Update: 26.02.2021

Mit Virtual Desktop könnt ihr hochwertige PC-VR-Spiele drahtlos in eure Oculus Quest streamen. Wie das geht, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Im November 2019 launchte Facebook Oculus Link (Infos). Damit können Quest-Nutzer ihre VR-Brille per USB-Kabel an einen PC anschließen und PC-VR-Spiele der Rift-Plattform, Steam oder Viveport per Videostreaming spielen. Das funktioniert erstaunlich gut, wie unser Oculus Link-Test zeigte.

Der Nachteil von Facebooks PC-VR-Verbindung ist, dass Oculus Quest wieder an einem Kabel hängt. Aus diesem Grund implementierte der Entwickler Guy Godin im Sommer 2019 WLAN-Streaming in seine VR-App Virtual Desktop.

Beim WLAN-Streaming wird das Videosignal ähnlich wie bei Oculus Link zuerst am PC komprimiert und anschließend von Oculus Quest decodiert. Der Unterschied ist, dass das Videosignal bei Virtual Desktop über das heimische WLAN drahtlos in die VR-Brille gestreamt wird.

Zwar gibt es auch andere Programme für WLAN-Streaming wie zum Beispiel das kostenlose ALVR. Im Mittelpunkt dieser Anleitung steht jedoch Virtual Desktop, weil es die derzeit beste Lösung darstellt.

Update vom 26. Februar 2021:

Virtual Desktops WLAN-Streaming ist seit dem 25. Februar 2021 wieder ein offizielles Feature und muss nicht via Sideloading nachgepatcht werden. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.

Hintergrund: Virtual Desktop und der Quest Store

Guy Godin musste die Streaming-Funktion im Sommer 2019, also kurz nach der Veröffentlichung, auf Anweisung Facebooks aus der offiziellen Version von Virtual Desktop entfernen.

Das Unternehmen gab als Grund Qualitätsbedenken an. “Eine der Herausforderungen mit Virtual Desktop ist, dass wir nicht wissen können, welche WLAN-Verbindung Nutzer haben. Wir können keine gute VR-Erfahrung sicherstellen und haben deshalb Apps wie Virtual Desktop Einschränkungen auferlegt”, sagte XR-Chef Andrew Bosworth über Facebooks Dilemma.

Godin bot nach dem Bann der Streaming-Funktion einen kostenlosen Patch auf der Sideloading-Plattform Sidequest an. Wer ihn auf Oculus Quest installierte, erhielt vollen Zugriff auf die Streaming-Funktionalität.

Im Februar 2021 machte Facebook den Bann rückgängig. Seither ist das WLAN-Streaming wieder ein offizielles Feature von Virtual Desktop, das keines Patch-Sideloadings mehr bedarf. Dadurch wird die Einrichtung des WLAN-Streamings  erheblich erleichtert.

Facebook arbeitet an einer eigenen WLAN-Streaming-Lösung. Ob und wann das Feature erscheint, ist nicht bekannt (siehe kommende Quest-Features). Dank Virtual Desktop müsst ihr nicht auf Facebook warten und könnt drahtloses VR-Streaming schon jetzt ausprobieren.

Was ihr sonst noch mit der VR-App machen könnt, erfahrt ihr in meinem Virtual Desktop-Test oder in folgendem Trailer.

 

Was ihr braucht

Bevor ihr loslegt, müsst ihr sicherstellen, dass ihr Folgendes besitzt:

  • eine Oculus Quest oder Oculus Quest 2
  • einen VR-tauglichen PC mit Windows 10 (siehe VR-Systemanforderungen)
  • einen Router der Norm IEEE 802.11ac oder IEEE 802.11ax mit 5-Ghz-Unterstützung

So richtet ihr WLAN-Streaming ein

  1. Kauft euch Virtual Desktop im Quest Store für 19,99 Euro und installiert die VR-App.
  2. Installiert den Virtual Desktop VR Patch via Sidequest auf eurer Oculus Quest. Wie das geht, könnt ihr in der Sideloading & Sidequest Anleitung nachlesen.
  3. Ladet auf der offiziellen Internetseite von Virtual Desktop die Streamer App herunter und installiert sie auf eurem PC.
  4. Stellt sicher, dass euer WLAN-Router per Ethernetkabel mit eurem PC verbunden ist, sich in unmittelbarer Nähe eures Spielbereichs befindet und im 5-Ghz-Band funkt.
  5. Startet Virtual Desktop Streamer auf eurem PC und Virtual Desktop auf eurer Oculus Quest. Stellt sicher, dass euer PC und die Oculus Quest mit dem gleichen WLAN verbunden sind.
  6. Virtual Desktop sollte sich automatisch mit dem PC verbinden, sodass ihr euren PC-Desktop samt Virtual Desktop Streamer in der VR-Brille seht.
  7. Drückt die Systemtaste des linken Touch-Controllers, um das Virtual Desktop-Menü zu öffnen. Wählt ihr das Menüfeld “Games” aus, solltet ihr all eure VR-Spiele sehen. Klickt auf den Titel, den ihr spielen wollt und legt los.
  8. Um ein Spiel zu verlassen, drückt ein bis zwei Sekunden auf die Systemtaste des linken Touch-Controllers. Dann sollte das Virtual Desktop-Menü vor euch erscheinen, sodass ihr ein Spiel verlassen oder zu einem anderen Titel wechseln könnt.

