darstellen, was 2.448 mal 2.448 Bildpunkten pro Auge entspricht. Zum Vergleich: Die ebenfalls autarke Oculus Quest 2 (Test) schafft gerade mal 1.832 mal 1.920 Bildpunkte. Die Displays der Vive Focus 3 läuft mit maximal 90 Hertz statt 120 Hertz wie bei der Vive Pro 2.

Dank der hochwertigen Optik sind Schriften und selbst feinste Details gut erkennbar, was 3D-Designer und Simulationsnutzer freuen dürfte. Für maximalen Sehkomfort sorgt ein mechanischer IPD-Regler, der für Augenabstände zwischen 57 und 72 Millimeter optimiert ist.

Die Vive Focus Pro 3 hat 8 GB RAM verbaut und wird vom schnellen Snapdragon XR2-Chip befeuert, den HTC in Zusammenarbeit mit Qualcomm für die autarke VR-Brille optimierte. Dank spezieller Kühllösung taktet der Chip höher als in der Oculus Quest 2. Ein im letzten Jahr geleakter Benchmark spiegelt die Taktraten wider, verriet mir HTCs EMEA-Manager Graham Wheeler während der Vorstellung des Produkts. Die VR-Brille soll zwei Stunden am Stück durchhalten, bevor sie geladen werden muss.

Vive Focus 3: Neues Tracking und Controller

Die Vive Focus 3 besitzt ein neues Inside-Out-Trackingsystem. Da die Trackingkameras anders angeordnet sind als bei der Vive Cosmos (Test), wurde das fürs Tracking zuständige neuronale Netzwerk neu trainiert, erklärt Wheeler. Die Cosmos-Brille fiel zum Marktstart durch vergleichsweise schlechtes Tracking auf. Diesen Fehler will HTC mit der Vive Focus 3 nicht wiederholen. Selbst ein Urteil bilden konnten wir uns allerdings noch nicht.

Ein weiterer großer Kritikpunkt an der Cosmos-Brille sind die klobigen, schweren und energiehungrigen VR-Controller, die neue Batterien binnen weniger Stunden leer saugen. Auch hier gelobt HTC Besserung: Die Vive Focus 3 kommt mit neuen VR-Controllern, die ergonomischer und leichter sind, kapazitive Sensoren für Fingertracking bieten, per Infratrotlicht getrackt und via Kabel geladen werden. Nach einer vollständigen Ladung sollen sie 15 Stunden am Stück durchhalten. Eine Handtracking-Lösung, die ohne Controller auskommt, sei in Arbeit und soll im dritten Quartal 2021 erscheinen.

Beim Tracking stellt HTC den Datenschutz in den Vordergrund: Alle Tracking-Daten werden in einem verschlüsselten Format lokal auf der VR-Brille gespeichert.

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Die VR-Controller der Vive Focus 3. | Bild: HTC

 

Austauschbare Akkus und Polsterung

Für höheren Tragekomfort und bessere Gewichtsverteilung entwickelte HTC ein neues Gurtdesign und packte den Akku auf die Rückseite. Der Akku lässt sich binnen Sekunden austauschen. Dank Schnellladefunktion ist er in 30 Minuten zu 50 Prozent geladen. Der Ladezustand ist via LED-Anzeige ersichtlich.

Dank leicht abnehmbaren magnetischen Polstern kann die VR-Brille leicht gereinigt oder abgenutzte Polster ausgetauscht werden. Das Gehäuse der Vive Focus 3 besteht aus einer Magnesiumlegierung, die 20 Prozent leichter und 500 Prozent stabiler
sein soll als herkömmliche Kunststoffe.

Die Vive Focus 3 hat offene Lautsprecher mit einem Doppeltreiberpaar für naturgetreuen, immersiven Klang integriert. Die Lautsprecher berühren die Ohren nicht, was heißt, dass der Benutzer seine Umgebung weiterhin wahrnehmen kann. Eine “Privatsphären-Option” soll das Risiko reduzieren, von Personen in der Nähe belauscht zu werden.

PC-VR-Verbindung geplant

Die Vive Focus 3 soll auch mit einem PC verbunden werden können. Zum Marktstart per Kabel und zu einem späteren Zeitpunkt drahtlos. Einzelheiten dazu sind noch nicht bekannt.

Die VR-Brille nutzt ein neues Betriebssystem namens Vive Reality 2.0, das den Einstieg in die VR-Nutzung erleichtern soll und bietet mit Vive Business eine Software-Suite, mit der Unternehmen das Maximum aus dem Gerät holen sollen.

Die autarke VR-Brille geht am 27. Juni 2021 für 1.180 Euro (nur Headset) in den Handel. Die Vive Focus 3 wird anders als die Vive Pro 2  nicht an Endkunden verkauft. Im Preis inbegriffen sind zwei Jahre Business-Garantie und -Services.  Zusätzliche Akkupacks kosten 92 Euro, ein neues Polsterset 46 Euro. In den Preisen ist die Mehrwertsteuer nicht eingerechnet. Weitere Informationen zum Produkt gibt es auf der offiziellen Internetseite.

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Der Akku befindet sich auf der Rückseite der VR-Brille und kann unkompliziert ausgetauscht werden. Ebenfalls gut zu sehen sind die offenen Lautsprecher unter dem Vive-Logo | Bild: HTC

Was bedeutet die Vive Focus 3 für den VR-Markt?

Die Vive Focus 3 tritt die Nachfolge der autarken Vive Focus und Vive Focus Plus an. HTC nennt die VR-Brille Vive Focus 3, um Verwechslungen mit der Vive Focus Plus zu vermeiden und den Generationensprung herauszustellen, sagt Wheeler.

Die VR-Brille sei als Konkurrenz für die Business-Version der Oculus Quest 2 gedacht, für die Facebook einmalig 800 US-Dollar und nach zwölf Monaten jeweils einmal im Jahr 180 US-Dollar zusätzlich für Support in Rechnung stellt.

Dass HTC keine Endverbraucherversion anbietet, liegt nahe. Facebook verkauft Oculus Quest 2 mit Verlust, um sein VR-Produkt möglichst schnell unters Volk zu bringen. Das kann sich das vom Hardware-Verkauf abhängige HTC nicht leisten. Doch es gibt wahrscheinlich noch einen anderen Grund für HTCs Zögern: Ohne prall gefüllten App Store dürfte es schwierig werden, Konsumenten von einer autarken VR-Brille zu überzeugen. Insbesondere dann, wenn sie doppelt oder drei Mal so teuer ist wie Oculus Quest.

Facebook dürfte den Konsumentenmarkt vorerst weiter kontrollieren. Es wäre jedoch schon ein Fortschritt, wenn es autarke VR-Brillen gäbe, die technisch einigermaßen mit der Oculus Quest 2 mithalten können. Pico unternimmt mit der Pico Neo 3 Pro, HTC mit der Vive Focus 3 einen ernsthaften Versuch. Jetzt müssen Tests zeigen, wie sich die Geräte schlagen.

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Quelle und Titelbild: HTC

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