So optimiert ihr das WLAN-Streaming

Die Qualität des WLAN-Streaming hängt von vielen Faktoren ab:

  • der Qualität des Routers und Netzwerks,
  • eurer Grafikkarte und
  • den Einstellungen im Virtual Desktop Streamer und Virtual Desktop selbst.

Für gutes WLAN-Streaming ist neben der Bildqualität die Latenz entscheidend: Ist diese zu hoch, kommt es in der Virtual Reality zu spürbaren Verzögerungen zwischen der eigenen Handlung und der grafischen Ausführung, was den Spielspaß trübt und sogar Übelkeit auslösen kann.

Guy Godin zufolge sind mit RTX-Grafikkarten ab der 2000er-Serie sehr gute Latenzen von 22-33 Millisekunden möglich.

Ich komme mit einem Standardrouter meines Internetanbieters und einer GTX 1080 Ti auf eine Latenz von circa 30-50 Millisekunden, abhängig vom grafischen Anspruch der verwendeten VR-App. Ein solcher Wert reicht für gemächlichere, storybasierte VR-Spiele. Schnelle Actiontitel wie Half-Life: Alyx oder das Musikspiel Beat Saber machen damit weniger Spaß. Aber vielleicht erreicht ihr ja bessere Werte.

Um eure Latenz einzusehen, aktiviert im Streaming-Tab das Performance Overlay.

Ruft hierfür durch einen kurzen oder langen Druck der Systemtaste des linken Touch-Controllers das Virtual Desktop-Menü auf, wählt das Menüfeld “Streaming”. Hier solltet ihr das Performance Overlay aktivieren können, das euch alle wichtigen Werte in Echtzeit anzeigt:

Virtual_Desktop_Update_118_Performance_Overlay

Mit dem neuen Performance Overlay habt ihr eure Streaming-Performance stets im Blick.

Um eure Bildqualität und Latenz zu verbessern, experimentiert mit den Einstellungen im Virtual Desktop Streamer und in der Virtual Desktop-App.

sdf

Im Menüfeld “Streaming” findet ihr alle fürs WLAN-Streaming relevanten Einstellungen. | Screenshot: MIXED.de

Diese Vorteile bringt Oculus Quest 2

Oculus Quest 2 unterstützt seit Update 23.0 VR-Apps, die für 90 Hertz Bildwiederholrate optimiert sind und Virtual Desktop ist eine der Apps, die mit 90 Hertz laufen. Das heißt, dass ihr VR-Spiele drahtlos mit 90-Hertz-Bildwiederholrate in die VR-Brille streamen könnt. Mit der Original-Quest sind nur 72 Hertz möglich.

Titelbild: Virtual Desktop / Guy Godin

Oculus Quest 2 aus Deutschland bestellen

Oculus Quest 2 wird in Deutschland vorerst nicht verkauft. Wie lange dieser Verkaufsstopp anhält, ist nicht bekannt.

Bei Amazon Frankreich könnt ihr die Oculus Quest 2 ganz normal kaufen. Tipp: Rechtsklick auf die Webseite und “Übersetzen” wählen.

Oculus Quest – 64 GB | Oculus Quest – 256 GB

Hinweis: Ihr könnt bei Amazon Frankreich über euren deutschen Account bestellen. Die VR-Brille unterstützt deutsche Sprache in den Menüs. Eine regionale Sperre seitens Facebook ist derzeit nicht aktiv – Quest 2 funktioniert ganz normal. Amazon Frankreich liefert innerhalb weniger Tage, zum Teil werden die Geräte sogar aus Lagern in Deutschland verschickt.

Weiterlesen über Oculus Quest 2:

steady2

MIXED.de Podcast: VR, AR und KI - jede Woche neu

Jetzt reinhören: Alle Folgen


Hinweis: Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.